12.11.2018
Bin schon eine Weile wach und würde nur zu gerne laut Musik hören. Aber ich hab keine Ahnung ob die anderen nebenan noch schlafen. Ich hab die Box eh vergessen. Deshalb schnapp ich mir Stift und Block und leg los. Ich versuche zu beschreiben, wie ich hier her gekommen bin. Am besten fang ich mit vorgestern an:
Ich war noch ziemlich erkältet. Das musste vor meinem ersten Flug ja passieren. Mit meinem Mitbewohner hab ich noch ein wenig die Wohnung sauber gemacht. Zu Belohnung wollten wir uns jeder eine Pizza bestellen. Wir mussten dann aber feststellen, dass unser Lieblings Luegerdienst die Segel gestrichen hat. Zeit für wen neues in unserem Leben. Aber sofort binden? Erst mal ausprobieren!
Die heutige Alternative bietet Käse im Rand an. Hat Potential. Mein Mitbewohner geht die Sache human an, während ich maßlos übertrieben. 40cm Durchmesser und Käserand. „Da bleibt sicher für morgen noch was über. Ist schließlich auch eine lange Fahrt.“
Ich hab die ganze Pizza verdrückt. Mir ist schlecht. Am besten hinlegen und schlafen. 4:30 Uhr geht’s dann auch los nach Frankfurt (am Main) zum Flughafen. Kaum hingelegt klingelt auch schon das Handy. Zum Glück nur eine Nachricht.
Sorry. Mein Handy spinnt. Wollen in ‚ner halben Stunde los. Sollen wir dich abholen?
Voll vergessen. Die Straße runter ist ja noch eine Gausparty und ich hab natürlich zugesagt. Aber da noch hin? Eigentlich spricht nichts dagegen. Pizza ist gegessen und schlafen kann ich im Bus. Freya und Pal stehen vor der Tür. Ich verabschiede mich und zieh los. Kaum angekommen schon verquatscht. Nicht mal ganz ins Haus geschafft. Die erste Tüte hat auch nicht lange auf sich warten lassen. War eigentlich klar.
Eine Stunde vor Abfahrt kam ich los. Der Käserand rebellierte immer noch im Magen. Vielleicht bin ich spontan Laktose intolerant geworden. Ab nach Hause, sicherheitshalber auf Klo, fix duschen, restliche Sachen einpacken und weiter zur FH. Kurz vor knapp noch geschafft. Bin auch nicht der letzte gewesen. Cedric und ich machten uns auf der Rückbank breit. Kaum losgefahren und schon eingepennt. Mein Plan geht auf. Als ich aufwachte führen wir gerade auf den Parkplatz des Flughafens. Es ist ungefähr halb neun. Der Flug geht um 12:00 Uhr. Warten.
Fliegen hab ich mir irgendwie aufregender vorgestellt. Zwischenstopp in Madrid. Ich war auch noch nie in Spanien. Schön noch erste Male zu haben. Schnell umgestiegen und Abflug. Wieder warten. Zehn Stunden warten. Zum Glück gibt es ne gute Mediathek. Sie haben Pulb Fiction. Wieder eingeknackt. Bruce Willis flüchtet gerade von seinem Boxkampf ins Hotelzimmer.
Aus dem Fenster kann man schon die ersten Lichter sehen. Moin Südamerika. Moin Medellin. Wir werden von einem Bus der UPB, unsre Partnerschule, abgzeholt. Während der Fahrt macht sich dann doch die Anstrengung bemerkbear und die Augen fallen im Sekundentakt zu. Vor meinen Augen ziehen Schnipsel von einer ländlichen Gegend vorbei. Von weitem sieht man schon die Licjter der Stadt und plötzlich sind wir mittendrin.
Nach einer kleinen Irrfahrt kommen wir endlich an. Wir werden freundlich begrüßt. Nachdem uns die Zimmer gezeigt wurden, werden diese auch gleich bezogen. Ich hab ein Einzelzimmer mit Hängematte abbekommen. Jackpot.
Ich hör nebenan Stimmen anscheinend sind die anderen alle wach. Erst mal aus der Hängematte kommen, einen Plan schmieden und einkaufen.
Scheiß Sprachbarriere. Ich fühl mich hier sehr aufgeschmissen. Kein Plan was ich gerade gekauft hab. Naja. Schmecken tut es trotzdem.
Unsere Dozenten holen uns von der Wohnung ab. Es geht heute in die Comuna 13. Dabei handelt es sich um einen der größten Stadtteile Medellins. Nach einem Fußweg geht es mit der Metro weiter Richtung Westen nach San Javier. Dort wartet Leandro auf uns. Er geht mit uns zur Bushaltestelle und wir fahren mit einem recht kleinen und gut überfüllten weiter.
Endlich angekommen. Nach einer kleinen Einführung geht es weiter nach oben. Leandro kommt aus Comuna 13 und zeigt uns sein Zuahsue, Graffitis und erklärt uns ihre Bedeutungen. Die Menschen hier verkaufen aus ihren Häusern heraus sämtliche Dinge. So halten sich die meisten hier über Wasser. Aber auch kleine Stände sind hier zuhauf zu finden. Man kann hier so viel essen. Und es geht weiter höher und höher. Es gefällt ihr hier sehr. Kaum zu glauben, dass hier vor 16 Jahren noch Krieg herschte.
Bevor wir in das Café eines Freundes von Lenadro gehen, passieren wir noch eine Rutsche. Sie wurde zum Gedenken an einen jungen errichtet der in einem Kreuzfeuer ums Leben kam. Wir sollen kurz in uns gehen und dann berichten an was wir gedacht haben.
Im Café ist die Stimmung besser. Es gib sogar Live-Musik. Wär nur nicht die Sprachbarriere da.
Leandro bringt uns wieder zurück zur Station. Wir entschlossen noch eine Runde mit der Seilbahn zu drehen. Dieses Stadt ist so riesig. So viele Lichtter.
Zu guter letzt gehen wir alle gemeinsam noch was essen. Traditionell versteht sich. Irre Kombination. Gekochte Banane mit Reis, grüne Tomate, gesalzte Kartoffel und eine Linsensuppe. Zurück in die Unterkunft kann ich rollen.
📷 2,7,8 und 9: Cedric Fernandez









