Geolitico: Die bröckelnde evangelische Kirche befindet sich auf einer „Schwundstufe des Christentums“. Eine fortdauernde Reformation kann in ihr nicht stattfinden. Als Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an das Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg anschlug, um die Auswüchse des Ablasshandels anzuprangern, ahnte er nicht, dass er damit eine Entwicklung in Gang setzte, die sich zu einem reißenden Strom auswachsen sollte: Die katholische Kirche wurde tief erschüttert, alte Bindungen und Maßstäbe zertrümmert, die mittelalterliche Gesellschaftsstruktur eingerissen und Europa in Nationen und getrennte Konfessionen aufgegliedert. Ein solcher Thesenanschlag mit dem Angebot, sie gegen jeden zu verteidigen, war an sich nichts Besonderes, sondern eine alte Praxis der mittelalterlichen Universitäten. Und der zuständige Bischof hatte auch an den akademischen Thesen nichts zu beanstanden. Doch auf die von Luther zusätzlich besorgte Verbreitung der Thesen im Volk strömte ihm wachsende Zustimmung aus allen Teilen des Landes zu; und die heftigen Erwiderungen und Angriffe der Ablassprediger und ihrer gelehrten Helfer ließen den kampfesmutigen Luther zu weiteren Angriffen übergehen, in denen er seine Kritik an der Kirche kräftig ausweitete. Sie gipfelte schließlich darin, die päpstliche Autorität über die Christenheit überhaupt zu bestreiten. Ja, er rief Kaiser, Könige und Fürsten auf, wenn die Raserei der Römlinge so weitergehe, [...] http://dlvr.it/N82CtS