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Folge 11: Rich Dad Poor Dad: Was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen
Der US-Amerikaner mit japanischen Wurzeln, Robert Kiyosaki, wuchs auf Hawaii auf. Sein Vater war Lehrer, ihn bezeichnet der Investor als „Armen Dad“. Die zweite prägende Vaterfigur in seiner Kindheit war der Vater seines Freundes Mike, ein Unternehmer ohne besondere Schulbildung, den der Vietnam-Veteran und Hubschrauberpilot seinen „Reichen Dad“ nennt. Zwischen diesen beiden Polen, dem soliden, vorsichtigen Vater und dem risikobereiten Unternehmer, pendeln die Ratschläge immer wieder hin und her in diesem sehr redundanten Buch.
Als denkender Mensch mit Berufs-, Lebens- und Investment-Erfahrung fällt es schwer, Kiyosakis Vortrag unvoreingenommen zu folgen, zu vieles klingt bei Weitem zu riskant, zu pauschal und ist schlicht falsch. Ein Beispiel: Der Autor rät dazu zwangsversteigerte Immobilien zu kaufen und diese später mit immensen Gewonnen zu verkaufen. Hunderte Anleger mit wertlosen Gebäuden in Ostdeutschland dürften bei solchen Weisheiten bitter auflachen. Tatsächlich kenne ich selbst den Käufer einer Immobilie in Westdeutschland, die seit dem Kauf vor mehr als zehn Jahre ungenutzt leersteht. Weiterer Unfug der Marke Kiyosaki: „Die Reichen lassen ihr Geld für sich arbeiten“ – das ist ein Euphemismus für: Die Reichen lassen andere Menschen für sich arbeiten, denn Geld ist ein Gegenstand und Gegenstände können nicht arbeiten. Schwachsinns-Tipp Nr. 3: Der Autor liebt es in so großen Dimensionen zu denken wie die Texaner. Die haben in Alamo zwar krachend verloren, aber Kiyosaki findet, wenn man schon pleite geht, dann nicht wegen einer Doppelhaushälfte. Wer so eine Philosophie tatsächlich toll findet, mag vermutlich auch die Filme „Versicherungsvertreter 1+2“ und „The Wolf of Wall Street“ (beide sind aktuell auf Netflix zu sehen). Und schon kommt der nächste Unfug: Statt breit und sicher zu streuen, etwa in ETF, solle man lieber einige, wenige Aktien kaufen, gerne von Pennystocks, so hält es jedenfalls Kiyosaki. Wirecard lässt grüßen. Gier frisst Hirn. Die nächste, nicht haltbare Behauptung: Menschen werden nicht reich, weil sie in der Schule nichts über Geld lernen. Das mag beim Autor so gewesen sein, ich hingegen hatte selbst in der Sekundarstufe 1 Wirtschaftsunterricht und lernte, wie man einen Haushalt führt und wie Unternehmen Geld für den Staat erwirtschaften.
Davon angesehen bietet das Buch einige wichtige Denkanstöße. Kiyosaki gibt zu, dass er das Schreiben nicht besonders gut beherrscht und das ist wahr. Zwar beginnt das Buch überraschend originell, indem der kleine Robert davon berichtet, wie er als kleiner Junge für seinen reichen Vater arbeitete, erst für einen Hunger- und dann für gar keinen Lohn, um zu lernen, wie wenig die Arbeit als Angestellter wirklich einbringt und das dieser Weg niemals zu großem Reichtum führen wird.
Im Laden entdeckte der kleine Robert dann, dass er nicht verkaufte Comics, deren Cover abgerissen und an den Vertrieb zurückgeschickt wurden, gratis mitnehmen durfte. So lernte Robert nicht für den Lohn zu arbeiten, sondern Chancen wahrzunehmen und selbst unternehmerisch zu denken und zu handeln. Der kleine Junge eröffnete kurzerhand einen Club, in dem seine Mitschüler für 10 Cent eine Stunde lang so viele Comics lesen durften, wie sie es schafften. Für die Kunden bedeutete das, für den Preis eines einzelnen Hefts locker drei oder vier Comics lesen zu können. Und Robert lernte: Für ehrliche Arbeit muss man sehr viel Steuern zahlen und Jahrzehnte mühevoll schuften und als Unternehmer ist es schwer, gute Mitarbeiter zu finden.
