Wenn ich nach diesem Spiel nicht mehr aktiv bin, bin ich an einem Herzinfarkt gestorben

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Wenn ich nach diesem Spiel nicht mehr aktiv bin, bin ich an einem Herzinfarkt gestorben
Das und nach 6 Minuten 0:1 hinten liegen 🥰 (ich kann das alles nicht mehr)
Statement
12/24 HSV FCSP
Von Betten Holm bis Red Bull
Der folgende Text ist ein leicht überarbeiteter Auszug aus einem Kapitel, das ich 2023 für mein Buch „FC St. Pauli. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ geschrieben habe. Anlass der Veröffentlichung dieser Kurzfassung: das erste Aufeinandertreffen zwischen dem FCSP und RB Leipzig in der Ersten Liga.
Ein Paradiesvogel namens Ewald Albert Götz steht in der Hamburger Fußballgeschichte für eine Art Investorenfußball avant la lettre, und das heutige Trainingsgelände des FC St Pauli in der Kollaustraße war der Ort, wo er ihn zelebrieren ließ. 1954 schrieb sogar der „Spiegel“ über sein Wirken. Götz war der Inhaber der Betten-, Gardinen- und Teppichladenkette Holm. Er hatte das Gelände in der Kollaustraße gepachtet und mit seinen Mitarbeitern eine Anlage gebaut, die der heutigen ähnelt. Kosten für unter anderem „zwei billardglatte Fußballplätze mit englischer Rasensaat“ und „ein blitzsauberes, hochmodernes Clubhaus“ („Spiegel“) damals: 350 000 Mark.
Ausschließlich aus Mitarbeitern der Firma Holm formierte sich dann der FC Grün-Weiß von 1953, aber dem gelang es nicht, in den Hamburger Fußball-Verband aufgenommen zu werden. Die Funktionäre ahnten, dass da jemand den Fußball als Marketinginstrument nutzen wollte. Schließlich waren Grün und Weiß „die Reklamefarben“ der Firma Holm, wie der „Spiegel“ bemerkte.
Um eine Lösung zu finden, hijackten die Bettenverkäufer einen Verein in einem ganz anderen Hamburger Stadtteil: Sie übernahmen Ottensen 07, übernahmen unter dem Fusionsproduktnamen Grün-Weiß 07 auch dessen Platz in der dritthöchsten Spielklasse. Eine entfernt ähnliche Geschichte sollte sich 2009 in Leipzig wiederholen, als ein Getränkekonzern dem SSV Markränstadt das Startrecht in der NOFV-Oberliga Süd abkaufte.
Grün-Weiß 07 mischte dann für einige Jahre dank viel Geld die Hamburger Fußballszene auf. Der „Spiegel“ berichtete, „vor größeren Spielen“ reise Grün-Weiß, „gleich den wenigen Star-Teams der drei Stufen höheren Oberliga, bereits am Freitag zwecks seelischer Sammlung in die Einsamkeit der Lüneburger Heide“.
Dass Ewald Albert Götz seine Visiönchen ausgerechnet auf einem Gelände auslebte, auf dem heute der FC St. Pauli trainiert, der dem internationalen Fußballkapitalismus im Restrahmen des Möglichen kritisch gegenüber steht, ist eine zufällige Ironie der Geschichte.