Eine Stimme ist zurück – und mit ihr die Hoffnung
Es gibt Tage, an denen ein einzelner Moment alles verändert. Heute war so ein Tag.
Ich habe Tränen vor Glück geweint, weil sich jemand aus dem Iran gemeldet hat.
Eine Stimme, von der ich lange nicht wusste, ob sie noch da ist.
Bevor die Gewalt eskalierte, bevor Proteste, Repression und Angst den Alltag bestimmten, haben wir uns kennengelernt. Es begann mit Musik. Diese noch sehr junge Frau sang Lieder nach, und schon in ihrer Art zu singen lag etwas Besonderes. Eine tiefe Sensibilität, eine Wärme, ein ehrlicher Ausdruck. Ich hörte nicht nur eine super schöne und ausgeprägte Stimme, ich hörte ein gutes Herz.
Aus dem Austausch über Musik wurde ein Gespräch.
Aus dem Gespräch eine Verbindung.
Sie erzählte mir von ihrem Studium, von ihrem Deutschkurs, vom B1-Niveau und von einer bevorstehenden Prüfung. Wir beschlossen, gemeinsam zu lernen – über WhatsApp, über Ländergrenzen hinweg, über Unsicherheit und Angst hinweg. Zwei Tage lang haben wir zusammen gearbeitet. Das, was im Unterricht nur oberflächlich blieb, konnten wir vertiefen. Zusammenhänge wurden klarer. Sprache wurde lebendig.
Sie erreichte nicht die maximal möglichen 20 Punkte – sondern „nur“ 19.
Und sie war mit mir überglücklich.
Nicht wegen der Punkte, sondern, weil sie verstanden hatte. Weil Lernen uns plötzlich Kraft gab statt ihr Lern-Druck und mir #mecfs typischen Druck.
Ich habe ihr auch ein Lied geschrieben. 🌹Teheran Rose 🌹 habe ich es genannt. Text, Melodie, erste Ideen für eine Studio Aufnahme. Sie freute sich so sehr darüber. Musik als Versprechen. Als Möglichkeit. Als Zukunft.
Und mit der Stille kam die Angst.
Denn wer studiert, wer denkt, wer singt, wer für Freiheit, Kunst, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit steht, lebt in vielen Ländern gefährlich. Besonders als so junge kreative Frau. Besonders mit einer so wundervollen Stimme.
Wir hatten viel gesprochen – über die Welt, über Politik, über Kunst, über das Leben. Diese Nähe verschwindet nicht einfach. Sie bleibt. Auch wenn Funkstille herrscht.
Und dann, heute, diese Nachricht:
„Ich habe dich auch vermisst.
Das Internet ist langsam, aber hurra – ich bin noch da.
Dieser Satz hat mich tief getroffen. Und getragen.
Ja, die Gewalt ist noch da.
Ja, Menschen werden gefoltert, gequält, getötet.
Ja, das Leid ist real, brutal, nicht zu relativieren.
Aber genau deshalb dürfen wir nicht aufhören.
Nicht in Syrien, Afghanistan, im Sudan, im Kongo, im Irak, Gaza oder Pakistan.
Nicht irgendwo auf dieser Welt, wo Menschen wegen ihrer Werte, ihrer Würde, ihres Denkens leiden müssen oder schlimmeres.
Es ist kein Grund aufzugeben, wenn es keine schnelle Besserung gibt. Es ist ein Grund weiterzumachen!
Namen dürfen nicht vergessen werden, Schicksale nicht ausgelöscht.
Erinnerung ist Widerstand.
Mitmenschlichkeit ist Haltung.
Und jede noch so kleine Unterstützung zählt!
Die Zeit, die wir täglich fürs Meckern, fürs Resignieren oder fürs Wegsehen verwenden, könnten wir auch anders nutzen. Für ein gutes Werk. Für direkte Hilfe nah oder fern. Oder eben dafür, Stimmen zu verstärken, die gerade nicht laut sein können.
Man muss nicht perfekt sein.
Man muss nicht alles wissen.
Man muss nur einfach anfangen!
Vielleicht nervt es manchmal. Andere. Oder einen selbst. Aber eines Tages könnten wir genau diese Mensch sein, der/die diese Unterstützung braucht.
Deshalb erzähle ich diese Geschichte. Nicht, um mich zu loben, sondern, um Mut zu machen.
Ich wünsche uns allen mehr Empathie, mehr Verständnis und den Mut, Verantwortung zu übernehmen – auch für Menschen, die weit weg erscheinen, deren Leben aber mindestens genauso viel wert ist wie unser eigenes!
Danke fürs Lesen. Danke fürs Teilen, Danke fürs Aktivsein!