Tag 933 / Am Wahltag soziale Ungerechtigkeit empfindend die Zustimmung zur Mieterhöhung abgeschickt.
Es spricht rechtlich, auf Grundlage aktueller Gesetze nach dreifacher Beratung und Schriftverkehr nichts dagegen.
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Tag 933 / Am Wahltag soziale Ungerechtigkeit empfindend die Zustimmung zur Mieterhöhung abgeschickt.
Es spricht rechtlich, auf Grundlage aktueller Gesetze nach dreifacher Beratung und Schriftverkehr nichts dagegen.
Tag 841 / ..., dann können wir uns das sparen
Ich habe in meinem Brief zum Übergangsgeld von Appellen an Moral, Ethik und Verantwortung abgesehen. Die dramatische Lage, die insbesondere aus dem Alkoholismus resultiert, habe ich nicht in dem Maße betont, wie ich es grundsätzlich für richtig und wichtig halte. Lediglich in zwei Sätzen habe ich Passagen aus einem von der Institution erstellten Papier zitiert. Und zwar aus dem folgenden Absatz: „Die Teilhabe am Arbeitsleben ist gerade auch für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen von elementarer Bedeutung. „Berufstätigsein“ ist sichtbares Kennzeichen gesellschaftlicher Zugehörigkeit. Eine Erwerbstätigkeit zur Bestreitung des Lebensunterhaltes ist von zentraler Bedeutung, darüber hinaus leitet sich ein großer Teil sozialer Beziehungen und Rollen aus der beruflichen Stellung ab. Arbeitslosigkeit ist unbestritten ein bedeutsamer „pathogener Faktor“ und stellt in der Rehabilitation von Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung ein erhebliches Hindernis dar. Demgegenüber kann die Rezidivwahrscheinlichkeit bei einer Abhängigkeitserkrankung durch eine Reintegration in das Arbeitsleben verringert werden.“
Wir können uns all die Bewilligungen, Bescheide und Maßnahmen, die vor einer Reintegration ins Arbeitsleben von Suchtkranken stehen, sparen, wenn wir diesen Menschen begleitend permanent Steine in den Weg legen, auf die Schwere ihrer Erkrankung keine Rücksicht nehmen.
Jetzt, am Samstag, wenn ich nicht ab 8.30 Uhr in der Maßnahme sitze und andere Inhalte in mein Hirn dringen, jetzt, am Samstag, wenn ich zu Hause bin, wenn ich länger schlafe, in gefühlter Strukturlosigkeit aufwache (Was mache ich denn heute wann?), kommt die Existenzbedrohung, die Verzweiflung und auch die Resignation, die Lebensverneinung wieder hoch.
Ich habe durch einen unachtsam angefertigten Bescheid, der eine Summe enthält, die nicht nur wie auch Hartz IV unter dem Existenzminium in Deutschland liegt, sondern sogar unter der Summe in meinem Hartz IV-Leistungsbescheid und eben deshalb auch noch nicht mal meine fixen Lebenserhaltungskosten deckt, eine komplette Woche in der ja durch die Institution bewilligten Rehamaßnahme verloren. Ich habe Beratungsstellen im Internet recherchiert, Öffnungs- und Sprechzeiten, ich habe telefoniert, Termine gemacht, ich habe diese Leitlinien (s.u.) im Netz gefunden wie auch den Rundbrief (s.u.), um mir selbst ein Bild von Regeln und Rechten zu machen. Ich habe mit großer Mühe Stellen recherchiert, in denen ich ohne Eintreten der lebensbedrohlichen und lebensumwerfenden Krankheit Alkoholismus, sowie ohne psychische Folgeschäden arbeiten könnte, um eben den von der Institution angenommen ortsüblichen Lohn in der Berechnungsgrundlage zu widerlegen. Ich habe einen vierseitigen Brief geschrieben, zwei Sitzungen mit meiner Einzelberaterin in der beruflichen Reha im Fortkommen bei der Integration ins Arbeitsleben verloren, weil wir mein weiteres Vorgehen und dieses von mir verfasste Schriftstück besprochen haben.
