Rosalía shooting for 032c Magazine
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Rosalía shooting for 032c Magazine
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zeitgeist
Zwischen Papier und Rotwein sitzt du. Deine Haare zerzaust und du rauchst. Du überlegst, weil du nichts mehr weißt. Du hast fast alles leer getrunken und trotzdem ist dein Kopf so schwer. Papier, weil du es ihr sagen willst. Aber dein scheiss Herz weiß wieder nicht, was es eigentlich will. Du drückst die Zigarette auf deiner Hand aus. Du weißt, dass du ihr weh tust. Aber du fühlst nichts mehr. Die Zeit ertränkt alles.
Love don’t break me - Billy 🥀🌸
via vsco
Ersatzverkehr
Ich blicke verloren in das dunkelgrüne Gras. Neben mir standet ihr, gefestigt, mit schwacher Sorge nur in der Pupille. Ihr wart in so schönem Stolz gekleidet. Ich starre eure Spuren an, schwach zeichnen sie einen Weg, doch Gestrüpp und Regen haben mir die Hoffnung genommen.
Ein langer Grashalm streift meine Schläfe und ich zucke erschrocken. Hecktisch blicke ich mich um, erneut hasche ich nach eurem Blick, wie konntet ihr nur.
Ich taumle verloren durch das stickige Geäst. Der Wald wird immer wilder, die Ranken peitschen mich, verfolgen mich, der Wind reißt an mir, stolpernd finde ich euch nicht.
Ich suche die Lichtung, die Hoffnung, verschleierte Liebe, dachte ich, und finde dunkle Skelette verwelkter Blumen, die eure Augen sind. Ihr hattet mir ein Wort gegeben.
Und ich renne weiter, bis die Bäume zu Mauern werden und ich spüre einen kalten Blick im Nacken und erinnere mich im Umdrehen:
Da steht ihr.
In weißer Kleidung und schaut mich unschuldig an. Doch ihr reicht mir keine Hand.
Ihr seid im Stolz gebrochen. Wie die Blumen verwelkt und alles, für das ihr einstandet, fällt als verräterische Asche vor meine Füße.
Der Boden weicht auf und ich falle in das Meer, bis ich Poseidon küsse. Und dann erwache ich nass und traurig und verwirrt.
In der S-Bahn ist die Anzeigetafel kaputt.
Wieso weinst du? Fragt sie. Ich wische die Träne aus dem Augenwinkel, der mich verraten hat.
Ich fahre den ganzen Ring: Ihr habt mich vergessen.
🍒
Ich schmecke die Kirsche zwischen meinen Zähnen, wirble sie mit meiner Zunge im feuchten Mund und weiß doch nicht, wie es sich anfühlt.
Kirschrote Lippen und der Kern fliegt vor deine Füße.
Zaghaft sauge ich den Saft,
zaghaft suche ich dein Grinsen,
zaghaft suche ich deine Geborgenheit.
Wie die Kirsche gebe ich mich hin, knote den Stil in meinem Mund, bis die Zunge die deine sucht. In der untergehenden Abendsonne, wenn dein Körper zart erleuchtet, fällt mir Nähe so leicht. Ich sehne mich sogar nach dir. In kirschroten Umarmungen verharren wir, bis der Kern zur neuen Hülle findet
und die Distanz zwischen uns langsam zurückkehrt.
Ich wende mich ab, verschlinge die letzte Kirsche und weiß doch wieder nicht, wie es sich anfühlt.
DRAUSSEN
Ich sitze in meiner Badewanne, in der kein Wasser ist, sitze und sitze und du kommst vorbei, bringst ein Glas Wein mit, du erzählst von draußen, was so passiert, ich lehne mich an die Porzellanlehne und lausche deiner Stimme, die so sanft durch meine Synapsen zieht.
Ich sitze in meiner Badewanne, esse Nudeln aus einer Tasse und starre die Kacheln an der Wand an, kitschig irgendwie, ich erinnere mich an deine Stimme, schließe die Augen und gebe mich hin. Ich sitze, du erzählst lange nicht mehr von draußen, erzählst von drinnen, von dir, von deinen Ideen und ich lausche dir aufmerksam, klebe an deinen Lippen wie die Nudeln am Tassenrand. Ich sitze in meiner Badewanne, in der kein Wasser ist, trage außer einem Socken nichts, rauche eine nicht ganz legale Zigarette, es klirren meine Ohren, die Stille erdrückt mich, sanft gebe ich mich ihrem Rhythmus hin, bis ich langsam mit dem Kopf zu nicken beginne. Du kommst und bringst mir frische Socken, lächelst und streichst zaghaft über meinen Körper. Die Berührung bedrückt mich. Ich möchte nur deine Stimme hören, flüstere ich, meine Stimme ist mir fremd, sie klemmt zwischen den Kacheln und versackt dort, du schmunzelst und erzählst von deinem Lieblingsessen. Ich denke an die Nudeln und versinke in deiner Stimme, bis der Morgen graut und du gehen musst. Ich sitze in meiner Badewanne ohne Wasser, wünsche mir Wärme, du hast die Heizung ausgemacht, aber aufstehen kann ich nicht. Die Schwere der Stille presst mich in die Wanne, jeder Teil meines Körper tropft in das Becken. Ich massiere meinen großen Zeh am Abfluss, suhle mich in Einsamkeit, bis ich den Schlüssel in der Tür höre. Du hast einen Freund mitgebracht und ich genieße eure Gespräche, sehe euch dabei nicht an, sauge eure Stimmen in mich auf. Willst du nicht auch mal rauskommen? Fragst du irgendwann. Ich müsste eigentlich, denke ich, draußen ist es schließlich...
Du folgst meinem leeren Blick.
Warum eigentlich?
Ich sitze in meiner Badewanne. Und du gehst, bis morgen.
Monica Bellucci & Vincent Cassel