Es kommt nicht alle Tage vor, dass in Sachsen WeingĂŒter gegrĂŒndet werden - erst recht keine Sektspezialisten. Entsprechend groĂ war die Aufmerksamkeit, als das âPerlgutâ in Coswig Ende 2016 seinen ersten Jahrgang prĂ€sentierte. Doch bislang blieb die neu gegrĂŒndete Sektmanufaktur eher ein Insidertipp. Zur Weinmesse âVinello Wineworldâ am 12.5. in der Centrum Galerie stellt Hendrik Weber (F.), der Kopf hinter âPerlgutâ, seine Erzeugnisse zum ersten Mal der breiten Dresdner Ăffentlichkeit vor.
Hendrik Weber am RĂŒttelpult: Seine Sekte fertigt der Oenologe ausnahmslos in traditioneller FlaschengĂ€rung an.
âIntern und bei uns im Weingut gab es schon kleinere Verkostungenâ, sagt Hendrik Weber. âAber im groĂen Rahmen und in Dresden ist das eine Premiere.â Vier Tage die Woche arbeitet der studierte Oenologe als Kellermeister im Coswiger Weingut Matyas. Der fĂŒnfte Tag und die Wochenenden gehören seinem Herzensprojekt. âIm November 2011 habe ich einen Hof im Spaargebirge gekauft. Damals hatte ich noch in Geisenheim studiert. Seitdem haben wir dort gewirkt, entkernt und neu aufgebaut.âÂ
Hinzu kamen vier Hektar RebflĂ€che. Zwei bewirtschaftet er selbst: âDas ist das Maximale, was ich momentan verarbeiten kann.â Die andere HĂ€lfte verpachtet er ans Weingut Matyas. Das VerhĂ€ltnis mit seinem Arbeitgeber ist so gut, dass er derzeit dort seine Sekte herstellen darf. Was den Ausbau der Stillweine angeht, soll das auch noch eine Weile so bleiben. Die Versektung soll aber noch in diesem Jahr auf seinen Hof umziehen. Dann hat das âPerlgutâ, sechs Jahre nach den ersten Schritten. endlich einen eigenen Sitz.
In dieser Zeit musste Weber hĂ€ufiger einen langen Atem beweisen. âDas ist schon eine Wahnsinns-Vorfinanzierungâ, sagt er - und denkt dabei nicht nur an das GrundstĂŒck, sondern vielmehr an die nötige Reife seiner Produkte. âIch will nicht irgendeinen Sekt machen. Die Burgundersekte, die jetzt im Verkauf sind, lagen seit 2014 auf der Hefe.â Das ist eine lange Zeit der freilligen Abwartens fĂŒr einen Erstling. Traditionelle FlaschengĂ€rung hĂ€tte er auch nach neun Monaten Hefelager auf die Flasche schreiben können. Doch was dann drin wĂ€re, entsprĂ€che nicht seiner Vorstellung, die zwischen der Fruchtigkeit deutscher Winzersekte und den hefigen Brioche-Tönen klassischer Champagner pendelt.
FĂŒr solche SchĂ€umer sei das kĂŒhle Klima im Elbtal ideal. Seine Reben wachsen vor allem im MeiĂner Kapitelberg und im Radebeuler Johannisberg. Die Ernte wird besonders schonend abgepresst, nur ein Teil des Mostes findet fĂŒr die Stillweine Verwendung - ganz nach dem Vorbild der Champagner-Herstellung. Einen Teil baut er danach auch im Holz aus. Die Sekte, die daraus entstehen, sind aber noch lange nicht fertig. âEs kommen noch Premiumsachen. Die will ich etwa fĂŒnf Jahre auf der Hefe liegen lassen.â  Alles eine Frage der Zeit in Sachsens jĂŒngster Sektmanufaktur. Aber das Warten dĂŒrfte sich lohnen.
Text: Mario Adolphsen, Fotos: Sektmanufaktur Perlgut
Es ist ein ungewöhnlicher Ort zum Verkosten, allerdings auch ein sehr naheliegender. In der Dresdner Centrum-Galerie an der Prager StraĂe â Vinello hat dort seit einigen Monaten ein LadengeschĂ€ft - findet am Freitag und Sonnabend (10 bis 20 Uhr) eine der gröĂten Weinmessen Sachsens statt. An 60 StĂ€nden will der VersandhĂ€ndler Vinello.de etwa 600 Weine, Sekte und Spirituosen von knapp 250 Erzeugung prĂ€sentieren. Dass die Hausmesse des Vinello-Teams (F.) derart groĂ ausfallen wird, ist eher glĂŒcklicher Zufall als KalkĂŒl.
Das gilt nicht nur fĂŒr groĂe Erzeuger wie Philippe de Rothschild (Wein), Bouvet Ladubay (Sekt) und Moskovskaya (Wodka). Auch viele namhafte Familienbetriebe wie Leitz (Rheingau) und Steinmetz (Mosel), Hammel (Pfalz) und Frescobaldi (Toskana) haben sich angekĂŒndigt.
Dirk WĂŒrtz zĂ€hlt zu den bekanntesten Gesichtern der deutschen Weinszene. Der Blogger ist Betriebsleiter des Rheingauer Weingutes Balthasar Ress.
Ums schnelle GeschĂ€ft gehtâs zur âVinello.Wineworldâ ohnehin nicht, betont Harnisch: âDas ist eine reine Verkostungsveranstaltung, an den StĂ€nden gibt es keinen Weinverkauf. Es werden also keine WeindrĂŒcker am Start sein.â DafĂŒr ein paar illustre Figuren der deutschen Weinszene, darunter der streitbare PfĂ€lzer Christoph Hammel und der Rheingauer Tausendsassa Dirk WĂŒrtz. Letzterer ist  durch sein Blog, die Stern.de-Weinschule und als GrĂŒnder der Facebook-Community âHauptsache Weinâ allgegenwĂ€rtig in der digitalen Weinwelt. Im wahren Leben leitet er das renommierte Rheingauer Weingut Balthasar Ress.Â
Einen Querschnitt durch die Ress-Kollektion stellt Dirk WĂŒrtz bereits morgen Abend im Dresdner Carolaschlösschen vor. Als Auftakt zur âWineworldâ veranstaltet Vinello dort ein groĂes Barbecue, bei dem auch das Champagnerhaus Pol Roger vorgestellt wird.
Achtung: Dresdenwein.de verlost zwei mal eine Karte fĂŒr die Eröffnungsparty âVINELLO.wine.beatz.BBQâ (regulĂ€rer Preis: je 59 Euro) am 11. Mai von 19 - 23 Uhr im Carolaschlösschen. Einfach Mail mit Betreff âVinelloâ an [email protected] schicken. Die Gewinner werden umgehend informiert.
Text: Mario Adolphsen, Fotos: PR
2. Weinmesse âVINELLO.wineworldâ â 12./13. Mai 2017 (10 â 20 Uhr, Centrum Galerie), Tickets 10 Euro (pro Karte zehn Proben), weitere Informationen finden Sie hier.
Die Weinmesse âBW Classicsâ macht an diesem Wochenende zum siebenten Mal im Dresdner Congress Center Station. FĂŒr manche Dresdner werden die Probierschlucke der 50 Genossenschaften und WeingĂŒter - mehr als 700 Weine stehen bereit - ein bisschen nach Heimat schmecken. Woran sie bei Trollinger und Co. als Erstes denken? FĂŒr dresdenwein.de haben gebĂŒrtige Baden-WĂŒrttemberger vorgekostet.
Dr. Bernd Kastler, Clemens Lutz und Joachim Breuninger diskutieren vorm Restaurant Raskolnikoff ĂŒber badischen Wein.
âDas schmeckt genau wie zuhauseâ, sagt Clemens Lutz, wĂ€hrend er an einem 16er WeiĂburgunder der WG Durbach nippt. âMein Vater trinkt nur solche Weine.â Der Macher der âKochsternstundenâ wuchs in Freiburg auf, bevor es ihn in den Neunzigerjahren nach Dresden verschlug. FĂŒr eine Verkostung von Weinen, die auch auf der BW Classics prĂ€sentiert werden, ist er ins Raskolnikoff gekommen.
Der Ort ist kein Zufall - Inhaber Ralf Hiener stammt nicht nur aus dem sĂŒdlichen Schwarzwald, sondern zĂ€hlt zu den fortgeschrittenen Weintrinkern unter Dresdens Gastronomen. Das bekommt ein Riesling âHerzog Christophâ 2015 der wĂŒrttembergischen WeingĂ€rtner Cleebronn GĂŒglingen zu spĂŒren. âTypische Rieslingfrucht, Aprikose, Pfirsich. Er hat aber auch eine gewisse Dumpfheit.â Der fruchtbetonte Wein mit recht kurzem Abgang passt nicht ganz in sein Riesling-Beuteschema: âIch mag eher die Rheingauer und Moselaner.â Beim zweiten Schluck kommt der Koch durch: âMaultaschen, die kann man gut dazu essen.â
FĂŒr die WeingĂ€rtner aus BaWĂŒ ist die Verbrauchermesse BW Classics ein gutes GeschĂ€ft. Sie kommen schon seit 2010 jedes Jahr nach Dresden.
