Wem das Wochenende entweder zu nass oder zu kühl ist für einen Weinwandertag, der kann sich in die wohlig temperierten Räumlichkeiten des Dresdner Congress Centers zurückziehen. Dort findet heute und morgen (23./24. April) die Weinmesse BW Classics statt. Von 11 bis 18 Uhr (Eintritt: zehn Euro, mit VVO-Ticket die Hälfte) präsentieren knapp 50 Produzenten aus Baden und Württemberg, hauptsächlich Genossenschaften, mehr als 700 Weine, Sekte und Brände zur freien Verkostung. Dresdenwein.de hat einige badische Erzeuger vorab besucht und empfiehlt fünf Weine, die es zu probieren lohnt.
Foto: Als Einstimmung zur Messe BW Classics stellten die Weinhoheiten aus Sachsen, Baden und Württemberg bei Jens Pietzonka in der Weinzentrale ausgewählte Weine und Sekte vor. Heute und morgen treffen sich die Repräsentantinnen im Congress Center wieder.
Weingut Abril – Cremant
Foto: Benjamin Funk zeigt die selbstrostende Fassade aus Cortanstahl des neu gebauten Weinguts Abril.
Der Cremant des Weinguts Abril aus Bischoffingen (Kaiserstuhl) ist ein echter Apero-Klassiker: Sehr feine Perlage, Zitrusfrüchte, Brioche. Der Sekt steht sinnbildlich für die gesamte Kollektion des Weinguts, das zwar 1740 gegründet wurde, in seiner heutigen Form aber fast wie eine Neugründung betrachtet werden kann. Die Gründe dafür stehen hier. Abril jedenfalls hebt sich vom typischen Kaiserstühler Stil ab, ist in der Jugend oft verschlossen und streng auf Präzision und Langlebigkeit ausgerichtet, weniger auf schnell funktionierenden Trinkspaß. Das erschließt sich nicht immer auf den ersten Schluck, kann aber – wie beim Cremant – viel Spaß bereiten. Aber nur, wenn der Grundwein schlank bleibt, was 2015 eine Herausforderung war, verrät Mitarbeiter Benjamin Funk. Beim ersten Überprüfen der Reife im Weinberg kam Hektik auf, die Lese begann hoppladihopp: „Das musste ganz schnell gehen, damit die Öchslegrade nicht zu sehr nach oben gehen. Die Trauben für den Sekt mussten nicht morgen, sondern noch am selben Tag runter.“
WG Ihringen – Weißburgunder Kabinett trocken, Ihringer Fohrenberg, 2015
Foto: Volker Paschke (2.v.l.) von der WG Ihringen mit der übrigen Ortsprominenz auf dem Weg zum Erntedankfest: Bürgermeister (v.l.), Weinhoheit und Pfarrer. Prost.
Für die Winzergenossenschaft im wärmsten Ort Deutschlands war 2015 ein außergewöhnliches Jahr. Denn ausgerechnet zum Männertag Mitte Mai zog ein heftiges Hagelunwetter über Winklerberg und Fohrenberg, vernichtete dort stellenweise bis zu 100 Prozent der (zukünftigen) Trauben. „Hagel, hier in Ihringen! Das hatten wir noch nie“, sagt Volker Paschke, Chef der WG Ihringen. Das erhalten gebliebene Lesegut kam schon im September mit durchschnittlich 95 Grad Öchsle in die Keller. Und die betroffenen Stöcke? Trieben Mitte Mai noch einmal aus – und lieferten reife Trauben mit Mostgewichten im Kabinett-Bereich. Rund 300.000 Liter kamen über die zweite Lese noch einmal in den Genossenschaftskeller, Most mit kräftiger Säure für schlanke Weine, wie sie in diesem heißen und trockenen Jahr aus Baden selten sein dürften.
Sasbacher – Spätburgunder Rote Halde „Jägerwein“, 2014
Foto: Thomas Langenbacher, Chef der WG Sasbach. In seiner wichtigsten Lage Rote Halde gedeiht auch Cabernet Sauvignon.
Ausschließlich Handlese in ortseigenen Lagen, Maischegärung im Drucktank, mindestens ein Jahr Reifezeit im großen Holzfass, ein Drittel kommt für ein halbes Jahr in gebrauchte Barriques... Es ist viel Aufwand, den die WG Sasbach für einen Rotwein betreibt, den sie dann für weniger als acht Euro verkauft. Die Genossenschaft ist in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme, wie Geschäftsführer Thomas Langenbacher stolz bestätigt: „Wir verstehen uns eher als großes Weingut.“ Das generelle Verbot von Vollerntern etwa ist in den 80 Winzerfamilien kein Thema mehr, ebenso die Absage an den Groß- und Lebensmitteleinzelhandel. Langenbacher: „Wir liefern ausschließlich an Gastro, Fachhandel und Privatkunden. Unser größter Kunde bezieht nur 0,5 Prozent der Menge, das macht uns unabhängig.“ Zum Beispiel für eine vielfach ausgezeichnete Premiumlinie, die den sonst üblichen Genossenschafts-Rahmen sprengt. Nicht nur in Sachen Qualität, die Top-Produkte kosten mehr als 30 Euro …
Weingut Zotz – Pinot Noir Premium, 2013
Foto: Zwei Herren Zotz vor dem Familienweingut. Die Geschichte des Heitersheimer Maltesergartens geht auf Siedlungen aus der Römerzeit zurück.
Geschmacklich im klaren Kontrast zum gaumenschmeichelnden Sasbacher steht der Top-Spätburgunder vom Weingut Zotz aus Heitersheim im Markgräflerland. Uralte Rebanlagen, langer Ausbau im Barrique und eine stabile Säure verleihen diesem eher burgundisch orientierten Pinot ein bemerkenswertes Gerüst – erst recht für einen Wein, der nur um die 14 Euro kostet. Ein Geheimtipp.
WG Auggen – Pinot Noir, Laufener Altenberg
Foto: Ein Weinlehrpfad in der Lage Auggener Schäf. Von diesem Wehrhäuschen aus schossen die Ahnen früher auf die Franzosen.
Noch ein Spätburgunder, noch mal ein völlig anderer Stil. Die Genossenschaft Auggener Schäf ganz im Südwesten Badens hat sich vor ein paar Jahren die WG aus dem Nachbarort Laufen einverleibt. Die Weine vom Laufener Altenberg blieben als eigenständige Linie erhalten, in der sich noch stärker in die qualitativ höheren Bereiche orientiert wird. Dieser Pinot Noir heißt so, weil die WG gezielt burgundische Klone anpflanzte, die zwar weniger Ertrag bringen, dafür aber ausdrucksstärkere Weine liefern können. In diesem Fall ist das Ergebnis trotzdem ganz typisch fürs Markgräflerland: Leichter und eleganter als die Nachbarn vom Kaiserstuhl, aber mit einer geschliffenen Aromatik zwischen dunklen Früchten, wenig Schmelz und etwas Pfeffer. Und das zum Schnäppchenpreis, zumindest aus sächsischer Sicht.