Tišina Mujo
©VIS
ein Film von Ursula Meier
Es war nur eine sehr kurze Begegnung auf dem Friedhof. Kurz, aber von großer Bedeutung. Der entscheidende Schuss des 10-jährigen Mujo geht beim Fußballtraining über das Tor hinaus, direkt auf den angrenzenden Friedhof. Bei einer Pause auf seiner Ballsuche zündet er sich, versteckt hinter einem Grabstein, eine Zigarette an. Umgeben von Toten. Die Kamera hat das junge, von der Sonne leicht gebräunte und freche Gesicht des 10-jährigen genau im Visier, während er sich die Zigarette anzündet und beginnt zu paffen. Seine Haltung, oben ohne und mit Zigarette in der Hand, ist die eines Erwachsenen. Ein schockierendes Bild, das dem Zuschauer einen Schrecken zufügt.
Er wird von einer attraktiven Frau mittleren Alters in schicken Klamotten unterbrochen. Hin- und hergerissen zwischen einer Moralpredigt und der eigenen Lust nach der Zigarette kommt sie auf ihn zu. Sofort spürt man eine Verbindung zwischen den beiden und ihre Unterhaltung bringt eine Gemeinsamkeit hervor: Mujo verlor seine Mutter, sie ihren jüngeren Bruder. Ursula Meier schafft es, die Darsteller in wenigen Sätzen und in kurzer Zeit doch so Vieles voneinander preisgeben zu lassen. In dem Umgang der beiden Charaktere liegt sehr viel Respekt, Zuneigung und Verständnis. Sie teilen ein Leid und haben den selben Schmerz erfahren. All das lässt die Regisseurin das Publikum jedoch nur durch Blicke und Gesten erahnen. Geredet wird in kurzen, sarkastischen Sätzen, ohne viel Inhalt. Eine lange und innige Umarmung zum Abschied. Als Mujo zum Sportplatz zurückkehrt, umgibt ihn ein neues, gestärktes Selbstbewusstsein.
Mit dieser kurzen, lakonischen und doch bedeutenden Begegnung hat Ursula Meier dem Publikum viel Interpretationsspielraum geschaffen. Die Schweizerin feiert mit ihrem Kurzfilm „Tišina Mujo“ große Erfolge. So wurde er bereits auf zahlreichen Filmfestivals gezeigt und hat schon einige Preise gewonnen.
- Gesehen beim Vienna Independent Shorts Festival am 28.05.2015