Sowohl im Freistaat als auch im LĂ€ndle kennt sich Dr. Bernd Kastler aus. Der gebĂŒrtige Schwabe â er stammt aus Giengen an der Brenz â war bis 2015 Vorsitzender des sĂ€chsischen Weinbauverbandes und ist weiterhin als Winzer in Radebeul aktiv. Ihn versetzt ein krĂ€ftiger, gut strukturierter SpĂ€tburgunder QbA 2015 der SchwarzwĂ€lder Alde Gott Winzer in seine Jugend: âRinderrouladen! Die wĂŒrden dazu passen.â Am liebsten mit LeberkĂ€se als FĂŒllung. âDas hatte meine Oma so gekocht. LeberkĂ€se musste bei ihr praktisch immer dabei sein.â
FĂŒr Joachim Breuninger, seit 2010 Direktor des Dresdner Verkehrsmuseums, kommen eher bei Rotweinen HeimatgefĂŒhle auf: âAb und zu trinke ich ganz gern Lemberger. Hier hat sich in den letzten Jahren in Sachen QualitĂ€t unheimlich viel getan.â
Zuhause in SchwĂ€bisch Hall lag frĂŒher der typische Trollinger mit Lemberger hoch im Kurs: âOpa hat das immer gemischt mit Zitronenlimo getrunken, als Schorle Rot-SĂŒĂâ, erinnert sich Breuninger, âDa ging am Tag schnell ein Liter weg.â FĂŒr ihn wĂ€re das nichts mehr. Und ein bisschen ist daran auch die neue Heimat schuld. âSeit meine Familie hier wohnt, trinken wir WeiĂweine fast nur noch aus Sachsen.â
Zur BW Classics spielen erstmals auch sĂ€chsische Weine eine Rolle. In einem Seminar werden WeiĂburgunder aus dem Elbtal mit denen aus WĂŒrttemberg und Baden gegeneinander verkostet.
Auch Jungwinzer der badischen Generation Pinot und Wein.Im.Puls aus WĂŒrttemberg prĂ€sentieren sich wieder mit eigenen StĂ€nden.
Zur Weinmesse BW Classics am 22. und 23. April (11 bis 18 Uhr) im Congress Center Dresden stehen rund 700 Weine von etwa 50 Winzern und Genossenschaften zur Verkostung bereit. Eintritt zehn Euro, nach Vorlage eines VVO-Tickets fĂŒnf Euro. Informationen unter www.bwclassics.de .
Text: Mario Adolphsen
Fotos: Mario Adolphsen, PR/Tobias Koch (2)
(AuszĂŒge des Textes erschienen am 10. April in der Dresdner Morgenpost. Die Weine fĂŒr die Verkostung wurden durch die wĂŒrttembergischen und badischen Weinwerbungen zur VerfĂŒgung gestellt.)
SĂ€chsische Winzer und Weinbauern fahren 2016 Rekordernte ein
Die sĂ€chsischen Winzer haben im vergangenen Jahr eine Rekordernte eingefahren. Wie das Landesamt fĂŒr Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) mitteilte, wurden insgesamt 28.845 Hektoliter vergoren. Es sei die gröĂte Erntemenge sĂ€chsischen Weins, seit der Umstrukturierung der RebflĂ€chen nach der Wende in der seither gefĂŒhrten Statistik, erklĂ€rte Frieder TrĂ€nkner, zustĂ€ndig fĂŒr Weinbau im LfULG. Der Durchschnittsertrag ĂŒber alle Rebsorten lag demnach bei 59 Hektoliter je Hektar, der zweitbeste Wert seit 2008. Damals war allerdings die ErtragsrebflĂ€che des sĂ€chsischen Anbaugebiets noch geringer als 2016.
Einige Erzeuger hĂ€tten allerdings auch den fĂŒr Sachsen festgelegten Höchstertrag von 80 Hektoliter je Hektar bei einzelnen Rebsorten ĂŒberschritten, hieĂ es. Das könne innerhalb der Betriebe aber mit anderen Rebsorten oder mit ertragsschwachen Jahren verrechnet werden.
Aktuell stehen im Anbaugebiet Sachsen rund 493 Hektar im Ertrag, hierzu gehören auch zwei kleinere Exklaven in Sachsen-Anhalt bei Jessen und in Brandenburg bei Schlieben. Im Anbaugebiet sind 37 Haupterwerbs- und 40 Nebenerwerbswinzer aktiv. Zudem bewirtschaften 2.227 Hobbywinzer teils kleinste RebflÀchen und liefern ihre Trauben ab.
Stabiles Wetter bis in den Herbst hĂ€tte im vergangenen Jahr den Weinbauern in die HĂ€nde gespielt und fĂŒr die hohen Erntemengen gesorgt, so TrĂ€nkner. SchĂ€dlinge hatten die Winzer ĂŒberwiegend gut im Griff, wobei die gefĂŒrchtete Kirschessigfliege zu einem zunehmenden Problem wurde und auch auf weiĂe Rebsorten ĂŒbergegriffen hat, nachdem die roten Sorten geerntet waren.
Besondere ErtragszuwĂ€chse im Vorjahresvergleich gab es bei den Rebsorten Elbling (+27,7 Prozent), MĂŒller-Thurgau (+17,9 Prozent) und Traminer (+14,5 Prozent). SĂ€chsische Winzer setzen weiter auf die regionale âSpezialitĂ€tâ Goldriesling. 1.744 Hektoliter wurden 2016 gelesen, rund 250 Hektoliter mehr als im Jahr davor. Die RebflĂ€che beim Goldriesling wĂ€chst kontinuierlich â 25,7 Hektar stehen im Ertrag, zwei Hektar Junganlagen warten auf die erste Ernte. Aus Goldriesling, der fast nur noch in Sachsen gewerblich angebaut wird, keltern die Kellermeister einen leichter Zechwein. Die Rebsorte treibt spĂ€t aus und die Trauben sind frĂŒh reif. Damit trotzt der Goldriesling drohenden SpĂ€tfrösten im FrĂŒhjahr und zeitigem Wetterumschwung im Herbst.
Beim Rotwein sind in Sachsen SpĂ€tburgunder, Dornfelder und Regent wichtige Rebsorten. Beim Dornfelder wurde gut ein Zehntel weniger geerntet als 2015. Bei den beiden anderen Sorten konnten die Winzer mehr ernten als im Jahr davor. Der Vorsitzende des Weinbauverbandes Sachsen, Christoph Reiner, sagte: âEndlich haben wir in Sachsen wieder mal zwei gute JahrgĂ€nge hintereinander. Der Angestellte im Weingut Schloss Proschwitz kĂŒndigte an, es werde auch hochwertige SpezialitĂ€ten bis in den edelsĂŒĂen Bereich geben. Die Winzer stehen angesichts gut gefĂŒllter Tanks und FĂ€ssern aber auch vor der Herausforderung, die gesamte Menge zu verkaufen. Wie aus vielen Betrieben zu hören ist, stagnierte im vergangenen Jahr die Nachfrage. Viele Weinbauern machen den Weinskandal dafĂŒr verantwortlich. Weinkenner verweisen allerdings seit Jahren auch darauf, dass das hohe sĂ€chsische Preisniveau nicht immer durch die angebotenen QualitĂ€ten gerechtfertigt werde. Weinbau in Sachsen ist durch die vielen Steillagen zwar oftmals aufwendig und damit kostenintensiv, allerdings werden auch gröĂere RebflĂ€chen maschinell bearbeitet.
Weinbauverband glaubt: âErnte gut - alles gutâ
Was allerdings die Weinkenner aufschrecken lassen sollte: Der Weinbauverband Sachsen schreibt ĂŒber seine Presseinfo zur Weinerntebilanz 2016, die drei Tage nach den ersten Presseberichten versendet wurde: âErnte gut - alles gut.â Das mag fĂŒr Traubenerzeuger gelten - hĂ€tten Winzer diese Einstellung, dann wĂ€re das fĂŒr die Zukunft des Weinbaus in Sachsen wohl fatal.
Text/Fotos: Lars MĂŒller
(auch erschienen/gemeldet beim MDR, in den DNN und der âFreien Presseâ Chemnitz)
Weinkönigin a.D. hÀlt Wort: Daniela Undeutsch prÀsentiert Sachsenwein in Leipzig
Die frĂŒhere sĂ€chsische Weinkönigin Daniela Undeutsch hat Wort gehalten: Am Mittwoch (1. Februar) prĂ€sentiert sie sĂ€chsische Winzer und deren Weine in ihrer Heimatstadt Leipzig. Das sogenannte Wine meet up finde in stilvollem Ambiente der Villa Giesecke in der Karl-Tauchnitz-Str. 21 statt, kĂŒndigt die Weinhoheit a.D. an. Das Ausstattungshaus nahe des Clara-Zetkin-Parks biete einen passenden Rahmen fĂŒr edle sĂ€chsische Weine.
Zwischen 16 und 20 Uhr können Weinfreunde und Fachbesucher ausgewĂ€hlte Tropfen verkosten. Zudem seien Winzer vor Ort, die selbst ausschenken, den Weinfreunden ihre Philosophien aus erster Hand erlĂ€utern und ihre Betriebe vorstellen. Unter anderem sind die WeingĂŒter Schloss Proschwitz, Schuh, Kastler-Friedland, Jan Ulrich sowie die Winzer Martin Schwarz und Ricco HĂ€nsch dabei. Durch diese Mischung könnten die Weinfreunde die Vielfalt sĂ€chsischen Rebensaftes entdecken, so die Weinfachfrau.
Schon wĂ€hrend ihrer Amtszeit 2015/16 hatte die Marketingstudentin angekĂŒndigt, die sĂ€chsischen Winzer in der Messestadt bekannter machen zu wollen. Dazu hatte die 26-JĂ€hrige vergangenen Sommer bereits eine kleine Verkostung mit drei WeingĂŒtern in einem Leipziger Modehaus organisiert. Die Winzer Matthias Schuh und Ricco HĂ€nsch waren schon damals dabei und kommen wieder mit.
Sachsenwein wird ĂŒberwiegend im Anbaugebiet selbst verkauft und getrunken, ist auĂerhalb des beschaulichen Elbtals kaum bekannt. In Leipzig dominieren meist preiswertere Weine des nahen Anbaugebietes Saale-Unstrut. Kritiker hatten anfangs bezweifelt, dass eine Leipzigerin sĂ€chsischen Wein reprĂ€sentieren könne. Daniela Undeutsch hat bewiesen, dass 100 Kilometer Entfernung zu den Weinbergen aber kein Problem sind.
