Ja ich arbeite hier tatsächlich auch ☺
“Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten.” -Aristoteles
Ich wurde vor einiger Zeit von meinem Vater darauf hingewiesen, dass ich zu wenig über meine Arbeit schreibe und dafür zu viel über andere Erlebnisse.
Ein Grund warum ich kaum über die Arbeit schreibe ist, dass ich natürlich jeden Tag die gleiche Arbeit verrichte und sich der ganze Ablauf „gelegentlich“ (untertrieben) wiederholt. Die Arbeit macht mir trotzdem mega Spaß, so das nur mal für das Protokoll ☺!
Zweiter Grund war, dass vom 18.12 bis zum 04.01 Ferien in den Schulen waren und somit auch auf der PreSchool. Dann kamen noch Feiertage und Wochenenden dazwischen und dann von Silvester bis zum 10.01 unsere halbwegs ungewollten freien Tage, die wir hauptsächlich in Mzuzu verbracht haben.
Also nun zu meinem normalen Tagesablauf, wenn weder Ferien noch Feiertage noch Wochenenden sind.
Unser Wecker klingelt jeden morgen um 5:00 Uhr morgens und wir stehen mehr oder weniger zügig auf. Seit kurzem haben wir einen Putzplan, also wasche ich morgens ab, während Sandra den Porridge und das Teewasser aufsetzt und das Obst beginnt zu schneiden.
Gegen 5:45 Uhr sind wir dann fertig mit Essen und machen uns relativ zügig fertig. Um 6:00 Uhr wird das erste mal auf der Farm die Glocke (Was eigentlich eine ausrangierter LKW Felge ist) gedengelt. Die Arbeit beginnt um 6:25 Uhr, wir gehen also früher los um dort pünktlich anzukommen. Meistens sind ein paar Farmarbeiter schon unten, die meisten kommen aber erst mit dem letzten Glockenschlag um 6:25 Uhr. Erst wenn alle da sind (was meist nicht lange dauert, da funktioniert die Pünktlichkeit eigentlich ganz gut) geht es los und es wird gebetet.
Dann werden alle von dem Director gebrieft und über die Arbeiten des Tages informiert.
Meistens haben wir noch Informationen von unserem Nordpartner GRACE die wir an Mthuti weiterleiten sollen und kleine Dinge die wir übergeben, die wir aus der Stadt mitgebracht haben.
Das können Zeitungen, Schmerztabletten oder ähnliches sein.
Dann trennen sich unsere Wege. Ich gehe in die PreSchool und wenn alles gut geht sind alle Kinder schon da wenn ich ankomme oder kommen kurz nach mir. Noch besser ist es wenn bereits die Lehrerin mit dem Schlüssel da ist, aber das ist bis jetzt noch nie passiert.
Wenn dann die PreSchool losgeht ist es circa 7:40 Uhr oder später es kommt darauf an wer den Schlüssel hat, aber zur Zeit sind wir bloß zu zweit deshalb beginnt es meistens später, weil die Lehrerin weiter weg wohnt als mein anderer Kollege, der jetzt in die Stadt gezogen ist.
Auch hier werden die Kinder begrüßt, aber anstatt mit einem Briefing mit einem Lied. Danach folgt ein Gebet was jeden Tag das Gleiche ist, damit die Kinder es sich besser merken können:
Let us pray. Thank you God for the nice day,
bless our parents, bless our friends, bless our teachers,
in the name of Jesus. Amen.
Als nächstes in der Tagesordnung stehen Lieder, die den Kindern Englisch beibringen sollen. Ich befürchte aber, dass sie eher weniger davon verstehen und die Leider einfach nur ohne Hintergedanken wiederholen. Das einzig gute daran ist, dass sie dadurch ein Gehör für die Englische Sprache entwickeln. Die Lieder gehen um die 12 Monate, das Alphabet, Vokale und anderes Wissenswertes, aber es gibt auch Lieder die einfach nur spaßeshalber gesungen werden. Manchmal singen sie auch Chichewa oder Chitumbuka Songs, wobei die Kinder Chichewa nicht sprechen, weil die Sprache hauptsächlich im Süden verbreitet ist, aber die Landessprache ist, weshalb die „Kinder des Nordens“ Chichewa in der Schule oder der PreSchool lernen.
