Eine internationale Gruppe von Forschern fordert nach einem dreitägigen Treffen in Washington ein Moratorium des Genom-Editing von menschlichen Keimzellen. Den Einsatz an somatischen Zellen zur Therapie von Krankheiten halten die Wissenschaftler dagegen für vertretbar und die Grundlagenforschung sollte in jedem Fall weitergeführt werden. So jedenfalls fasst eine abschließende Stellungnahme die Forderungen zusammen.
Führende Wissenschaftler hatten sich auf Einladung der US-National Academy of Sciences, der britischen Royal Society und der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Washington getroffen, um die Vorteile und Risiken des Genom-Editing gegeneinander abzuwägen.
Die erst vor wenigen Jahren entwickelten Methoden gestatten es, einzelne Gene auf dem Genom herauszuschneiden und bei Bedarf durch eine andere Version zu ersetzen.
Genom-Editing macht es im Prinzip möglich, Gendefekte wie die Sichelzell-Anämie zu heilen, HIV-Infizierte mit resistenten CD4-Zellen auszustatten oder das Immunsystem im Kampf gegen Krebserkrankungen zu stärken. Es könnten mit dieser Methode aber auch „Designer-Babys“ mit gewünschter Augenfarbe und anderen Eigenschaften versehen werden.
Die Forschungsgruppe um Jennifer Doudna von der Universität von Kalifornien in San Francisco, die vor drei Jahren mit CRISPR/Cas9 die derzeit effektivste Methode zum Genom-Editing entwickelt hat, und David Baltimore, einem Pionier der Genforschung, hat nun eine Gratwanderung vor sich. Die Grundlagenforschung und die präklinische Erprobung werden als „unbedingt erforderlich“ beurteilt. Sie sollten nach Ansicht der Forscher im Rahmen von „rechtlichen und ethischen Regeln und unter Aufsicht“ fortgesetzt werden.
Zu rechtfertigen sei auch der klinische Einsatz an somatischen Zellen (die im Unterschied zu Keimzellen nicht auf die nächste Generation vererbt werden). Vorteile und Risiken sollten allerdings zunächst in klinischen Studien untersucht werden sollten, da das Genom-Editing bei ersten Versuchen weniger präzise Ergebnisse erzielt hatte als erwartet.
Den Einsatz an Keimzellen lehnen die Wissenschaftler ab – jedenfalls bis auf weiteres. Die Risiken sehen die Forscher dabei in einem ungenauen Genom-Editing, bei dem die Gene am falschen Ort oder nur teilweise im Erbgut platziert würden. Solche Fehler könnten derzeit nicht berichtigt werden und würden, weil sie durch Fortpflanzung weitergegeben werden, leicht den Gen-Pool der Menschheit verändern. Dieser Schritt müsse aus Sicht der Wissenschaftler zunächst auf moralischer und ethischer Ebene genau diskutiert werden.
Quelle: aerzteblatt.de
Der heikle Punkt also: Bei Fehlern könnte der Gen-Pool der Menschheit dauerhaft verändert werden. Das geht tatsächlich die ganze Menschheit etwas an und kann nicht nur durch Forscher oder gar durch Investoren entschieden werden, die sich mit einem bestimmten Verfahren eine goldene Nase verdienen wollen.
Es ist jedenfalls bemerkenswert. dass Forscher ein solches Moratorium fordern.













