"Preisfrage: Wie viele Etagen muss überwinden, wer von seinem Büro im elften Stock zu seinem Chef in der 22. Etage gelangen will? Elf? Nicht bei der Europäischen Grenzschutzagentur Frontex! Deren Beamte sind auf vier verschiedene Ebenen eines Wolkenkratzers mit 37 Stockwerken im Zentrum von Warschau untergebracht. Die Verwaltung sitzt ganz unten, die Chefs auf den Ebenen 22 und 23 und einige Experten im elften Stock. Weil aber die rasend schnellen Aufzüge nicht überall halten, muss ein Frontex-Fachmann aus Etage elf für einen Besuch beim Direktor erst zum Erdgeschoss hinunterfahren und dort in einen anderen Lift nach oben umsteigen. In Europa erreicht man sein Ziel ja häufiger aus Umwegen.
Neben dieser Unübersichtlichkeit hat Frontex auch sonst alles, was zu einer echten EU-Behörde gehört: Fachkräfte aus den verschiedenen Mitgliedstaaten, Dienstreisen, Arbeitssitzungen in klimatisierten Büros, Terminkalender, Statistiken, Jahresberichte und eine Pressestelle. Dort hatte ich mich schon Monate vor meiner Ankunft in Polen gemeldet, denn ins Büro eines EU-Amtsleiters spaziert man nicht einfach so wie in ein Flüchtlingslager."
aus: Roland Siegloff: "Reise zu den letzten Grenzen. 100 Tage freie Fahrt durch die Festung Europa"