Geschmackssache Heimat: Zwei Winzer-Buddies rocken Leipzig
Geschmackssache Heimat heiĂt eine Veranstaltungsreihe des Deutschen Weininstituts, die Weine junger Winzer bekannter machen soll. In Restaurants mit regionaler Ausrichtung stellen jeweils zwei Winzer, die aus der Generation Riesling akquiriert werden, einige ihrer Weine und ihr Weingut vor. Ein Sommelier prĂ€sentiert weitere deutsche Weine. Im Leipziger âsĂŒĂ & salzigâ waren jetzt die Jungwinzer Nicolas Olinger (28) aus dem frĂ€nkischen Iphofen und Matthias Schuh (29) aus dem sĂ€chsischen Sörnewitz gemeinsam zu Gast. Moderiert hat den recht lockeren Weinabend der Berliner Sommelier JĂŒrgen Hammer.
Winzer Matthias Schuh, Sommelier JĂŒrgen Hammer und Winzer und Sommelier Nicolas Olinger haben die GĂ€ste im âsĂŒĂ & salzigâ mit ihrer Leidenschaft fĂŒr gute Weine angesteckt. - Foto: L. MĂŒller
Der Begriff âJungwinzerâ ist bei den beiden Weinmachern allerdings eher irrefĂŒhrend, beide sind lĂ€ngst gestandene Winzer mit FĂŒhrungsaufgaben in ihren FamilienweingĂŒtern. Olinger und Schuh kennen sich aus ihrer Lehrzeit bei Burrlein (Mainstockheim), haben im selben neuseelĂ€ndischen Bio-Weingut internationale Erfahrungen gesammelt und schwimmen ganz augenscheinlich auf ziemlich derselben WellenlĂ€nge. Klar, haben sie etliche Anekdoten aus frĂŒheren Tagen parat. Die familiĂ€ren Wurzeln beider Winzer liegen ĂŒbrigens an der Mosel. Nicolas Olinger und Matthias Schuh verkörpern die unkomplizierte Generation der âjungen Wildenâ:  Abstriche bei der QualitĂ€t ihrer Weine akzeptieren sie nicht. Sie stehen hinter ihren Weinen, geben ihnen ein Gesicht und schenken diese gut gelaunt bei jeder sich bietenden Gelegenheit persönlich aus, finden so den direkten Draht zu ihrer Kundschaft. Das kommt an und ist beim weinbegeisterten Publikum zunehmend gefragt. GroĂer Pluspunkt der beiden Buddies: Durch ihre offene Art erreichen sie junge Weinfreunde.
Nicolas beim MĂ€hen. Seinerzeit war Matthias AuĂenbetriebsleiter bei Burrlein. Den Azubi hat er mit der Aussicht auf Weinschorle zum Durchhalten bei tropischen Temperaturen motiviert. Foto: M. Schuh
Eines stellen Schuh und Olinger gleich am Anfang klar: Wein wird vor allen Dingen im Berg gemacht. Die QualitĂ€t der Trauben muss stimmen. Im Keller wollen sie nicht mehr allzu viel am Most und Wein âherumspielenâ, verzichten â wo immer es geht â auf Schönungen. Das garantiert ehrliche Weine. âWir versuchen im Weinberg alles, um gesunde und reife Trauben zu ernten - und im Keller wird dann nur noch mit viel Geduld erhalten, was wir ernten durftenâ, betont Olinger â âso, wie es schon die Generation von meinen GroĂeltern gemacht hatâ.
Matthias Schuh setzt auf BegrĂŒnung zwischen seinen Rebzeilen, hier im Klausenberg. - Foto: L. MĂŒller
In ihren Weinbergen setzen die Nachwuchswinzer auf naturnahe Kultivierung der Rebstöcke. Auf Olingers Visitenkarten steht sogar Wein & Natur. âUnser Rhythmus als Winzer wird von der Natur bestimmt. Mutter Natur ist unser Arbeitgeber.â Der Franke, der auch eine Sommelier-Ausbildung vorweisen kann und mit seinem Weinwirtschaftsstudium in Geisenheim in den letzten ZĂŒgen liegt, hat eine eigene Weinlinie im elterlichen Weingut GebrĂŒder MĂŒller aufgelegt. Weinbautechniker Schuh wiederum verantwortet seit Sommer 2016 Kellerei und Weinberg im Familienbetrieb und kann deshalb die gesamten Weine des etablierten sĂ€chsischen Weinguts nach seinem Gusto ausbauen â dabei immer die treuen Stammkunden und zugleich auch neue Weinfreunde im Blick. Bislang scheint dem eloquenten und selbstbewussten Winzer der Spagat zu gelingen. Behutsame VerĂ€nderungen der Schuh-Weine sind seit einigen Jahren spĂŒrbar, schon seit 2013 hat Matthias immer mehr Verantwortung ĂŒbernommen und den Weinen nach und nach seine eigene Handschrift verliehen.
âMeine Weine sind ungeschminkte Charakterköpfe, aber keine Freakshow.â (Nicolas Olinger)Â
Die Kollektion des frÀnkischen Winzers umfasst derzeit sechs Weine und einen Secco. - Foto: Olinger-Wein
Matthias Schuhs Herz schlĂ€gt besonders fĂŒr Burgunder und Riesling. Aber auch der Elbling seines Weinguts hat viele Freunde. Gut 30 Prozent der RebflĂ€che sind mit Rotweinen - SpĂ€tburgunder, Dunkelfelder und Regent - bestockt. Auch Schuh setzt auf sein ausgeprĂ€gtes GefĂŒhl fĂŒr die Weine und verwies schon mehrfach darauf, dass die Ausbildung zwar die Grundlagen fĂŒr das Wissen lieferte. Die praktische Arbeit allerdings funktioniere ganz und gar nicht nach Lehrbuch. Lieber tauscht er sich mit erfahrenen Winzer aus und stellt dabei auch schon mal einen Wein mit kleinen Fehlern intern im Kollegenkreis zur Diskussion, um zu erfahren, was er besser machen kann.
Sylvaner aus Franken und Grauburgunder aus Sachsen - PrĂ€dikat: ein empfehlenswertes Duo - Foto: L. MĂŒller
Bei der Ausstattung ihrer Weine sind die beiden Winzer trotz der vielen Gemeinsamkeiten grundsĂ€tzlich unterschiedliche Wege gegangen: Matthias Schuh und seine Schwester Katharina Pollmer haben auf eine der ersten Agenturen am Platz gesetzt und von den Profis in enger Abstimmung ein komplett neues, modernes Corporate Design erstellen lassen, das letztendlich fĂŒr die gewĂŒnschte Aufmerksamkeit gesorgt hat und den Generationenwechsel visuell verdeutlicht, ohne dabei die Tradition des Familienbetriebs gĂ€nzlich aufzugeben. Auch der Auftritt der Weine von Nicolas Olinger kommt frisch und modern daher. Allerdings hat der Franke auf seine Schwester Christina gesetzt. âWir finden es viel persönlicher, wenn man das selber entwirft und umsetzt.â Er sei sehr stolz auf das, was seine Schwester geschaffen hat. Zu Recht.
Nicolas ist stolz auf seine Schwester Christina. Sie hat die Ausstattung seiner Weine umgesetzt. Gelungen. - Foto: Olinger-Weine
Sowohl Matthias Schuh als auch Nicolas Olinger versuchen, mit Weinwanderungen und Weinproben die Leute ânĂ€her an den Wein zu bringen und ihre Heimat zu zeigenâ, wie es Nicolas formuliert. So erleben die interessierten Weinfreunde hautnah, wie ihre Lieblingstropfen entstehen und welche Arbeit der Winzer hat, bevor der Wein in der Flasche ist.
Eines steht aber auch fest: Beide Winzer haben mit gut etablierten FamilienweingĂŒtern vergleichsweise komfortable Startmöglichkeiten. Was in diesem Zusammenhang jedoch erwĂ€hnt werden muss: Nicolas Olinger und Matthias Schuh sind ganz und gar keine Typen, die sich ins gemachte Nest setzen. Vielmehr arbeiten sie hart und wollen selbst mit ihren eigenen Weinen und individuellen Stilistiken abseits von Massenware ĂŒberzeugen - und sind damit bereits auf bestem Weg.
Winzer einer neuen Generation, die mit althergebrachten Konventionen auch einmal brechen: Matthias Schuh und Nicolas Olinger - Repro: Weingut Schuh & Olinger-Wein
Fazit: Die Geschmackssache Heimat ist ein durchaus geeignetes Instrument, um Weinfreunde und Winzer zusammenzubringen und so glaubwĂŒrdig fĂŒr guten Wein aus Deutschland zu werben. Ob die Vermarktung der Veranstaltungsreihe ausschlieĂlich ĂŒber Facebook allerdings genĂŒgt, sollte hinterfragt werden. Bei dem Leipziger Event stammte beispielsweise der GroĂteil der rund 25 GĂ€ste aus dem Freundes- und Bekanntenkreis von Matthias Schuh, geworben mit viel Eigeninitiative. Zudem hat das Weingut Schuh die Veranstaltung mit einer selbst initiierten Presseinfo noch im redaktionellen Teil der gröĂten Leipziger Regionalzeitung bekanntgemacht. WĂŒnschenswert wĂ€re es jedoch, wenn bei der Geschmackssache Heimat noch mehr neue Leute zu den Winzern stoĂen und dabei zu ĂŒberzeugten Weinfreunden werden wĂŒrden.
Bezugsquellen:
* Die Weine von Nicolas Olinger gibt es unter anderem online bei http://www.tvino.de.