„Rich Dad, Poor Dad“ predigt im Kern folgendes:
Als Angestellter muss man so viele Steuern zahlen, dass es fast unmöglich ist, reich zu werden. Also sollte man die Steuervorteile nutzen, die einem ein Unternehmen bietet und selbst eines gründen.
Statt auf Gehaltserhöhungen zu hoffen und aus lauter Angst vor Arbeitslosigkeit selbst den lausigsten Job zu halten, sollte man schon früh in Finanzbildung investieren und sein Geld nicht für Konsumgüter wie Autos, Luxusartikel und anderes verschleudern, auch nicht für ein selbstgenutztes Haus, sondern stattdessen zuerst möglichst viel Geld investieren. Wenn die Aktien, vermieteten Gebäude und andere Investments dann Gewinne abwerfen, kann man sich davon Dinge kaufen wie Autos, Golfschläger und anderes, was rasch an Wert verliert und nicht mit einer Einnahmequelle verwechselt werden sollte. Im Notfall wird man für diese Gegenstände beim Verkauf erheblich weniger bekommen als man bezahlt hatte. Kurz gesagt: Lass dich nicht von Angst kontrollieren. Höre nicht auf deine Gefühle, sondern auf deinen Verstand, wenn du Entscheidungen triffst. Nutze das KISS-Prinzip (Keep it simple and stupid). Reiche sorgen für Vermögenswerte, Arme häufen Verbindlichkeiten an.
Eine gute Schulbildung und eine fundierte Ausbildung reichen längst nicht mehr, um vor Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg geschützt zu sein. Wozu in gute Bildung investieren, wenn man durch Digitalisierung und Globalisierung eh überflüssig wird? Also lieber frühzeitig lernen, für sich selbst zu sorgen, sich selbst zu erst bezahlen. Den Tipp hat sich der Autor, wie er selbst sagt, aus dem Buch „Der reichste Mann in Babylon“ geliehen. Weiterhin zitiert er aus Napoleon Hills Werk „Denke nach und werde reich“. Zu seinen Vorbildern zählen Bill Gates, Warren Buffet, Donald Trump und ihm gefällt Gordon Gekkos Zitat aus dem Film Wall Street: „Gier ist gut“. Wobei der Autor das relativiert und erklärt: es geht nicht um destruktive Gier, sondern um ein gesundes Eigeninteresse als Antrieb, um den Wunsch, Fortschritte im eigenen Leben zu erzielen. Außerdem beeindruckten ihn Ray Croc und McDonalds. Das Unternehmen stelle zwar nur durchschnittlich gute Hamburger her, haben dafür aber ein extrem erfolgreiches Geschäftsmodell, um Unmengen an Geld zu verdienen, gerade als Immobilienunternehmen.
Kiyosaki rät dazu, von Werbetextern zu lernen und stark in der Menschenführung, im Vertrieb und beim Marketing zu werden. Das Produkt sei weniger wichtig als das Image.
Steuern schaden den Armen und der Mittelschicht, die Reichen finden ohnehin Wege, um wenig oder gar keine Abgaben zu zahlen.
Nutze, zumindest am Anfang, Network-Marketing, um die Angst vor Zurückweisung zu verlieren und das Verkaufen zu lernen. Ein weiterer arg fragwürdiger Tipp. Stichwort: Herbalife und ähnliche Modelle, bei denen man am Ende unter Umständen sogar weniger Geld hat als zuvor, weil man Produkte erst kaufen muss, die dann eventuell verdorben sind, bevor sich ein Käufer findet.
