22.11.2018 Demokratiekonferenz zur Gedenkkultur in Zwickau
Die jährliche Demokratiekonferenz befasste sich mit dem Gedenken rund um das Thema NSU. Mehrere Fragen standen im Raum: Soll es ein Gedenken geben? Wenn ja, wie könnte dieses aussehen? Zu Beginn der Veranstaltung wurde ein Film einer, zwar nicht repräsentativen aber sehr interessanten, Bürgerumfrage gezeigt. Der Beitrag wurde vom Zwickauer Jugendbuffet produziert.
Im Anschluss bat Moderator Ricardo Glaser nacheinander die Podiumsgäste auf die Bühne. Zum Thema diskutierten Kathrin Köhler (Baubürgermeisterin der Stadt Zwickau), Hannah Zimmermann (ASA-FF e.V., Projekt Off. Prozess), Prof Dr. Uwe Hirschfeld (Vorsitzender der sächsischen Landesarbeitsgemeinschaft zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus), Jörg Banitz (NSU-Geschichtswerkstatt, Sachverständiger im NSU Untersuchungsausschuss) sowie Jens Eumann (Freie Presse Journalist und NSU-Prozessbeobachter).
Unstrittig war von Anfang an, ob es ein Gedenken geben sollte. Sowohl auf dem Podium als auch im Publikum und bei den befragten Bürgern im Filmbeitrag herrschte hier Einigkeit, dass es ein Gedenken geben soll. Diskussionswürdiger war die Frage, wie dies aussehen könnte. Hierbei standen drei Vorschläge im Raum. Zum einen ein zentraler Gedenkort, welcher den Opfern gerecht wird, zum anderen ein Informationszentrum, in welchem das Thema aufbereitet und aufgearbeitet wird. Zusätzlich brachte Jörg Banitz noch die Idee ins Spiel, dass es auch ein mobiles Informationszentrum geben könnte, in Form eines Wohnmobils. Er betone außerdem, dass durch die Arbeit in der Geschichtswerkstatt erstmal klar geworden sei, wie stark des NSU in Zwickau vernetzt war. Kathrin Köhler wies außerdem auf juristische Aspekte des Falls und vor allem das schwierige Zusammenspiel von Medien, Politik und Gesellschaft hin. Sie verriet, dass die Stadt Zwickau schon einige Ideen zum Gedenken hat. So soll es einen Gedenkort für die Opfer der Gewaltverbrechen geben. Wo dieser sein soll und wie dieser aussehen soll ist noch nicht klar und die Stadt hofft hier auf eine offene Diskussion mit der Zivilgesellschaft, damit es nichts von oben diktiertes wird. Jens Eumann, der zu der Zeit der Verbrechen als Journalist in der Region tätig war, wies darauf hin, dass der Weg, den viele Politiker gehen, zu sagen, dass es kein rechtes Problem gibt, falsch ist. Hannah Zimmerman betonte, dass man die Ideologie des Rassismus als Ganzes und auch in seiner institutionellen Form nicht vergessen darf, denn diese habe letztlich den NSU zu den Morden getrieben. Zudem forderte sie eine Archivstelle, in der die umfangreichen Informationen zum NSU gesammelt werden. Außerdem regte sie an, eine App zu entwickeln, um Jugendliche besser anzusprechen. Professor Hirschfeld erinnerte daran, dass nicht nur Jugendliche erreicht werden sollten, sondern besonders auch Ältere, denn sie haben letztlich eine Gesellschaft mit erschaffen, in der diese Vorgänge möglich wurden. Er erläuterte außerdem, dass man jetzt nicht die Entscheidung Gedenken oder Information treffen, sondern beides umsetzen sollte.
Das Publikum hatte nach der Podiumsdiskussion die Chance Fragen zu stellen, was ausgiebig genutzt wurde. Das Thema wurde dabei teils stark erweitert und die Forderung nach einer verstetigten Jugendarbeit und sowie die Problematik rechtsradikaler Einstellungen in der Gesellschaft kamen auf den Tisch. Letzteres heißt, es dürfe nicht vergessen werden, dass es einen Prozentsatz in der Bevölkerung gibt, welcher die Taten des NSU gar nicht so schlimm findet. Hier müsse etwas getan werden.
Das Schlusswort hatte Professor Hirschfeld, er appellierte an alle Engagierten: „Nicht nachlassen!“
Eine Veranstaltung im Rahmen der Novembertage.
Veranstalter: Alter Gasometer e.V.