* Matthias Schuh vermarktet seine Weine im gutseigenen Online-Shop unter http://shop.weingut-schuh.de.
Einen Goldriesling ohne alles bitte - ein Blick zurĂŒck aufs Jahr 2016
Das sĂ€chsische Weinjahr 2016 ist eigentlich wieder einmal kaum der Rede wert: keine FrostschĂ€den, kein Hagel, keine Trockenheit und kein unbeherrschbarer FĂ€ulnisdruck zur Lese. Mit ihren Weinen konnten die Winzer und Weinbauern aus dem Elbtal ĂŒberregional auch kaum punkten. FĂŒr Aufmerksamkeit sorgte die Branche in den vergangenen Monaten dennoch. Das haben die WeingĂŒter etwa einem knappen Dutzend Weinbauern in ihren Reihen zu verdanken, die mutmaĂlich im Weinbau verbotene Pflanzenschutzmittel eingesetzt oder zumindest so unsauber gearbeitet haben, dass mit RĂŒckstĂ€nden belastete Trauben in Kellereien und in den dort ausgebauten Weinen landeten.
Weinkontrolleur Bernd Langefeld hat die Entsorgung belasteter Weine in Diesbar-SeuĂlitz medienwirksam ĂŒberwacht. - Foto: MĂŒller
RĂŒckstĂ€nde der Wirkstoffe Dimethoat, Iprodion und Spiroxamin wurden in Trauben-, Most- und Weinproben nachgewiesen â in geringen Mengen, die nicht gesundheitsschĂ€dlich sind. Fakt ist aber: Wenn die Anwendung der Mittel im Weinbau verboten ist, haben RĂŒckstĂ€nde dieser Insektizide und Fungizide auch in geringsten Mengen nichts im Wein zu suchen. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob mit krimineller Energie absichtlich angewendet, aus Unerfahrenheit gespritzt oder durch Abdrift auf den Rebstöcken gelandet.
Folgerichtig fahren die Ăberwachungsbehörden des Landes eine Null-Toleranz-Strategie. Das wiederum verstehen einige Weinbauern ganz und gar nicht und vergleichen ihre Weine plötzlich mit Kirschsaft, bei diesem gelten schlieĂlich auch andere Grenzwerte. In Kirschkulturen sind die Pflanzenschutzmittel im Kampf gegen die Kirschfruchtfliege (nicht gegen die Kirschessigfliege!) allerdings mit Ausnahmegenehmigungen auch erlaubt gewesen. Nun mag der eine oder andere sĂ€chsische Wein tatsĂ€chlich an Sauerkirschsaft erinnern, allerdings handelt sich auch hierzulande bei Keltertrauben und Kirschen schlichtweg um unterschiedliche landwirtschaftliche Kulturen â Diskussion ĂŒberflĂŒssig. Bremsenhersteller und Lebensmittelproduzenten dĂŒrfen keine Fehler machen! Und darauf mĂŒssen sich die Verbraucher verlassen können.
In einem GĂŒlleanhĂ€nger wurde der Wein zur Entsorgung in die KlĂ€ranlage gebracht. Der Weinbauverband hĂ€tten gerne auf diese Bilder verzichtet. - Foto: MĂŒller
Das Landesumweltamt und die Landesuntersuchungsanstalt fĂŒr das Gesundheits- und VeterinĂ€rwesen halten ihren Kontrolldruck aufrecht: Rebstockrinde, Weinlaub, Trauben und Boden wurden reihenweise untersucht. So wurden auch in diesem Jahr wieder belastete Trauben entdeckt. Alle QualitĂ€ts- und PrĂ€dikatsweine werden seit dem September 2016 verbindlich lĂŒckenlos auf RĂŒckstĂ€nde von rund 300 Pflanzenschutzmitteln getestet â auf Kosten der Steuerzahler. Und ab Januar 2017 startet noch ein Sonderprogramm zur Kontrolle der sĂ€chsischen Landweine. Allerdings ist es keineswegs ein QualitĂ€tsprĂ€dikat, dass der sĂ€chsische Wein zu den bestkontrolliertesten Weinen der Welt gehören mag â vielmehr ist es ein Beweis dafĂŒr, dass die Ăberwachungsbehörden nach den jĂŒngsten Erfahrungen erhebliches Misstrauen hegen.
Sogar in der Rinde von Rebstöcken hat das Landesumweltamt nach RĂŒckstĂ€nden von im Weinbau verbotenen Pflanzenschutzmitteln gesucht. - Foto: MĂŒller
Nach Angaben des sĂ€chsischen Landwirtschaftsministeriums sind mehr als 500.000 Liter Sachsenwein der JahrgĂ€nge 2014 und 2015 nicht verkehrsfĂ€hig, auch mindestens ein 2013er Wein ist betroffen. Und auch im Jahr 2012 war schon ein mit Dimethoat belasteter Wein des Jahrgangs 2011 aufgefallen â damals folgenlos fĂŒr die Beteiligten. Noch nicht abgefĂŒllte Weine mit RĂŒckstĂ€nden sind betrieblich gesperrt und dĂŒrfen zumindest nicht verkauft werden. Eigenverzehr ist aber erlaubt und ein RĂŒckruf bereits abgefĂŒllter Weine muss nach Angaben der Behörden nicht erfolgen. Lediglich die SĂ€chsische Winzergenossenschaft MeiĂen, die Weinkellerei Jan Ulrich und der KĂŒfermeister Stefan Bönsch haben â ĂŒberwiegend erst nach Presseanfragen â zĂ€hneknirschend eingerĂ€umt, dass sie belastete Weine in ihren Tanks bzw. FĂ€ssern haben oder hatten. Transparent entsorgt und damit ihr Problem aus der Welt geschafft, hat nur die Weinkellerei Ulrich.
Hatten im Mai endlich ausgedient: die Schilder, mit denen die Weine in den Tanks gesperrt waren. - Foto: MĂŒller
Die Winzergenossenschaft, die aus dem Weinbauverband ausgetreten ist, macht seit Monaten keine Angaben dazu, wie groĂ ihr Schaden ist und was mit den belasteten Weinen passiert. Ein Teil davon, soviel ist bekannt, soll gegen geringes Entgelt an die Winzergenossen abgegeben werden - ausschlieĂlich zum sogenannten Eigenverzehr.
Die Genossenschaft beruft sich dabei auf den Dresdner Winzer, der seine gut 200 Liter verunreinigten Wein unter amtlicher Ăberwachung des Landeshauptstadt Dresden selbst verbraucht und sich auch nicht zum Wegkippen entschlieĂen konnte. Der Landkreis MeiĂen plant nach eigenen Angaben jedoch keine weitere Ăberwachung der ausgegebenen Genossenschaftsweine. Die Winzergenossen wĂŒrden aber belehrt, dass sie die Weine keinesfalls verschenken oder verkaufen dĂŒrfen, hieĂ es. Ob die Genossenschaft weiterhin vom mutmaĂlichen Hauptverursacher des Dilemmas bzw. von den RebflĂ€chen Trauben aufkauft, diese Frage lĂ€sst die Genossenschaft unbeantwortet.
Die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Staatsweingutes Schloss Wackerbarth, Sonja Schilg, findet zum Agieren der Winzergenossenschaft klare Worte: âWir haben das GefĂŒhl, dass sich die Winzergenossenschaft MeiĂen ihrer Bedeutung fĂŒr das gesamte sĂ€chsische Weinbaugebiet nicht bewusst ist. Die Entscheidung, die belasteten Weine intern zu verkaufen, möge vielleicht den wirtschaftlichen Schaden reduzieren, jedoch werden die ImageschĂ€den des gesamten Weinbaugebiets durch die Weigerung der Winzergenossenschaft, die belasteten Weine â wie in anderen Anbaugebieten Deutschlands ĂŒblich â konsequent zu entsorgen und sich von den TĂ€tern zu distanzieren, tĂ€glich gröĂer.â
Wie viel belasteter Wein in den Tanks der Genossenschaft liegt, dazu werden keine Angaben gemacht. - Foto: MĂŒller
Nach bisherigem Stand dĂŒrften vier weitere Kellereien direkt in den sogenannten Weinskandal involviert zu sein. Diese Weinbauern haben allerdings bisher nicht das RĂŒckgrat bewiesen, die Panne auch öffentlich einzurĂ€umen und verspielen damit auf Dauer ihre GlaubwĂŒrdigkeit. Die Behörden sehen keine rechtlichen Möglichkeiten, alle betroffenen Betriebe offiziell namentlich zu nennen. Bisher gab es lediglich Appelle an deren Vernunft, die jedoch verhallten.
Redlich arbeitende Winzer, die ihr Handwerk gelernt oder gar studiert haben und sich folglich mit korrektem Pflanzenschutz auskennen und deshalb zu keiner Zeit irgendwelche Problemweine in ihren Kellern hatten, fĂŒhlen sich unter Generalverdacht gestellt. Immerhin mĂŒssen auch sie ihren Kunden Fragen beantworten, die eigentlich an die Verursacher des Weinskandals gerichtet sind. Manche Betriebe klagen gar ĂŒber Absatzprobleme, wobei diese Unternehmen sich auch einmal die Frage stellen sollten, ob es tatsĂ€chlich allein am Weinskandal liegt oder nicht doch auch an einer zunehmenden Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Noch viele Fragen offen
Mangelndes Krisenmanagement der Branche â insbesondere auch des Weinbauverbandes â sorgt in anderen Weinanbaugebieten fĂŒr KopfschĂŒtteln. Verbraucher und Gastronomen dĂŒrften hierzulande solange verunsichert bleiben, bis ein Schlussstrich unter den Weinskandal gezogen wird. Dazu muss allerdings klar sein und auch offen kommuniziert werden, wie der belastete Wein entsorgt (und nicht verteilt) wird und welche Betriebe belastete Keltertrauben verarbeitet haben. Dass dies zeitnah geschieht, erscheint derzeit unwahrscheinlich â auch15 Monate nachdem die ersten belasteten Goldriesling-Trauben den Behörden aufgefallen sind, gibt es noch etliche unbeantwortete Fragen. Ganze zwei BuĂgeldverfahren, die sich beide auf einen landwirtschaftlichen Betrieb beziehen, wurden bisher abgeschlossen.
