Mai 2026
Das Wort Anmelden in Apps bitte verbieten! (Es wird aber wahrscheinlich das Problem nicht lösen.)
Stolz berichtet sie mir am Telefon, dass sie es selbst hinbekommen hat, die Rossmann-App auf ihrem Handy zu installieren. Das hat geklappt! Sie muss nämlich im Moment recht viel bei Rossmann kaufen, und mit der App gibt es kräftige Rabatte - das würde sich wirklich lohnen.
Aber nun möchte sie die App benutzen, und dafür muss sie sich anmelden. Und das klappt nicht.
„Ich weiß auch nicht, ich gebe da meine Mailadresse ein und mein Passwort, aber da wird immer gesagt, das Passwort sei falsch. Und nun weiß ich auch nicht, ob ich mein Passwort schon wieder vergessen habe.“
Ihr - und vielen anderen, gerade älteren - Menschen fällt es offenbar sehr schwer, zwischen „sich anmelden“ (wenn man bereits registriert ist, also: einloggen / sign in) und „sich registrieren“ (also: ein neues Konto anlegen / sign up) zu unterscheiden. Und dabei hilft es nicht, dass das Wort anmelden in der einen App den einen und in der anderen App den anderen Vorgang bezeichnen kann.
Sie versucht also immer wieder, ihr Googlemail-Passwort in der Rossmann-App einzugeben, und verzweifelt fast daran, dass das nicht klappt:
👵: „Ich hab mir hier doch mein Passwort aufgeschrieben und ich benutze doch die Googlemail-Adresse - warum geht das denn nicht???“ 👨: „Du benutzt die Rossmann-App ja jetzt das erste Mal. Da musst du dich erst mal registrieren. Dafür gibt es bestimmt weiter unten einen Punkt wie ‚Registrieren‘ oder ‚Neues Konto anlegen‘ oder so. Guck bitte noch mal!“
Vielleicht würde es etwas helfen, das Wort Anmelden in Apps ganz zu verbieten. Nur noch zwischen Einloggen und neu registrieren unterscheiden. Aber wahrscheinlich sagt irgendein UX-Handbuch, dass Anglizismen wie Einloggen vermieden werden sollten.
Außerdem, nein: Das würde das Problem wohl auch nicht lösen. Denn eingegeben werden soll die Googlemail-Adresse - und dafür gibt es ja bereits ein Passwort, das Google-Passwort. Vielleicht ist es auch das ganze Konzept mit verschiedenen Anbietern und Passwörtern… ach je.
Der zweite Anlauf: Ich versuche, sie am Telefon durch diese Registrierung zu führen. Ich installiere mir die App auch auf meinem Handy und versuche, genau zu sagen, was sie wo antippen muss. Aber auch hier ist die Wortwahl nicht selbsterklärend. Mal heißt es Registrieren, mal Neues Konto anlegen. In der Rossmann-App heißt es: Erstelle dein Konto.
Ihre Reaktion: „Nein, ein neues Konto will ich nicht, ich hab doch schon eins!“, und meint damit ihr Girokonto.
So kommen wir immerhin bis zur Eingabe des Geburtstags, aber dann erscheint ein Popup-Kalender. Daran scheitert sie dann: „Ich tipp da drauf aber da passiert nichts!“ Das kann ich auch nicht mehr am Telefon lösen.
Dritter Anlauf: Ich versuche jetzt, den Rossmann-Account für sie anzulegen. Da sind wir gerade. Aber für die Bestätigung der Registrierung bräuchte ich Zugriff auf ihre Mails. Ich hoffe, das bekommen wir hin.
Dann braucht sie sich nur noch anzumelden… im Sinne von: einloggen.
Wenn ich ihr Googlemail-Passwort kennen würde, wäre ich versucht, dasselbe Passwort zu verwenden, grundlegende Sicherheitsvorschriften missachtend; einfach, um wenigstens eine Verwirrung weniger zu haben.
(Molinarius)











