17. Juni 2016
Fortschrittsbalkengravitation
Ich bin im ICE unterwegs und platziere Bilder von meinem Rechner in ein GoogleDoc. Obwohl dieses sich in der Cloud befindet, sollte das ohne Internetverbindung möglich sein, da ich Dokumente in meinem GoogleDrive normalerweise auch offline bearbeiten kann. Aber es funktioniert nur, wenn das zum UMTS-Stick gehörende kleine Programm Datendurchsatz zeigt. Im Zug ist das Netz wie so oft löchrig.*
Der graue Upload-Balken bewegt sich zügig von links nach rechts, und ich denke schon, dass gleich erfolgreich ein weiteres Foto in das Doc gepresst ist. Doch plötzlich sackt der graue Streifen zurück bis zu ungefähr einem Drittel der insgesamt zurückzulegenden Strecke und fängt dort von neuem an, langsam nach rechts aufzurücken.
Meine verblüffte Reaktion auf das, was ich sehe, erstaunt mich mehr als der Effekt selbst. Offensichtlich hielt ich es für eine Art physikalisches Gesetz, dass sich die Fortschrittsanzeige in einem Statusbalken immer in die gleiche Richtung bewegt – wie Schwerkraft; oder wie Flüssigkeit in einem länglichen (irritierenderweise liegenden) Gefäß, deren Pegel nur »steigen« kann und nie fallen, so lange das Ganze nicht umgekippt wird.
* Nachträgliche Erkenntnis: Ich hätte das löchrige Netz im Zug nutzen sollen, um das Erlebnis gleich im Techniktagebuch zu veröffentlichen, anstatt es (für mehrere Monate) in meinen TT-Notizen abzulegen und die Internetverbindung weiter mit Bilddatenmengen zu quälen. Dann hätte ich früher von Kathrin erfahren, dass die Offline-Bearbeitung von GoogleDocs besser funktioniert, wenn man wirklich gar keine Verbindung hat, am besten WLAN ausschaltet. Sobald ein bisschen Netz da sei, versuche Google, alles hochzuladen. Die Konzentration auf das wackelige Reise-Internet hat mich vermutlich von diesem sehr einleuchtenden Gedanken abgehalten.
(Undine Löhfelm)