Kein Goldregen zur GebietsweinprÀmierung
Was sonst noch passierte im sĂ€chsischen Weinland, das lĂ€sst sich schnell zusammenfassen: Die Ernte 2016 war ĂŒberdurchschnittlich gut, zumindest was die Menge betrifft. Belastbare Zahlen sind allerdings noch nicht verfĂŒgbar. Bei der GebietsweinprĂ€mierung 2016 blieb der groĂe Goldregen aus, obwohl bei der zweiten Verkostungsrunde erneut wieder nur PrĂŒfer aus dem eigenen Anbaugebiet quasi ihre eigenen Weine und die der Konkurrenz bewerteten. Bei der GebietsweinprĂ€mierung sind in diesem Jahr 15 goldene Preise vergeben worden. Zur Verkostung angestellt waren insgesamt 83 Weine und Sekte, wovon acht nicht ĂŒberzeugen konnten und leer ausgingen.
Bei der GebietsweinprĂ€mierung versucht der Weinbauverband seit 2015 auf mehr Transparenz zu setzen und lĂ€sst zumindest Pressevertreter in die NĂ€he der Verkostung. Allzu viele Fragen werden aber immer noch als störend empfunden. - Foto: MĂŒller
Die Jury vergab 46 Mal Silber und 14 Mal Bronze. Von den mehr als 70 Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben hatten allerdings nur zwölf WeingĂŒter und Winzer ĂŒberhaupt Weine oder Sekte angestellt, dabei bieten nach Angaben des Landesumweltamtes knapp 70 Winzer, Weinbauern und AbfĂŒller in Sachsen regionale Weine unter eigenem Label an â wenn auch oftmals nur in kleinen Mengen. Der Weinbauverband will nach eigenem Bekunden die GebietsweinprĂ€mierung fĂŒr Produzenten und Weinfreunde attraktiver machen. Ein Arbeitskreis soll bis Ende MĂ€rz 2017 VorschlĂ€ge erarbeiten.
Friedericke Wachtel wird Weinkönigin
Diese drei Damen reprÀsentieren als sogenannte Hoheiten bis zum Herbst 2017 den sÀchsischen Wein und die Verbandswinzer. - Foto: Kahle/WBV
Und dann gibt es da noch routinemĂ€Ăig eine neue Weinkönigin. Diese heiĂt Friederike Wachtel und ist Pressesprecherin einer Dresdner Musikschule. Prinzessin Anna BrĂ€unig macht noch ein Jahr weiter, unterstĂŒtzt von der DiĂ€tassistentin Sandra Ruhland.
In diesem Sinne: âEinen Goldriesling ohne alles bitte. Prost und auf ein spannendes Jahr 2017!â
Tausende Dresdner und ihre GĂ€ste haben sich am Sonnabend wieder einen - zugegeben nicht ganz billigen - Abendspaziergang gegönnt. DafĂŒr gab es zur traditionellen Dresdner Schlössernacht allerdings rund um die drei Elbschlösser und an der Saloppe auch jede Menge Kultur zu erleben und Kulinarik zu genieĂen.
Das Feuerwerk ist alljÀhrlich Höhepunkt der Schlössernacht. - Foto: Veranstalter/Matthias Rietschel
Insgesamt besuchten 6.000 Menschen das damit ausverkaufte Fest und gönnten sich eine besondere Sommernacht. Mehr als 350 KĂŒnstler waren bei der Schlössernacht dabei. ZĂ€hlt man alle Auftritte zusammen, so wurden 93 Konzerte geboten. Die Fassade von Schloss Albrechtsberg wurde aufwendig illumiert. Auf die Schlossfassade wurde das Video âLife is a Danceâ ĂŒber die sĂ€chsischen Breakdancer âThe Saxonzâ projiziert. Höhepunkt war das Feuerwerk am Abend. Beeindruckend ist auch immer wieder der Blick von der Dachterrasse des Lingnerschlosses. Und sonst einfach bummeln, sehen und gesehen werden ...
Die nĂ€chste Dresdner Schlössernacht gibt es ĂŒbrigens am 15. Juli 2017.
1.100 Scheinwerfer haben das Areal in verschiedenste Lichter getaucht. Foto: dresdenwein.de
Am gemeinsamen Stand des Weingutes Schuh und der RosenschÀnke hat alles gepasst: Ambiente, AtmosphÀre, Essen und Wein. Foto: dresdenwein.de
Manchmal sind es die kleinen Dinge, die zum Staunen und Verweilen einladen: Hier zeigen junge Akrobaten aus Dresden und Radebeul, was sie drauf haben. Den Besuchern hat es gefallen. - Foto: dresdenwein.de
Weit schweift der Blick von der Dachterrasse des Lingnerschlosses ĂŒber Dresden und das Umland. - Foto: dresdenwein.de
Dresdner Sommeliers prÀsentieren sÀchsische Winzer - und mehr
Weinfreunde kommen am Wochenende in Dresden voll auf ihre Kosten. Und sie können einige sĂ€chsische Weine in ziemlich entspannter AtmosphĂ€re genieĂen. Am Sonnabend lĂ€dt Sommelier und Inhaber der Weinzentrale, Jens Pietzonka, ĂŒber die DĂ€cher der Stadt ein. Die "Roof Top Wine Party" beginnt am 9. Juli um 19 Uhr im QF Hotel. Auf die Dachterrasse hat er die jungen Ausnahmewinzer Stefan Winter und Juliane Eller aus Rheinhessen eingeladen. Aus Sachsen vervollstĂ€ndigt Matthias Schuh das Trio, dem Sommelier Pietzkonka ebenfalls viel Talent bescheinigt. Zu weiĂen und roten Weinen serviere die QF Tagesbar Antipasti und weitere Leckereien, hieĂ es. Der Eintritt ist frei, fĂŒr die musikalische Live-Untermalung sorgen Lars Kutsche & Band.
Wackerbarth-Chefin Sonja Schilg bummelt zufrieden durch den Park am Schloss des einstigen Raugrafen in Radebeul. Die Sektmeile anlĂ€sslich 180 Jahre Sekt in Sachsen klingt entspannt aus. Viele Sekte an den StĂ€nden der gut 15 deutschen SekthĂ€user sind schon ausverkauft. Es gibt aber auch noch genug Alternativen fĂŒr die letzten GĂ€ste, die noch immer die Abendsonne bei einem GlĂ€schen genieĂen wollen.
Gut 2.000 Sektfreunde seien am Sonntag auf Wackerbarth gekommen, schĂ€tzt Sonja Schilg. Zum Vergleich: An einem ânormalenâ Sommersonntag ohne Event bummelten rund 1.000 GĂ€ste durch die barocke Schloss- und Gartenanlage in Zitzschewig. Man habe bewussst auf eine entspannte AtmosphĂ€re fĂŒr die Sektmeile gesetzt. âSekte, die lange Jahre im Keller reifen, haben es verdient, in Ruhe genossen zu werden.â Die Wackerbarth-Chefin betont, mit dem Sektfest habe man eine sĂ€chsische Tradition gefeiert, die sich bis in die Gegenwart halte und geradezu eine Renaissance erlebe. Immer mehr sĂ€chsische Winzer böten neben ihren Weinen auch eigene Sekte an, so Schilg. Die Nische habe Potenzial, ist die Weingutschefin ĂŒberzeugt. WĂ€hrend etliche WeingĂŒter ihre Sekte selbst herstellen oder - wie Proschwitz - die Produktion gerade erst in eigene Haus holten, lassen vor allem Klein- und Kleinstwinzer ihre Sekte in den gröĂeren WeingĂŒtern herstellen - immerhin ĂŒberwiegend in Sachsen.
1836 kam Monsieur Joseph Mouzon aus Reims nach Sachsen und brachte die handwerkliche Kunst der klassischen FlaschengĂ€rung aus seiner französischen Heimat mit. Schloss Wackerbarth fĂŒhlt sich der Tradition der damaligen Sektkellerei Bussard verbunden. Zugleich gingen die sĂ€chsischen Winzer mit der Sektherstellung vor 180 Jahren ein drĂ€ngendes Problem an: Wein, der in vielen Jahren nicht richtig reifte, war sauer und fand immer weniger Freunde â insbesondere seit die Eisenbahn in den folgenden Jahrzehnten immer preiswerter trinkbare Weine aus anderen Regionen nach Sachsen brachte. FĂŒr Sektgrundweine allerdings sind Trauben mit einem hohen SĂ€uregehalt, die durchaus auch nicht ganz reif sein mĂŒssen, geradezu ideal. Das haben die Winzer in der Champagne viel frĂŒher entdeckt als anderswo und leben noch heute gut vom hervorragend Ruf ihrer Schaumweine.
Foto/Text: Lars MĂŒller
WeiĂe Sachsen im Holz - eine Serie in Kooperation mit Augusto, Teil 8: Weingut Matyas â2013er Grauburgunder im Barrique gereiftâ
Von wegen, jung austrinken: SĂ€chsische Winzer kreieren auch WeiĂweine, deren ganzes Potenzial erst beim Ausbau im Holzfass zum Tragen kommt. Das Augusto-Jahresheft 2016 widmet sich unter anderem diesen Tropfen, deren Menge meistens sehr begrenzt ist. Jana Schellenberg, SommeliĂšre im Sternerestaurant âCarousselâ des Dresdner Relais & ChĂąteaux BĂŒlow Palais Hotel, hat die von dresdenwein.de ausgesuchten Weine verkostet. Monatlich wurde an dieser Stelle einer der acht Weine vorgestellt. Heute endet die Serie.
