Mein Internetprovider will etwas umstellen und ich soll mitmachen
Ich erhalte einen Anruf von meinem Internetprovider. Man habe vor, die DSL-Technik von Anbieter A auf Anbieter B umzustellen. Dies sei eine sehr gute Idee, böte doch Anbieter B deutlich bessere Leistungen. So würden Verbindungsabbrüche der Vergangenheit angehören, freute sich die junge Dame am Telefon. Ich erwiderte, dass ich keine Verbindungsabbrüche erleben würde, was sie in ihrer Gesamtfröhlichkeit nicht störte. Sie verkündete mir, dass das Netz aber schneller werden würde. "Ach", sagte ich, "schneller als die 16 Mbit/s, die ich jetzt habe?" Nein, meinte sie unbeirrt, aber dennoch schneller. Bevor ich mein über mir schwebendes Fragezeichen einbringen konnte, setzte sie hinzu: "Ach ja, ihre Leitung wird während der Umstellung ca. vier Wochen nicht erreichbar sein, aber sie bekommen einen UMTS-Stick mit 1GB Datenvolumen als Ausgleich."
Ich: "Das geht nicht, das brauche ich ja allein schon für den Upload meiner Podcasts im Monat."
Junge Dame: "Vielleicht bekommen Sie auch zwei Sticks, das muss ich prüfen."
I: "Sie können mir eine ganze Palette schicken, ich kann mit UMTS nichts anfangen, es ist zu langsam."
JD (jetzt leicht schnippisch): "Sie müssen die Umstellung nicht mitmachen, dann haben Sie halt weiterhin schlechtes Internet mit Verbindungsabbrüchen."
I: "Aber ich habe keine ... egal. Lassen wir das."
Ich beschloss, die Social Media Kompetenz des Providers zu testen, und schilderte auf deren Facebookseite mein Problem, verbunden mit der Frage, was das für eine Umstellung sei und ob ich die Umstellung denn jetzt mitmachen müsse oder nicht. Und wenn ja, ob sie mir was anderes als UMTS anbieten können. VDSL zum Beispiel, ich sei willig, auch mehr zu bezahlen.
Als Antwort erhielt ich einen Textbaustein, in dem man sich für die Nachricht bedankte und mich für alles Weitere an die Kundenhotline verwies. Um drei Ecken bekam ich dann heraus, wer in dem Laden für Social Media zuständig war, verfasste eine Mail und bekam daraufhin folgende Antwort:
"Bei dem Angebot, das Sie erhalten haben, handelt es sich um die Umstellung von Resale (Telekom) auf CLS (Carrier Line Sharing, Telefonica), die vor allem auf die Qualitätsverbesserung der Anschlüsse betroffener Kunden zielt.
Am jeweiligen Tarif und den monatlichen Kosten ändert sich dadurch nichts.
Die CLS Plattform von Telefonica bietet gegenüber Resale der Telekom zwei entscheidende Vorteile: Zum einen können wir damit in der VoIP-Telefonie eine bessere Qualität bieten, da sich hier Sprache und Daten in ein und demselben Netz befinden. Zum anderen können Sie mit einer Telefonica-Leitung oftmals aber auch eine höhere Bandbreite erreichen als im Telekom-Netz, da Telefonica adaptiv schaltet.
Selbstverständlich stellen wir Ihnen einen kostenfreien UMTS-Surf-Sticks zur Verfügung, um den Zugang zum Internet zu gewährleisten. Zudem kann der Wechselzeitraum individuell gewählt werden.
Wer bei dem Anruf den Wechsel ablehnt, kann sein altes DSL-Produkt beibehalten."
Ich habe dann einfach nicht mehr reagiert, nach zwei Wochen klingelte aber erneut das Telefon. Man habe mitgeteilt bekommen, dass ich VDSL haben möchte. Ich bejahte erfreut, bekam dann folgendes zur Antwort: "Wir können ihnen gerne einen VDSL Vertrag geben, aber in ihrer Wohngegend bieten wir nicht 50 Mbit/s an. Sie können aber weiterhin mit 16 Mbit/s surfen." Das wollte ich dann nicht, auch keine Diskussion darüber, warum ich einen VDSL-Vertrag abschließen sollte, der kein VDSL bietet.
Seitdem habe ich nichts mehr von der Firma gehört. Dabei hätte ich gerne VDSL. Aber auf der anderen Seite bin ich dank diverser Providerwechsel meiner Freunde auch zu der Erkenntnis gekommen: "Mit laufendem Providerverträgen, die sorgenfreies Internet liefern, verhält es wie mit stabil laufenden Rechnern und schlafenden Babys: Einfach in Ruhe lassen."