Ein hoch spezialisierter Angestellter braucht eine Gewerkschaft und muss von einem eng begrenztem Gebiet sehr tiefes Fachwissen beherrschen. Ein Investor wie er, kann Gewerktschaftler sowie hohe Steuern nicht gebrauchen und benötigt sehr viel oberflächliches Wissen von ganz vielen Bereichen, meint Kiyosaki
Dann gibt es das übliche Coaching-Geseiere. Vorsichtige Menschen diffamiert der Autor als „Chicken Junior“, eine Strategie als defensiver Anleger wird als langweilig und durchschnittlich abgewertet und die Lösung zum Erfolg führt selbstverständlich über den Kauf von weiteren Büchern, den Besuch von mehtägigen Seminaren und gerne könne man doch auch das tolle Brettspiel kaufen, welches Kiyosaki entwickelt hat. Zusammen mit Angeberei, aus 5.000 Dollar in fünf Jahren über eine Million Dollar gemacht zu haben, wirkt diese Seite des Amerikaners extrem abschreckend und wenig seriös.
Sehr weise ist hingegen der Tipp, sich nicht in Aktionismus zu flüchten statt die wirklich wichtigen Aufgaben im Leben anzugehen. Da steigert sich etwa ein Manager in Überstunden hinein, verbringt selbst die Wochenenden mit Arbeit und fällt dann aus allen Wolken, wenn ihn seine Frau verlässt. Es wäre klüger an Eheproblemen zu arbeiten statt immer mehr Geld nachzurennen wie ein Pferd einer vorgehaltenen Möhre.
Am Schluss nennt der Autor zehn Schritte zum Erfolg, weist aber darauf hin, dass dies lediglich seine Vorschläge sind und die Leser fähig sind, sich ihre eigenen Regeln aufzustellen:
1. Ich brauche ein Motiv, das stärker ist als die Wirklichkeit.
2. Ich entscheide mich täglich. Die Macht der Wahl.
3. Wählen sie ihre Freunde sorgfältig aus.
4. Beherrschen sie ein Rezept. Und lernen sie dann ein neues. Die Macht des schnellen Lernens.
5. Bezahlen sie sich selbst zuerst. Die Macht der Selbstdisziplin.
6. Bezahlen sie ihren Makler gut. Die Macht des guten Rats.
7. Seien sie ein indianischer Geber. Die Macht, etwas umsonst zu bekommen.
8. Vermögenswerte kaufen Luxusartikel.
10. Lehre und du wirst ernten. Die Macht des Gebens.
Kiyosaki erläutert diese Regeln, aber letztlich sind diese nur Wiederholungen des bereits zuvor Beschriebenen.
Passenderweise gibt der Autor uns noch die drei Mächte preis, welche die Japaner kennen: die Macht des Militärs, die Macht des Geldes und am wichtigsten, die Macht der Selbsterkenntnis. Kiyosaki rät uns, den Mut zu haben, Dinge in Frage zu stellen und anders zu handeln als die Masse. Das ist überaus angebracht bei einem Buch, das zu 50 Prozent Tipps enthält, die man keinesfalls nachmachen sollte. Kiyosaki wollte mit 40 finanziell frei werden, geschafft hat er es, nach eigenen Angaben mit 47 Jahren. Seit 1984 unterrichtet er über Finanzen, arbeitete für das US-Militär, für einen Büromaschinenersteller und verdiente mit Immobilien und einer Geldbörse mit Klettverschluss Geld. Das klingt nach mehr Qualifikation und Erfolgen als bei manch anderem Coach, aber es bleibt doch der fade Beigeschmack, dass der Autor vor allem mit Büchern über Erfolge Geld verdient, noch dazu mit etwas unausgegorenen.
Rich Dad Poor Dad: Was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen
Produktion: FinanzbuchVerlag, Deutschland, 2015.
Laufzeit: 7 Stunden, 4 Minuten.
Erhältlich als Buch, Hörbuch und als Stream z.B. auf Deezer.