8/8 - Weingut Matyas â2013er Grauburgunder im Barrique gereiftâ
Der Wein ist eine Premiere fĂŒr Kellermeister Hendrik Weber vom Weingut Matyas in Coswig. Bei dem 2013er Grauburgunder handelt es sich um eine SpĂ€tlese, die sechs Monate im neuen medium getoasteten Fass aus slowenischer Eiche mit einem Volumen von 300 Litern lag. âDer Wein ist als SpezialitĂ€t gedacht, die unser Sortiment frischer, klassisch sĂ€chsischer Weine ergĂ€nzen sollâ, sagt der Geisenheim-Absolvent. âWir verwenden nur absolut gesundes und vollreifes Lesegut fĂŒr den Ausbau im Holzâ, so der 28-JĂ€hrige.
Winzer und Oenologe Hendrik Weber hat die Rebstöcke im Weingut Matyas das ganze Jahr ĂŒber im Blick.
Die Reben sind teilweise schon 30 Jahre alt gewesen. Der studierte Oenologe Weber hat den Rebstöcken im Sommer ĂŒber schon besondere Aufmerksamkeit geschenkt, um wirklich optimale Trauben zu erhalten. Der Most stand dann ĂŒber Nacht auf der Maische, wurde geklĂ€rt und sofort ins Holzfass gelegt. âWichtig ist die Batonnage, wobei der Wein auf der Hefe im Fass regelmĂ€Ăig umgerĂŒhrt werden mussâ, betont der Winzer. Die Weine sind in der Flasche mindestens drei bis fĂŒnf Jahre lagerfĂ€hig und dann ein perfekter Essensbegleiter.
Lesedatum: 24. Oktober 2013, 97 Grad Oechsle
Alkohol 13,5 % vol. / SĂ€ure 5,6 g/l / Â Restzucker 2,5 g/l
Mit GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Andrea Leder bespricht Hendrik Weber frĂŒhzeitig, welcher Wein das Zeug fĂŒr einen Ausbau im Holzfass hat.
Aktuelles Angebot des Weinguts - WeiĂwein aus dem Holz:
WeiĂweine im Holz sind fĂŒr viele Winzer in Sachsen nur ein Nischenprodukt und deshalb in den WeingĂŒtern nicht immer verfĂŒgbar. Im Weingut Matyas ist ab Mitte Juli die 2015er Grauburgunder SpĂ€tlese Barrique (Alkohol 13,0 % vol. / SĂ€ure 5,3 g/l /  Restzucker 2,2 g/l) erhĂ€ltlich. Die Flasche wird 15,90 Euro kosten. Der Wein hat wieder hohes Lagerpotential.
Augusto - Dresdens Magazin fĂŒr Genuss und Lebensart ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel fĂŒr 4,80 Euro erhĂ€ltlich und bietet auf 138 Seiten allerlei Tipps fĂŒr Genuss und Lebensart rund um Dresden.
Der Weinbauverband Sachsen hat die Bekanntgabe der Ergebnisse der GebietsweinprĂ€mierung auf August verschoben. Das teilte Vereinsvorstand Christoph Reiner auf Anfrage mit. UrsprĂŒnglich sollten am 24. Juni die Medaillen öffentlich vergeben werden. Nach der ersten PrĂŒfrunde im Mai hĂ€tten den Weinbauverband mehrere WeingĂŒtern um eine Verschiebung des Termins gebeten, so Reiner. Zum Zeitpunkt der ersten PrĂŒfung waren demnach noch nicht alle 2015er Weine fertig.
Weinbergslandschaft in Radebeul
Einzelne kleine WeingĂŒter wĂŒrden aufgrund der nun angesetzten zweiten PrĂŒfrunde ĂŒberhaupt erst teilnehmen können. Mindestens zwei zusĂ€tzliche WeingĂŒter hĂ€tten ihre Teilnahme zugesichert. Bis 8. Juli können interessierte Betriebe noch Weine anmelden. Im Mai hatten elf GĂŒter und Kellereien Weine und Sekte angestellt. Die nĂ€chste PrĂŒfrunde findet Anfang August auf Schloss Proschwitz statt. Die öffentliche PrĂ€mierung wird dann am 18. August 18.30 Uhr in der Villa Teresa in Coswig sein.
SpĂ€tere PrĂŒfungen fĂŒr Winzerlehrlinge
Zugleich werden an diesem Tag die ausgelernten Winzerlehrlinge ausgezeichnet und verabschiedet. In diesem Jahr finden die AbschlussprĂŒfungen spĂ€ter als in den vergangenen Jahren statt. Dem Vernehmen nach haben Ausbildungsbetriebe dies veranlasst. In den Vorjahren hatten die fertigen Winzergesellen meistens schon Anfang Juli die Betriebe mit Abschluss in der Hand verlassen und dann als preisgĂŒnstige ArbeitskrĂ€fte in den Sommermonaten gefehlt. Dem Weinbauverband lĂ€gen keine Angaben zu den GrĂŒnden vor, warum die Ămtern spĂ€tere PrĂŒfungsterminen festlegten. Vorstand Reiner begrĂŒĂt dies aber, weil so die GebietsweinprĂ€mierung und die Ehrung der frisch ausgelernten Winzer an einem Termin erfolgen kann.
Text/Foto: Lars MĂŒller
(auch erschienen in den DNN)
SĂ€chsische Scheu kann bei Verkostung kaum punkten
Die Scheurebe feiert in diesem Jahr ihr 100. JubilĂ€um. Entsprechend viel Aufmerksamkeit wird der Rebsorte zu Teil, beispielsweise bei Verkostungen. Bei einer solchen der Fachzeitschriften âdas deutsche weinmagazinâ und WEIN+MARKT waren 456 Weine am Start, davon kamen 40 aus dem Ausland. FĂŒnf Betriebe aus Sachsen fĂŒhlten sich angesprochen und schickten sieben Weine zum 1. Internationalen Scheurebe-Preis ein. Wirklich punkten konnte aber nur einer der Sachsenweine: Der 2012er Eiswein von Schloss Proschwitz erreichte immerhin 16,1 Punkte und wurde damit als ânational ĂŒberragendâ bewertet.
Die Weine verkosteten Fachleute. An den Ergebnissen können sich die Sachsenwinzer bundesweit einordnen. - Foto: WEIN+MARKT
Big Bang - Knaller fĂŒr unkomplizierten Weingenuss
KrĂ€ftig schĂŒtteln und aus der Flaschen trinken - klingt zunĂ€chst so gar nicht nach Wein. Ist es aber - 100 Prozent frĂ€nkischer Wein, feinfruchtig, spritzig, naturtrĂŒb und vegan. Versprechen die Macher. Mit ihrem Big Bang Wine werden die vier Freunde aus Franken vielleicht nicht die gesamte Weinwelt revolutionieren. Wollen sie auch gar nicht. Aber die drei Winzer Julia DĂŒrr und Lukas Schmidt aus Bullenheim, Markus Meier aus Ulsenheim sowie Sommelier Sayed Barsim aus Burgoberbach beweisen zumindest, dass Wein auch wirklich unkompliziert geht. Und selbst auf der weltgröĂten Weinfachmesse ProWein haben sie mit ihren Rettungskapseln, wie sie die kleinen robusten Destillatflaschen nennen, fĂŒr Aufmerksamkeit gesorgt - 13,8 Milliarden Jahre nach dem Urknall.
Inszenierung gehört zum Handwerk: Und die Big Bang - Macher haben alle Register gezogen.
Die vier Weinfachleute wĂŒrden nie behaupten, sie hĂ€tten entdeckt, dass Trauben nach dem Zerquetschen zu gĂ€ren beginnen und einen ziemlich lustigen (Reben-)Saft ergeben. Allerdings haben sie beobachtet, dass sich herkömmlicher Wein eigentlich nur recht aufwendig im passenden Ambiente genieĂen lĂ€sst. Big Bang ist richtiger Wein, lĂ€sst sich aber völlig easy im Stadtbad oder auf einer Party konsumieren. Lukas Schmidt meint, in angesagten Clubs bleiben Weinfreunde bisher auf der Strecke: Bier gibt es, kĂŒnstlich aromatisierte Cocktails und - wenn ĂŒberhaupt - namenlose Billigweine aus dem GroĂhandel. Das wollte er mit seinen Freunden Ă€ndern.
Entstanden ist Big Bang aus einem Projekt von 20 Meister-und TechnikerschĂŒlern fĂŒr Weinbau und Oenologie an der Bayerischen Landesanstalt fĂŒr Wein-und Gartenbau in Veitshöchheim. Nun fĂŒhren die vier Freunde das einstige Experiment weiter. In die kleinen Flaschen kommen nur Weine aus ihren etablierten WeingĂŒtern. Allerdings werden die Weine von Anfang an speziell fĂŒr Big Bang ausgebaut, betont Lukas Schmidt. Mit 10,5 vol% Alkohol ist der Wein bewusst leicht gehalten. NatĂŒrlich verdienen die Winzer und der Sommelier ihr Geld weiterhin mit ihren ganz klassischen Weinen. Big Bang ist ein Projekt, dass sie quasi nebenher stemmen.
Dresden gibt sich ĂŒbrigens wieder gewohnt konservativ. Bei Tests haben WeinhĂ€ndler und Gastronomen zurĂŒckhaltend reagiert: Einem war der Wein zu einfach, einem anderen waren die FlĂ€chschen zu teuer und ein dritter Kneiper war der Meinung: Gute Idee, aber im Szeneviertel Neustadt werde der groĂe Knall ausbleiben, weil sich Big Bang einfach nicht in den Clubs behaupten könne.
