Weingut Reichsgraf und Marquis zu Hoensbroech - Ehrwürdiger Weingenuss
Dokumente belegen, dass die Familie vom heutigen Weingut Reichsgraf und Marquis zu Hoensbroech bereits im Jahr 1388 mit dem Weinbau in Berührung kam. Denn am Freitag, den 22. August 1371, zog Chevalier „Herman Hoen du Broek“ für Johanna von Brabant mit seinen zwei Söhnen in die Schlacht von Baesweiler. Tragischerweise überlebte nur der älteste Sohn. Als Dank für seinen ehrwürdigen Verdienst schenkte ihm die Herzogin Johanna am 26. Oktober 1388 den St. Servaas Weinberg in Maastricht – der erste nachweisbare Berührungspunkt der Hoensbroechs mit dem Weinbau. Zudem pflegte die Familie schon immer eine enge Beziehung zum katholischen Spanien und bekam als Dank für ihre Treue und Unterstützung im Krieg im Jahr 1675 den Titel des spanischen Marquis verliehen.
Auch Rüdiger Reichsgraf und Marquis von und zu Hoensbroech arbeitete als junger Önologe im spanischen Penedès, was ihn stark in seinem heutigen Schaffen geprägt hat. Denn hier verstand er für sich, dass Wein zuallererst Speisebegleiter ist. „Ich mag keine Weine, die sich grell in den Vordergrund drängen, sei es durch Süße, Säure oder Barriquenoten. Mich begeistert da mehr die Eleganz und die dem Essen dienende Noblesse eines Weißburgunders.“ (Graf von Hoensbroech) Nach langer Suche in Spanien und Deutschland eroberte letztendlich jedoch die Churpfälzer Weinkultur „guten Wein mit gutem Essen zu vereinen“ das Herz des Winzers. So gründete Reichsgraf und Marquis zu Hoensbroech 1968 das zu Beginn nur 4 Hektar große Weingut im badischen Kraichgau, welches heute rund 15 Hektar umfasst. Als Pionier des trocken ausgebauten Weines gründet der Graf 1986 den VDP – Baden.
Reiner Wein, wie unter der Sonne gewachsen. So lautet die alte römische Regel „Vinum sub sole, u tut crescit sincerum“, nach der die Vinifikation im Weingut Reichsgraf und Marquis zu Hoensbroech in Kraichgau erfolgt. Bis zur vollendeten physiologischen Reife bleiben die Trauben am Rebstock, werden anschließend selektiv von Hand gelesen und schließlich sortenrein ausgebaut. Alle technischen Maßnahmen, die zu einer Veränderung des natürlichen Geschmacksbildes der Trauben führen, sowie Insektizide werden konsequent abgelehnt. Das Team des Weinguts Reichsgraf und Marquis zu Hoensbroech sieht sich keineswegs als Weindesigner. Vielmehr wird hier die Qualität des Weines bereits im Weinberg entschieden und beeinflusst. Im Fokus liegt das Gleichgewicht des Ökosystems in dem die über 40 Jahre alten Rebstöcke wachsen. Um den natürlichen Rebsortentypus vollends zu bewahren, werden im badischen Weingut deshalb keine Barriquefässer oder Holzeinsatz verwendet.
Die überwiegend aus Burgunderrebsorten entstandenen Weine werden durchgegoren und „nach Art des Hauses“ vor allem trocken ausgebaut. Neben Weißburgunder (50 %), Grauburgunder (20 %) und Spätburgunder (10 %) widmet sich der Graf zu Hoensbroech unter anderem auch der alten Rebsorte Blaufränkisch. Sie verlangt viel Fürsorge im Weinberg und reift erst spät aus. Daher ist sie bei Winzern eher unbeliebt, obwohl sie in guten Jahren vor allem in Punkto Finesse und Komplexität ohne Zweifel dem Spätburgunder ebenbürtig ist. Eine Kuriosität des badischen Weinguts ist der Gemischte Satz, mit dem die junge Kellermeisterin Evi Pampukidou einer alten Tradition frischen Wind verleiht.















