Generation um Generation - Warum Gemeinde Menschen bildet (I)
Hallo liebe Leser,
erst einmal: danke für das viele Feedback und auch das Mutmachen regelmäßiger Artikel zu schreiben. Ich versuch mein bestes! 😉
Ich möchte mit dem Artikel heute in eine Serie starten. Anlass dafür war ein Kita-Elternabend meiner Tochter. Bei diesem Elternabend ging es um das Thema „Bildung“. Unterschiedliche Themen wurden angesprochen, wie etwa „Umgang mit anderen Generationen“, „Musik und Kunst“ oder auch „Begleitung von Lebensübergängen“. Und ich saß da und habe mir gedacht: Wichtige Themen des Lebens. Und sie kommen alle auch bei mir in meiner Kirchengemeinde vor. Das macht mich stolz und ich will davon berichten. Es wird also zweierlei: Ich betrachte gesellschaftliche Bildungsthemen und darf dabei gleichzeitig ein wenig Werbung für meine Kirchengemeinden machen (und auch mal kritisieren, wo das nicht so klappt).
Generationen begegnen sich – nicht!
Ich fange mal mit einem heute sehr wichtigen Thema an: Dem Miteinander der Generationen. In der deutschen Bildungslandschaft ist dies ein sehr wichtiges Thema. Sozialwissenschaftler stellen fest, dass in Deutschland die gemeinsamen Erfahrungen des Lebens wenig oder kaum noch zwischen den Generationen geteilt werden. Das liegt auch an der Auffächerung der unterschiedlichen Lebensentwürfe. War es früher noch selbstverständlich, dass die Großfamilie unter einem Dach lebte, die (Handswerk-)Betriebe innerfamiliär vererbt wurden und der Lebensmittelpunkt eng mit der (Familien-)Tradition verknüpft war, so wohnen heute Familien weit auseinander, entwickeln sich beruflich nicht traditionell, sondern nach eigenen Interessen und Lebensentwürfen. Durch diese Faktoren geht das gemeinsame Lernen der Generationen verloren. Die Älteren müssen nicht mehr so viel Verantwortung für die Jüngeren übernehmen, die Jüngeren später im Alter nicht für die Älteren. Kinder und Jugendliche, die früher auf natürliche Art und Weise mit dem Thema Älterwerden und Tod konfrontiert wurden, müssen sich mit diesem Thema nicht beschäftigen. Auch die vermehrte Entwicklung dazu, alte Menschen in ein Altersheim zu geben und nicht selbst zu pflegen fördert diese Entwicklung. Gerade das Thema Tod wird aus unser Gesellschaft immer mehr verbannt (Buchtipp dazu: Probeliegen).
Problem erkannt
Die Bundesregierung (und andere Träger) haben erkannt, dass dadurch eine wichtige Bildung verloren geht. So gehen viele Kitas mittlerweile in Altersheime, um dort zu singen und Kindern den Kontakt mit älteren Menschen zu ermöglichen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat seit einigen Jahren eine Initiative gestartet, die Mehrgenerationenhäuser baut und betreut (https://www.mehrgenerationenhaeuser.de). Kinder sollen lernen, aus der Vergangenheit Schlüsse zu ziehen, früh Gesellschaftsveränderungen zu verstehen, füreinander Verantwortung zu übernehmen und wichtige Lebensthemen wie Altern und Tod als Lebensbestandteile in ihr Denken zu integrieren.
Und bei mir in der Gemeinde?!
Betrachte ich meine Kirchengemeinde entdecke ich hier definitiv eine Stärke. In meiner Gemeinde sind Jung und Alt auf ganz natürliche Art und Weise zusammen. Kinder und junge Teens müssen sich bei nahezu allen Veranstaltungen mit den Älteren auseinandersetzen. Dabei geht es um Stil, Aussehen und Inhalt der Gemeinde. Beim Kirchenkaffee werden Kinder gesehen und gefragt. Die Älteren helfen den Jüngeren beim Kuchenessen oder an Dinge ranzukommen. Die Älteren halten die Jüngeren (Kinder) und ihre Wildheit aus und fördern sie. Die Jüngeren lernen Rücksicht auf die Bedürfnisse der Älteren zu nehmen. Bei uns ist es ganz normal, dass die Jüngeren mit den Älteren und umgekehrt Zeit verbringen und sich gegenseitig kennen. Dabei werden Themen wie Älterwerden und Tod ganz natürlich erlebt. Kirche hat der Gesellschaft hier also etwas voraus und leistet wichtige Bildungsarbeit. Bei uns machen Kinder tolle Erfahrungen und lernen für das Leben. Darauf bin ich schon etwas stolz! 🙂
Ein kleiner Sidekick zum Schluss: Manche Gemeinde sind Monokulturen. Sie wollen jung und hipp sein und sprechen mit ihrem Stil und Mitteln nur junge Leute an. Das machen sie ganz bewusst, um jungen Leuten Jesus bekannt zu machen. Das kann ich verstehen. Mir würde die wichtige Bildungserfahrung der verschiedenen Generationen definitiv fehlen.
Wie erlebst du das Generationenmiteinander? Gibt es sonstige (Bildungs-)themen, die du als wichtig empfindest und die zu kurz kommen? Dann schreib mir und/oder kommentiere doch gerne! 😉
Generation um Generation – Warum Gemeinde Menschen bildet (I) was originally published on Der Theorist