Wer es trotzdem probieren will, kann die Weine im ungewöhnlichen Outfit online ordern.
Text: Lars MĂŒller
Fotos: Big Bang Winemaking GmbH
Generation Riesling wird 10 - Kochbuch zum JubilÀum
Die vom Deutschen Weininstitut (DWI) ins Leben gerufene Generation Riesling hat am Montag in Frankfurt am Main ihr zehnjĂ€hriges JubilĂ€um gefeiert. Inzwischen zĂ€hlt die Vereinigung der Jungwinzer und junger Weinfachleute mehr als 530 Mitglieder. Sie sind unter 35 Jahre alt und verstehen sich als Botschafter der modernen, hochwertigen und dynamischen Weinerzeugung in Deutschland. Damit viele davon erfahren, stellt der âWeinweltnachwuchsâ seine Erzeugnisse und sich selbst auch schon mal im Ausland vor.
Von den Erfahrenen aus der Branche gibt es Lob fĂŒr so viel Einsatz fĂŒr den deutschen Wein. DWI-GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Monika Reule erklĂ€rte: âWir blicken mit Stolz auf die Erfolgsgeschichte der Generation Riesling. Sie hat definitiv dazu beigetragen, das junge und moderne Image des deutschen Weins sichtbar in die Welt zu tragen.â
Zum JubilĂ€um haben die WeinKommunikatoren gemeinsam mit der Generation Riesling ein Buch unter dem Titel âSo kochen junge Winzerâ herausgebracht, das seit FrĂŒhjahr im Handel zum Preis von 19,90 Euro erhĂ€ltlich ist. Junge Winzer aus zehn Weinbauregionen stellen ihre Lieblingsrezepte und natĂŒrlich jeweils passende Weine vor. Dazu prĂ€sentieren die Autoren noch die deutschen Anbaugebiete. Die Macher des Buches wollten ein kombiniertes Wein- und Kochbuch herausbringen, was augenscheinlich gelungen ist. Das hochwertig gearbeitete Buch bietet auf gut 150 Seiten Anregungen fĂŒr den Herd in der heimischen KĂŒchen, fĂŒr chilligen Weingenuss und macht zugleich Lust auf AusflĂŒge zu den gut 50 vertretenen WeingĂŒtern der Jungwinzer.Â
Hinweis: Die Herausgeber haben dresdenwein.de ein Rezensionexemplar zur VerfĂŒgung gestellt.Â
Das Buch ist in Shop der WeinKommunikatoren, im Buchhandel und in Vinotheken erhÀltlich.
Wenn man als Weintrinker ehrlich ist, schaut man beim Weinkauf zuerst auf das Etikett. Damit lĂ€uft man zwar Gefahr von manchen Weinnerds als so genannter Etikettentrinker ausgelacht zu werden, aber selbigen kann man es sowieso selten Recht machen. Dabei sagt ein Etikett eine Menge aus. Neben den ĂŒblichen Angaben wie Rebsorte, Jahrgang, Winzer, Anbaugebiet und so weiter, kann man auch sehen, ob sich der Winzer oder Erzeuger Gedanken gemacht hat. Und zwar ĂŒber den Inhalt der Flasche hinaus. Das kann im besten Falle ein gutes Zeichen fĂŒr die QualitĂ€t des Weines sein.
Neu und alt: Der direkte Vergleich zeigt, wie deutlich der Schritt zum neuen Design ausgefallen ist.
Gedanken hat sich jedenfalls Matthias Schuh gemacht. Mehr als das. Im Weinhaus Schuh hat sich der Generationswechsel nun vollzogen. Matthias Schuh leitet nun das Weingut, kĂŒmmert sich um den Keller und gemeinsam mit Winzermeister Holger Horter um die Weinberge. Seine Schwester Katharina Pollmer ist fĂŒr das Marketing, den Verkauf sowie die Verwaltung verantwortlich.
Am augenscheinlichsten sind solche VerĂ€nderungen natĂŒrlich an einer neuen Corporate Identity zu erkennen. Also an der âGesamtheit der Merkmale, die ein Unternehmen kennzeichnen und es von anderen Unternehmen unterscheidenâ wie Wikipedia so schön sagt. Will sagen, man verĂ€ndert möglichst viel, sodass auch der letzte merkt, dass man hier, in dem Fall das âneueâ Weinhaus Schuh vor sich hat.
Markantes Violett und neues âSâ als Markenzeichen
Damit das nicht böse in die Hose geht, hat man sich das neue Design von einer namhaften Agentur aus Dresden machen lassen. Dass selbige sich damit ganz gut auskennen, haben sie schon bei weinnahen Kunden wie Schloss Proschwitz, Martin Schwarz oder Superiore gezeigt. So wurde das Bordeauxrot zu einem heftigen Violett umlackiert. Wem das zu Lila ist, der kann es auch Purpur nennen. Selbiges fĂ€llt auf jeden Fall auf - nicht nur unter den sĂ€chsischen WeingĂŒtern - und ist komplett durchgezogen. Also ĂŒberall im Weingut zu finden. Man hat sich also nicht nur MĂŒhe gegeben. Man hat sich sogar richtig MĂŒhe gemacht. Dass der Winzer voll hinter dieser Farbe steht, soll auch erwĂ€hnt werden. Das ist nicht immer selbstverstĂ€ndlich.
Auch die Kellerei wurde schon einmal ganz neu in Szene gesetzt.
Und, wie könnte es anders sein, findet sich das neue Design auch auf den Etiketten wieder. Die Auskenner werden natĂŒrlich sofort anmerken, dass man die BuchstabenkĂŒrzel Ă la Periodensystem der Elemente in der Weinweltso Ă€hnlich schon einmal gesehen zu haben glaubt. Das ist zwar nicht grundsĂ€tzlich falsch, aber gut inspiriert ist allemal besser als schlecht erfunden. So hat man sich ebenfalls von einigem Schnickschnack getrennt. Zum Beispiel ist der unsĂ€gliche, sehr Neunziger wirkenden Farbverlauf auf den Etiketten verschwunden. Jetzt dominieren oben genanntes Violett, WeiĂ und Grau. Klar und deutlich.Â
Die Geschwister Katharina Pollmer und Matthias Schuh wollen das Weingut ihres Vater Walter Schuh gemeinsam in die Zukunft fĂŒhren.
Wem das nicht genĂŒgt, der findet wohl etwas bei den sortenreinen Weinen von Goldriesling (Go) ĂŒber Traminer (Tr) bis zum richtigen Riesling (Ri) und SpĂ€tburgunder (Sb). Da kann man nicht meckern. Apropos. Das Goldriesling fĂŒr mich, systembedingt, eher ein No-Go ist, dĂŒrfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Aber das ist ja bekanntlich Geschmacksache. Probiert habe ich ihn aber auch schon. Kann manja mal machen. Die 2015er Traminer und Rieslinge empfehle ich aber gerne. Also, wer noch einen Tipp fĂŒr einen Trip nach Sörnewitz zum Weinhaus Schuh, den Vinotheken oder zum WeinhĂ€ndler seines Vertrauens brĂ€uchte, kann sich jetzt in die Puschen machen.
Text: Charles M. Bugnowski
Fotos: Lars MĂŒller/dresdenwein.de
Auf Schloss Proschwitz haben sich heute wieder Vertreter aus der Weinbranche zur GebietsweinprÀmierung getroffen. Der Weinbauverband Sachsen gibt sich seit vergangenem Jahr transparenter, wenn es darum geht, wie die Medaillen auf die Wein- und Sektflaschen kommen. Im Anbaugebiet arbeiten 35 Haupterwerbs- und 39 Nebenerwerbswinzer sowie etwa 2.300 Kleinwinzer. Aber nur elf Betriebe haben ausgewÀhlte Tropfen bei der GebietsweinprÀmierung angestellt. Es bleiben also Fragen. Diese versucht der Vorsitzende des Weinbauverbandes, Christoph Reiner, im Interview zu beantworten.
Foto: Christoph Reiner erwartet viele Goldmedaillen.
Heute verkosten wieder Fachleute sÀchsische Weine und vergeben Medaillen. Wie viele Weine von wie vielen Betrieben sind denn bei der diesjÀhrigen GebietsweinprÀmierung angestellt?
Christoph Reiner: Insgesamt sind 61 Weine von 11 sÀchsischen Weinbaubetrieben angestellt.
Verbraucher hinterfragen derzeit ja sĂ€chsische Weine, weil mindestens ein Traubenerzeuger im Weinbau verbotene Pflanzenschutzmittel eingesetzt hat. Sind Sie vor diesem Hintergrund mit der Teilnahme der WeingĂŒter an der GebietsweinprĂ€mierung 2016 zufrieden?
Christoph Reiner: In diesem Jahr sind es immerhin schon drei teilnehmende WeingĂŒter mehr als im vergangenen Jahr und die Zahl der angestellten Weine liegt knapp ĂŒber der des Vorjahres. Alles in allem bin ich also zufrieden. Der aktuelle Jahrgang hat etwas zu bieten und das wollen wir zeigen. Leider hat die Winzergenossenschaft in diesem Jahr keine Weine angestellt.
Bei welchen Rebsorten erwarten Sie aus Ihrer Erfahrung als QualitĂ€tsmanager im Weingut Schloss Proschwitz besonders gute JahrgĂ€nge 2015 nach dem heiĂen Sommer?