Bei solchen Liedern kann ich natürlich eher weniger mithalten. Obwohl ich mittlerweile schon ein Chitumbuka Lied kann und auch, darauf bin ich stolz, alles darin verstehe … glaube ich. Hier eine Kostprobe:
Sono Tiwerenge, tamukulya Nsima. Kula ku Nyumba, tamukulya Nsima.
Menyu, konyu konyu, bwitu, chi, chakamu chakamu.
Praktisch geht dieses Lied nur um das malawische Nationalgericht Nsima. Sie singen:
Sie gehen nach Hause um Nsima zu essen. Und dann erklären sie die einzelnen Schritte. Nehmen, kneten, dippen, in den Mund, kauen. Dann ist man gesättigt und es landet im Bauch. Das ist der ganze Sinn des Liedes, aber es ist ein ganz schöner Ohrwurm das kann ich euch versichern.
Um Neun ist Pause bis halb zehn und meistens ist zu dem Zeitpunkt die Konzentration schon weg, weshalb praktische Aufgaben wie malen und schneiden lerne folgen. Aber da zur Zeit kein leeres Papiere in der Vorschule sind werden bereits bemalte zerschnitten. Die Schnipsel nehmen die Lehrer meistens mit nach Hause um damit Feuer zu machen.
Dann folgt um zehn Uhr die Verabschiedung und jeder geht seine Wege.
Für mich bedeutet das, dass ich runter zur Farm gehe und dort entweder im Office oder den Frauen bei den Nüssen helfe. Dort gibt es auch verschiedene Arbeitsschritte die durchgeführt werden müssen, bis die Nüsse bereit für den Verkauf sind.
Es gibt Tage des Crackings und des Hustlings . Je nachdem wie viele getrocknete Nüsse zur Verfügung stehen sind die Tage danach gerichtet.
Eigentlich ist der erste Schritt die Ernte, dabei habe ich bis jetzt aber noch nicht geholfen und ich weiß auch nicht genau wann die Season dafür ist.
Wurden sie gepflückt, werden sie gelagert und sind zu dem Zeitpunkt in einer fleischig grünen Schale, die die harte Schale und die darin liegende Nuss umhüllt.
Diese Schale wird dann per Hand mit einem Hammer aufgeklopft, nachdem die einzelnen Säcke gewogen worden sind. Meistens sind das so zwischen 18 kg und 24 kg pro Sack.
Danach wird versucht die Nuss aus der Schale zu „fummeln“, da nach dem klopfen die grüne Schale meist nicht komplett aufgegangen ist. Die braune Nuss wird dann in den einen Eimer und die Abfälle in den anderen Eimer geworfen.
Ist dieser Arbeitsschritt erledigt, werden die braunen harten Schalen mit den Nüssen getrocknet und erst dann gecrackt wenn man die Nuss rascheln hört, wenn man die Frucht schüttelt.
Diese werden dann mit einer handbetriebenen Maschine geknackt. Normalerweise gehen nicht alle Schalen in einem Durchgang auf, weshalb man nach jeden Knackvorgang die geschlossenen Nüsse aussortiert und nochmal knacken muss. Das wiederholt sich ziemlich oft und geht auch eine ganze Weile so weiter. Manche fangen währenddessen schon an die Macadamias aus den Schalenhaufen zu sortieren und in „Schüsseln“ zu legen. Die Abfälle werden wieder in Eimer gepackt und die Nüsse anschließend nahc gut und schlecht sortiert. Oftmals haben die Nüsse unschöne Stellen, die keinesfalls schlecht sind, aber einfache Verfärbungen der Nuss sind. Diese werden mit dem Messer abgeschnitten. Das nennt man grading. Jetzt sind die Nüsse soweit bereit in die Stadt zum Rösten transportiert zu werden.
Unser Dorf bietet welche an, die salzig oder süß sind. Die süßen sind mit Karamell überzogen und schmecken irgendwie nach Weihnachten.
So die Arbeit ist dann um 12 Uhr vorbei und ich gehe nach Hause. Wir waschen dort Wäsche, machen den Abwasch, kochen oder lesen.
Das sind meine Hauptaufgaben, aber es variiert sich manchmal und je nach dem, arbeite ich eher auf der Farm als in der Schule. Und manchmal mache ich Finanzwesen im Office und nicht Farmarbeit.
Das also zu meinem Arbeitsplatz. Es wiederholt sich eigentlich jeden Tag, das ist der Grund warum ich nicht unbedingt viel über meine Arbeit schreibe und es den Anschein macht, dass ich nur Spaß am Reisen habe. Natürlich mache ich auch produktives ☺ !