28.7.2018
Einfachere Gruppenreisen dank EU-Roaming – natürlich mit einem Haken
Wir feiern einen großen Geburtstag an der Adriaküste – denn auch wenn es daheim mehr als sommerlich warm ist, wollen wir dafür gerne ans Meer. Etliche Freunde sind zum Feiern mitgekommen, und so sammeln sich rund 25 Leute in einem kleinen Badeort. Allerdings fast jeder in einer anderen Unterkunft.
So eine Gruppe zusammenzuhalten und zu organisieren, wäre noch vor 13 Monaten entweder eine unsinnige Idee oder einfach unverschämt teuer gewesen. Inzwischen ist es dank EU-Roaming eigentlich völlig problemlos: Natürlich hat jede(r) sein Handy dabei, natürlich ist jede(r) erreichbar, und Verabredungen und gemeinsame Aktivitäten lassen sich via Mobilfunk organisieren. Vor dem kostenlosen Roaming hätten die meisten von ihrem Handy nicht so locker Gebrauch gemacht, und nur die wenigsten hätten sich eine örtliche SIM-Karte besorgt (ich weiß das ziemlich genau, weil wir vor zehn Jahren eine ähnliche Feier an einem anderen Ort gemacht haben.)
Allerdings: Auch wenn jede(r) via Mobilfunk erreichbar ist, ist nicht jede(r) auf gleiche Weise erreichbar. Schon die Vielfalt der genutzten Messenger ist ein Problem: Etliche schauen nur auf WhatsApp, andere nur auf den Facebook-Messenger, ein paar auf Threma. (Signal hat außer mir merkwürdigerweise keiner.)
Wieder andere lesen nur ihre Mail, immerhin regelmäßig. Und einige wenige wollen eine SMS bekommen oder gar angerufen werden.
Ich habe ein wenig die Organisation übernommen und komme bisweilen da noch mehr ins Schwitzen als die ohnehin hohem Temperaturen nahelegen. Denn allein schon zu überlegen, ob man den Hinweis auf den abendlichen Treffpunkt nun wirklich allen kommuniziert hat, ist eine Herausforderung. Und natürlich bleibt nicht aus, dass jemand irgendwann beleidigt anruft und fragt, warum man sie oder ihn denn vergessen hätte...
Sollte es wieder eine solche gemeinsame Reise geben: Ich kümmere mich nur dann um irgendwas Organisatorisches, wenn vorher ein gemeinsamer Messenger für alle festgelegt wird. Das kann von mir aus auch ein E-Mail-Verteiler sein – aber wer dann mit Sonderwünschen kommt, ist raus. (Ehrlicherweise: ich habe keine Ahnung, ob das wirklich durchsetzbar ist.)
Aber die uneinheitliche Kommunikationsstruktur ist nicht das einzige Problem. An einem Tag besuchen wir Freunde im Hinterland, und die Fahrt beginnt mit einem großen Problem: Der auf dem Fahrplan angezeigte Regionalbus kommt einfach nicht. (Foto oben)
These timetables, they always lie, heißt es später in der Tourismusinformation. Kurzerhand werden alle anwesenden Autofahrer verpflichtet, nun doch mit dem Auto zu fahren (was sie in der Hoffnung auf guten Wein eigentlich gar nicht wollten). Das klappt noch ganz gut, und wir können los.
Vorsorglich habe ich unsere Freunde im Hinterland gebeten, ihren Standort auf einer Google Map zu markieren und mir den Link zu schicken – denn mit Straßennamen ist dort nicht zu rechnen. In jedem Auto sitzt mindestens einer, der von mir diesen Link via Messenger oder E-Mail bekommt. Es dürfte also nichts schieflaufen.
Dann meldet sich doch, ich stehe schon längst in der idyllischen Hügellandschaft und trinke das erste Glas, eine Autobesatzung telefonisch bei mir: Sie seien auf einem Schotterweg gestrandet, es gehe nicht weiter, und ihr Auto-Navigationssystem könne mit den sparsamen Hinweisen von Dorfname und Postleitzahl nichts anfangen. Das dürfte doch gar nicht passieren, erläutere ich: Einfach auf dem Handy den Link zu Google Maps anklicken und dann die Navigation vom eigenen Standort starten. Ist doch kein Problem.
Ist es leider doch. Denn, so wird mir erklärt, sei ja unklar, wie die Standortbestimmung auf dem Smartphone zu aktivieren sei. Und ohne Standortbestimmung via GPS keine Navigation. Ich gebe zu: Daran habe ich nicht gedacht.
Irgendwann scheint es dann doch zu klappen, und der Wagen rollt auf den Hof. Wie ich später erfahre: das Auto-Navi wurde einfach immer weiter händisch mit Daten von der Google-Karte gefüttert. Geht doch.
(Thomas Wiegold)