Christoph Reiner: Ăber alle Rebsorten hinweg ist der Jahrgang 2015 hinsichtlich der WeinqualitĂ€t deutlich besser einzustufen als die vorangegangenen beiden sĂ€chsischen JahrgĂ€nge. Besonders fĂŒr unsere Aroma-Rebsorten wie etwa Traminer, Scheurebe oder Bacchus waren die vielen sĂ€chsischen Sonnenstunden ein wahrer Segen. Auch spĂ€t reifende Sorten wie der Riesling konnten problemlos voll ausreifen, wodurch ĂŒberaus spannende und facettenreiche Weine entstehen konnten.Â
Foto: So eine Weinverkostung ist fĂŒr die PrĂŒfer eine ziemlich nĂŒchterne Angelegenheit.
MĂŒssen sich Weinliebhaber nach dem heiĂen Jahr 2015 auf andere Weine aus Sachsen einstellen, vielleicht welche mit weniger SĂ€ure, weniger trocken, weniger spritzig?
Christoph Reiner: Sachsen ist eines der nördlichsten Anbauregionen â âcool climateâ  ist in Sachsen kein Modewort des Weinmarketings sondern eine Tatsache. Die kĂŒhlen sĂ€chsischen HerbstnĂ€chte verhindern einen ĂŒbermĂ€Ăigen SĂ€ureabbau in den Trauben. Wir dĂŒrfen uns also auch beim Jahrgang 2015 auf klassisch-sĂ€chsische, frisch-fruchtige Weine freuen. Ob ein Wein trocken, halbtrocken oder lieblich ausgebaut wird entscheidet schlussendlich der Markt, also die Vorliebe der Weinliebhaber. Der Trend geht hier in Sachsen eindeutig in Richtung trocken.Â
In der Branche hört man immer wieder die Forderung, dass sich deutsche Anbaugebiete auf typische Sorten spezialisieren und daraus dann besonders markante und gute Weine ausbauen sollen. Sachsen hat eine enorme Sortenvielfalt. Was sind aus Ihrer Sicht sĂ€chsische Klassiker und auf welche Rebsorten sollten sich sĂ€chsische Winzer kĂŒnftig konzentrieren?
Christoph Reiner: Der Goldriesling muss hier an erster Stelle genannt werden - der sĂ€chsische Sommerwein schlechthin. Die sĂ€chsischen Traminer und unsere WeiĂ- und Grauburgunder spielen in der deutschen âWeinligaâ ganz vorne mit â hier wĂ€re also meiner Meinung nach eine Fokussierung denkbar. Â
Am Verkostungstisch sitzen heute wieder ausgewiesene Fachleute, die möglichst ĂŒber einen PrĂŒferschein der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft verfĂŒgen. Was aber wird bei der GebietsweinprĂ€mierung bewertet beziehungsweise gesucht? Geht es um die besten Weine aus Sachsen unter BerĂŒcksichtigung klimatischer und geografischer Besonderheiten der JahrgĂ€nge oder soll das bundesweite PrĂŒfschema ohne Abstriche angewendet werden?
Christoph Reiner: Es gilt das bundesweite PrĂŒfschema â ohne ZugestĂ€ndnisse oder Abstriche. Der Inhalt einer Flasche, die das Siegel der sĂ€chsischen LandesweinprĂ€mierung trĂ€gt, ist von auĂerordentlicher QualitĂ€t â ansonsten wĂŒrde die Auszeichnung keinen Sinn machen.
Kann es dann nicht in schlechten Jahren mit miesem Wetter auch passieren, dass es gar keinen Gold-prĂ€mierten Wein aus Sachsen gibt? Oder wĂŒrden die PrĂŒfer dann Abstriche machen und milder bewerten?
Christoph Reiner: Die sĂ€chsischen Winzer und Kellermeister haben bereits mehrfach gezeigt, dass sie mit schwierigen JahrgĂ€ngen umgehen und Weine keltern können, die bundesweit ĂŒberzeugen. Ich mache mir also keine Sorgen, dass wir zukĂŒnftig ein Jahr ohne einen sĂ€chsischen âGoldweinâ haben werden. Dennoch: die Zahl der prĂ€mierten Weine kann in einem schwierigen Jahr selbstverstĂ€ndlich reduziert sein, das hat das vergangene Jahr gezeigt und war auch in anderen Weinbauregionen zu beobachten. Von einem Jahrgang wie dem 2015er erhoffe ich mir hingegen einen wahren Goldregen, dies haben aber die Experten zu entscheiden.
Foto: Projektkoordinatorin Sandy PrĂŒger achtet darauf, dass die PrĂŒfer keine RĂŒckschlĂŒsse auf die Herkunft der Weine ziehen können.
Winzer haben in der Vergangenheit immer wieder einmal beklagt, dass ihre Weine in der  QualitĂ€tsweinprĂŒfung völlig anders bewertet wurden als bei der GebietsweinprĂ€mierung. Wie lĂ€sst sich das erklĂ€ren, wenn doch dasselbe PrĂŒfschema nach DLG-Standard zur Anwendung kommt?
Christoph Reiner: Wein ist etwas spannendes, etwas lebendiges â er reift auf der Flasche und entwickelt sich. Gerade in ersten Tagen nach der AbfĂŒllung kann man hĂ€ufig eine gewisse âTagesformâ beobachten. Der Wein ist noch Ă€uĂerst unruhig. Die amtliche QualitĂ€tsweinprĂŒfung erfolgt in der Regel kurz vor oder kurz nach der AbfĂŒllung. Abweichungen bei der Wertung der spĂ€teren LandesweinprĂ€mierung lassen sich also schlicht durch die Natur des Weines erklĂ€ren.Â
Sie hatten als Verbandschef der Weinbauern nach Ihrem Amtsantritt im vergangenen Jahr die Idee formuliert, zur GebietsweinprĂ€mierung möglicherweise nur noch auswĂ€rtige PrĂŒfer einladen zu wollen - um ĂŒber alle Zweifel erhaben sein zu können. So mĂŒssten sĂ€chsische Kellermeister auch nicht immer ihre eigenen Weine bewerten. Bisher war die HĂ€lfte der PrĂŒfer von auĂerhalb, die HĂ€lfte aus Sachsen. Wie schaut die Zusammensetzung in diesem Jahr aus und wie viele PrĂŒfer sitzen insgesamt am Tisch?
Christoph Reiner: Die Zahl der PrĂŒfer wurde bereits im letzten Jahr deutlich erhöht. Dieses Jahr werden wieder 10 Experten die angestellten Weine bewerten: Zwei Vertreter der groĂen sĂ€chsischen WeingĂŒter, vier Vertreter der kleineren und mittleren WeingĂŒter, ein amtlicher Vertreter der sĂ€chsischen Landesuntersuchungsanstalt und drei externe PrĂŒfer aus benachbarten Weinbauregionen werden anwesend sein. WĂŒrde ich ausschlieĂlich externe PrĂŒfer einladen wĂŒrden nur andere, neue Zweifel aufkommen. Die Zusammensetzung der PrĂŒfer ist meiner Meinung nach gerecht und absolut ausgeglichenen.
Im Nachbaranbaugebiet Saale-Unstrut ist die Ăffentlichkeit schon bei der Verkostung dabei, indem Journalisten die GebietsweinprĂ€mierung in einem Nebenraum begleiten und ĂŒber die QualitĂ€t der Weine berichten. Warum gehen Sie in Sachsen andere Wege und verkosten intern?
Christoph Reiner: Im Gegenteil - bereits in den PrĂŒfrunden des letzten Jahres stand es interessierten Journalisten frei auf Anfrage an der Verkostung teilzunehmen. Auch in diesem Jahr wird es Journalisten gestattet sein, sich in einem Nebenraum ein eigenes Bild von der QualitĂ€t des Jahrganges 2015 zu machen. Die Spannung muss allerdings bis zur offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse aufrecht erhalten werden. Wie die PrĂŒfer bekommen deshalb auch die Journalisten den Wein aus neutralen Karaffen ausgeschenkt.
Wann erfahren die Weinfreunde in Sachsen in diesem Jahr die Ergebnisse der GebietsweinprÀmierung?
Christoph Reiner: Die offizielle Bekanntgabe wird erst am Tag der feierlichen PrĂ€mierung in der Börse Coswig erfolgen. Weinliebhaber sollten sich also den 24. Juni ab 18 Uhr unbedingt freihalten. An diesem Abend können die goldprĂ€mierten Weine dann selbstverstĂ€ndlich auch direkt verkostet und verglichen werden. Â
Manche Winzer kaufen sich nach der GebietsweinprĂ€mierung die errungenen Medaillen und kleben sie auf Ihre Weine, andere Produzenten verzichten darauf. Was raten Sie als Weinexperte Ihren Kollegen? Kaufen aus Ihrer Erfahrung die Kunden lieber Weine mit Auszeichnungen oder hat sĂ€chsische Weinkonsument nicht sowieso seinen Lieblingswinzer, dem er treu ist und dessen Weine er schĂ€tzt?Â
Christoph Reiner: Ich bin mir sicher, dass meine Kollegen selbst besser wissen, welche Variante fĂŒr ihren Kundenkreis die richtige Lösung ist. Persönlich lasse ich mich bei der Kaufentscheidung gerne von Medaillen beeinflussen, vor allem dann, wenn ich Weine eines Erzeugers probieren möchte, den ich noch nicht so gut kenne. Â
Und was raten Sie unentschlossenen Weinkunden? Sollten diese sich an Medaillen auf den Weinflaschen orientieren?
Christoph Reiner: SelbstverstĂ€ndlich â wer QualitĂ€t sucht wird hier auch QualitĂ€t finden, auch wenn schlussendlich fĂŒr jeden selbst nur das eigene, persönliche Urteil entscheidend ist â unsere sĂ€chsischen Weine sind eben genauso individuelle Charaktere wie diejenigen, die sie trinken. Â
Fragen: Lars MĂŒller
Fotos: Lars MĂŒller (Archiv)
(auch erschienen in den DNN und auszugsweise bei MDR.de)