Ich konnte mich über eine Woche nicht dem widmen, wozu diese Leistungen zur Teilhabe da sind, keine Praktika recherchieren, aus denen möglicherweise die gewünschte Festanstellung oder eine Richtung für eine Weiterqualifizierung resultiert.
Die Institution pinkelt sich ans eigene Bein.
Wir können uns das alles sparen.
Wir brauchen den Alkoholikern gar nicht mit kostenintensiver Therapie (12 bis 15 Wochen) plus Nachsorge (1 bis 2 x 6 Monate) helfen, trocken zu werden, wenn wir Alkohol an jeder Straßenecke verkaufen, auf jeder öffentlichen und privaten Veranstaltung anbieten. Und genauso widersinnig sind jetzt diese Beschwerlichkeiten.
Verdammte Scheiße, was ist mit der Bewilligung des Fahrtkostenerstattung? Was mit der Mittagessenpauschale? Wovon soll ich leben? Wie soll ich da Mut fassen, dass mich mit dieser Lebenslauflücke und dieser manifesten psychischen Schwerbehinderung je ein Arbeitgeber einstellt?
Ich verstehe das auch alles nicht.
Wenn ein Mitpatient in der Suchtklinik eine Adaption beantragt hat, dann kam die Bewilligung bereits während seines Klinikaufenthalts. Dafür ist ja auch die Adaption gedacht - nahtloser Übergang. Wenn ich aber Leistungen zur Teilhabe beantrage, dann warte ich dreieinhalb Monate auf die Bewilligung, werde zu 8-Stunden-täglich-Maßnahmeanbietern geschickt, obwohl in meinem Entlassungsbericht eine Teilzeitarbeitsfähigkeit bemerkt ist, muss noch zur medizinisch-beruflichen Reha, weil durch meinen Einspruch alles erneut in Frage gestellt wird und beginne im 16. Monat nach Suchtklinik-Entlassung die Maßnahme, wegen derer ich die Entwöhnungstherapie überhaupt von Anfang bis Ende durchgezogen habe.
Es gab Mitpatienten, die bauten Rückfälle in der Klinik und wurden trotzdem ohne Umwege in die kostenintensivere Adaption geschickt. Es gibt eine rückfallfreie Agatha, die aber immer ehrlich ist und sagt, dass der Alkohol eigentlich jeden Tag in ihrem Kopf ist, die zugibt, ans Trinken zu denken, alles hinzuschmeißen, sich dem Suffelend hinzugeben, weil der Abstinenzweg eben auch ein beschwerlicherer ist, weil man die Beschwerlichkeiten ungedämpft, ungefiltert wahrnimmt.
Während Sie, die unachtsam mal irgendeine Summe in die Berechnungsgrundlage eintragen, Ihre bedrückende Verantwortung für die Lebensexistenz (ehemals) Schwersterkrankter am Wochenende vielleicht mit einem Viertelchen Wein, mit zwei Schnapserln oder drei Radlern vergessen können, ist bei mir am Wochenende, heute hier, der volle Umfang dieser Kackscheiße spürbar. Vor zwei Wochen überlegte ich, mich zu prostituieren, um mit einem halbwegs annehmbaren Stundenlohn mein Übergangsgeld aufzubessern. Heute erinnere ich mich wieder daran. Und ich erinnere mich daran, dass ich als Abhängigkeitskranke, nicht nur unabhängig von bewusstseinsverändernden, tödlichen Substanzen, sondern auch unabhängig von Finanzierung durch Institutionen (Jobcenter, Rentenversicherung, Elternteil) und den damit verbundenen Nebenwirkungen leben möchte.
