Ransomware war in 2016 auf dem Vormarsch. Das Ziel der Angreifer ist es, ein Unternehmen zu infiltrieren, die Ransomware zu implementieren und Lösegeld zu erpressen. Dabei gilt es den effektivsten Angriff mit dem geringsten Aufwand auszufĂŒhren, um die höchste Rendite zu erzielen. Die Angreifer setzen dabei zunehmend auf automatisierte Werkzeuge wie Exploit-Kits, die ihnen helfen, ihre Attacken in groĂem MaĂstab durchzufĂŒhren. Exploit-Kits erlauben es einem Cyberkriminellen, automatisiert Schwachstellen in einer browserbasierten Anwendung auszunutzen, Malware auszuliefern und den Angriff durchzufĂŒhren mithilfe einer EK-Infrastruktur auf Mietbasis. Palo Alto Networks hat in einer umfassenden Untersuchung die aktuelle Situation in Sachen »Exploit Kits« unter die Lupe genommen und stellt zentrale Erkenntnisse heute vor.
»Erfolgsgeschichte« der Exploit-Kits
Um die aktuelle Situation zu bewerten, ist es wichtig, die Geschichte der Exploit-Kits zu verstehen. Wie sind diese zu einer der hĂ€ufigsten und effektivsten Methoden fĂŒr Cyberangriffe auf Unternehmen avanciert? Die PopularitĂ€t von Exploit-Kits geht zurĂŒck auf das Jahr 2006, als der erste dokumentierte Fall erschien, mit WebAttacker. 2007 folgte das erste in gröĂerem Umfang eingesetzte Expolit-Kit, namens MPack.
Mit der EinfĂŒhrung von Blackhole und des dazugehörigen SaaS-basierten (Software-as-a-Service) GeschĂ€ftsmodells im Jahr 2010, erfolgte der entscheidende nĂ€chste Entwicklungsschritt. Anstatt bösartige Infrastrukturen einzurichten, Websites zu kompromittieren, Schwachstellen-Exploits zu identifizieren und dann schlieĂlich Malware auszuliefern, können böswillige Akteure fast den gesamten Angriffszyklus an einen Experten auslagern. Cyberangriffe wurden dadurch massentauglich, koordiniert mit einer modernen und einfach zu bedienenden OberflĂ€che.
Erste Versionen weiterer Exploit-Kits â wie Neutrino und Nuclear â erscheinen ebenfalls 2010. Im Jahr 2012 wird Blackhole zum beliebtesten Exploit-Kit, wĂ€hrend weitere neue Exploit-Kits im cyberkriminellen Markt in Erscheinung treten. 2013 wird der Autor von Blackhole verhaftet. Angler und weitere Exploit-Kits kommen »auf den Markt«, wobei Angler sich 2015 die »MarktfĂŒhrerschaft« sichert. Anfang 2016 verschwinden Angler und Nuclear wieder von der BildflĂ€che und Neutrino fĂŒllt ab Mitte des Jahres die LĂŒcke als beliebtestes Explot-Kit.
Im Laufe der Zeit konnten einige Exploit-Kits identifiziert und vom Netz genommen werden, wie das Verschwinden von Blackhole nach der Verhaftung seines Autors zeigt. Es ist aber immer wieder ein anderer Autor bereit, »einzuspringen«, um die verlockenden Gewinne abzusahnen. In den letzten Jahren hat die GröĂenordnung beim Einsatz von Exploit-Kits gegen Unternehmen enorm zugenommen. Sie werden zunehmend dazu verwendet, um in groĂem Stil Ransomware-Nutzlasten auszuliefern.
»Die Nachfrage der Cyberkriminellen nimmt zu. Exploit-Kits sind mittlerweile doppelt so teuer wie noch vor zwei Jahren, wie das Forschungszentrum Unit 42 ermittelt hat«, berichtet Thorsten Henning, Senior Systems Engineering Manager bei Palo Alto Networks. »Die Sicherheitsexperten von Unit 42 gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt, wobei böswillige Akteure weiterhin auf die Möglichkeiten der Automatisierung, Skalierung und heimlichen Auslieferung von Malware mittels Exploit-Kits setzen werden.«
Umfassende PrÀvention und zuverlÀssiger Backup-Prozess erforderlich
Wenn Unternehmen ihre Sicherheitsinfrastruktur aufbauen, sollten sie darĂŒber nachdenken, wie sich diese signifikante Bedrohung in den Griff bekommen lĂ€sst. Es gibt MaĂnahmen, um Unternehmen zu schĂŒtzen. Hierzu zĂ€hlt beispielsweise die Verringerung der AngriffsflĂ€che durch Patches, Updates und Upgrades der Anwendungen, das Blockieren bekannter Malware und Exploits sowie das schnelle Erkennen und Stoppen neuer Bedrohungen. Netzwerk- und Endpunkt-basierte PrĂ€vention ist erforderlich, um den Einsatz von Exploit-Kits zu identifizieren und deren AktivitĂ€ten verhindern zu können. Zur PrĂ€vention gehört auch eine restriktive Browsing-Kontrolle.
Unternehmen können durch die genannten PrĂ€ventivmaĂnahmen sicherstellen, dass sie durch diese derzeit zunehmende Bedrohung nicht gefĂ€hrdet werden. Da immer hĂ€ufiger Ransomware mithilfe von Exploit-Kits ausgeliefert wird, ist darĂŒber hinaus ein zuverlĂ€ssiger Backup-Prozess wichtiger denn je â als letzter Rettungsanker fĂŒr den Notfall. Dabei muss die Wiederherstellung kritischer Daten aus dem Backup regelmĂ€Ăig getestet werden. So können verschlĂŒsselte Daten wiederhergestellt werden, ohne auf die Lösegeldforderung der Angreifer einzugehen und damit dieses »GeschĂ€ftsmodell« weiter zu befeuern.
»Unsere aktuelle Untersuchung nimmt Exploit Kits genau unter die Lupe und hilft Unternehmen die Bedrohungslage besser einzuschÀtzen«, fasst Thorsten Henning zusammen. »Das Wissen um die GefÀhrdungen und ein grundlegendes VerstÀndnis der Bedrohungslage sind unverzichtbar, um in Sachen Cybersicherheit die richtigen Entscheidungen zu treffen.«
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