Im Literaturmuseum
Seit dem 18. April 2015 ist das Literaturmuseum in der Spiegelgasse im 1. Wiener Gemeindebezirk öffentlich zugänglich. Auf (vorerst) zwei Stockwerken in den Räumlichkeiten des ehemaligen Hofkammerarchivs können interessierte Besucherinnen die Geschichte der österreichischen Literatur von der Aufklärung bis in die Gegenwart auf Schritt und Tritt erkunden. Oder so ähnlich. Die Fülle an Information ist nämlich so überwältigend und auf Grund der bedrückenden Enge der düsteren Räume dermaßen dicht gedrängt, dass ich mein Schritttempo sehr bald etwas beschleunigt und die Schaukästen bloß nur mehr mit flüchtigen Blicken überflogen habe. Was meine nervös blinzelnden Augen dabei eingefangen haben war eine beeindruckende Präsenz Peter Handkes und eine erstaunliche kaum-Präsenz der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, und ja... Kafka, der irgendwie immer wieder kläglich kommentiert auftaucht wie jemand der eifrig seine Hand hebt und dann vergessen hat, was er eigentlich sagen wollte. Nicht falsch verstehen, ich liebe Kafka und halte ihn auch für einen der genialsten Autoren des letzten Jahrhunderts, wenn auch nicht für das beste Beispiel "österreichischer Literatur". Es hat mehr mit der Auswahl und Gewichtung zu tun, die etwas den Eindruck eines Oberstufen Deutschbuches vermittelt, das von ergrauten Professoren zusammen gestellt wurde. Wie sonst lässt sich erklären, dass in der Abteilung für "Gegenwartsliteratur" die 91jährige Friederike Mayröcker quasi als Nachwuchshoffnung präsentiert wird? Achja, da ist auch noch der verurteilte Serienmörder Jack Unterweger und natürlich Peter Handke. Es scheint beinahe, als wäre es um das Schriftsteller Gewerbe in Österreich genauso traurig gestellt wie um das Priestertum: kein Nachwuchs in Sicht? Oder wird am Ende absichtlich weggeschaut?