Wir können uns dieses ganze Toleranzgesülze sparen, dieses jeden mit seinen individuellen Schwächen annehmen und respektieren, diese Schwerbehindertensitzplätze in U-Bahnen, diese barrierefreien Zugänge, wir können uns Ausbildungen zum Diversity-Trainer, „Liebe statt Hass“-T-Shirts, Demos für das offene Europa, eine pluralistische, multikulti-Gesellschaft, die Eine Welt sparen, wenn wir gleichzeitig nicht auf Alkoholiker, auf psychisch Kranke, die (bisher) nicht gewalttätig und gemeingefährlich waren, auf Menschen mit ganz basalen Grundbedürfnissen Rücksicht nehmen.
Wie soll der Alkoholiker trocken bleiben, wenn er so wie er trocken ist, nicht angenommen wird? Nur unter Seinesgleichen angenommen wird? Wenn selbst grünwählende Verwandte sich abwenden, zu Saufzeiten aber zweimal jährlich zu Besuch waren?
Darf man mit Katzen in die USA auswandern? Dort ist doch das öffentliche Trinken weniger verbreitet. Dort rennen Menschen mit einem organischen und einem prothetischen Bein in kurzen Shorts herum wie ich gestern erfuhr, weil sie ganz offen zu demonstrieren scheinen: Ich bin anders und das ist gut so. Ich habe eine Behinderung und schäme mich nicht. Ich nehme alle Hilfsmittel, die mir geboten werden, um ein selbstbestimmtes, freies Leben führen zu können. Und gerade wegen des letzten Satzes befinde ich mich in dieser beruflichen Rehabilitation. Weil ich mir nicht zutraue, ohne Hilfsmittel wieder ins Berufsleben zu starten, weil es Mut kostet, Hilfe anzunehmen, man aber stärker ist, wenn man dies tut. (“It takes a lot … to ask for help“, Damien Rice, Tag 678)
Ben Affleck, Brad Pitt, Michael Phelps, Robin Williams, Macklemore. Alle suchtkrank. Fast alle schon mal eine Rehabilitationsklinik von innen gesehen. Alle offen, ehrlich, geoutet in puncto Sucht. Alle mit dem 12-Schritte-Programm mehr oder weniger verbunden. Kann mir dieses Programm jetzt helfen? Soll ich hinnehmen, was ich nicht ändern kann - dieses weniger Geld? Soll um Kraft bitten, es zu ändern?
Dienstag noch dachte ich, ich habe es abgegeben, es liegt jetzt in deren Händen, in Gottes Händen. Aber das Warten auf Antwort zermürbt. Der ganze Trockenheitsweg ist ein einziges Warten.
Bei Macklemore’s facebook Account gibt es ein Video. Ein recht langes Video. Eigentlich ein Werbevideo für eine Sportmarke. Gepostet Anfang Februar diesen Jahres. Bei Minute 1:40 etwa sagt er, was wirklich wichtig in seinem Leben für ihn ist: ...being a good dad, being a good partner, doing the right thing, staying sober, battling addiction...
Dieses „battling addiction“, „staying sober“, das mache ich auch, jeden Tag. Ich mache MEINEN Teil für die Reintegration ins Arbeitsleben, dafür, dass nach der stoffbezogenen auch die finanzielle Unabhängigkeit folgt, dafür dass meine Rezidivwahrscheinlichkeit immer weiter sinkt. Und ich würde dieser behäbigen, trägen, verstaubten, stoischen Institution so gerne an die Wände schreiben, ins Gesicht schreien: Macht, verdammt noch mal, EUREN Teil. Macht euren Job, denkt nach, bevor ihr sowas rausschickt. Zuviel Mit- und Vorausdenken, gibt es selten. Vielleicht überhaupt mal denken. Hirn benutzen...
oder wir uns das sparen uns das Ganze.
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Leitlinien zur Rehabilitationsbedürftigkeit für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben https://tinyurl.com/y7w3g97l
Gemeinsames Rundschreiben der Rentenversicherungsträger zum Übergangsgeld https://tinyurl.com/ydd8v2fd
Existenzbedrohlich Englisch übersetzung - Englisch Bedeutung für Existenzbedrohlich
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