"We’re in for a tough time, Erich. You must realise that almost the whole world hates Germany." "But why? We just wanted to live in peace..."
"Because we’re contradictory. Because they’ll never understand us. They always want to understand us, but Germany, my son, is not something you can understand. You either have to love Germany or hate it."
'Der Eiserne Gustav'/'Iron Gustav' by Hans Fallada, 1938 📖
Deutschland! Mein Herz in Flammen / Germany – my heart in flames
Will dich lieben und verdammen / Want to love and damn you
Deutschland! Dein Atem kalt / Germany! Your breath's cold
So jung und doch so alt / So young, and yet so old
[...]
Ich will dich nie verlassen / I never want to leave you
Man kann dich lieben / One can love you
Und will dich hassen / And want to hate you
[...]
Deutschland! Deine Liebe ist Fluch und Segen / Germany! Your love is a curse and a blessing
Deutschland! Meine Liebe kann ich dir nicht geben / Germany! My love I can't give you
The power's out at work per the guy from the electric company (not the cool Electric Company that existed prior to Sesame Street, though that would be amazing) who showed up unannounced with wire cutters ten minutes ago. I'll get back to work eventually, but for the moment I'm posting up in the local cafe.
Jeder stirbt für sich allein (1947) - Hans Fallada
Sie hatten noch nicht begriffen, dass es in diesem Kriegs-Deutschland ein privates Leben überhaupt nicht mehr gab. Kein Sichzurückziehen rettete davor, dass jeder Deutsche zur Allgemeinheit der Deutschen gehörte und das deutsche Schicksal miterleben musste – so wie ja auch die immer zahlreicher werdenden Bomben wahllos auf Gerechte wie Ungerechte fielen.
Das, was mir sprachlich sofort die Bilder an die landesweiten Bauernproteste aus dem letzten Jahr ins Gedächtnis holt, ist keine Schlagzeile der 2024er-Boulevardpresse, sondern der Titel des 1931 erschienenen Romans von Hans Fallada, der sich wunderbar in das Puzzle rund um die sterbende Weimarer Republik einfügt.
Die realen Ereignisse der im Jahr 1929 stattfinden Landvolksprozesse in fiktionaler Form verarbeitend, beschreibt Fallada auf knapp 650 Seiten die Geschichte einer Kleinstadt, deren politische und öffentliche Ordnung, nach einem eskalierten Bauernprotest völlig aus den Fugen gerät und in sich zusammenbricht.
Am Staatsschauspiel Dresden bringt man unter der Regie von Tom Kühnel die Romanvorlage von Fallada jetzt mit einem ziemlich kompakten Ensemble auf die Bühne.
Und was sich auf dieser ebendieser Bühne alles so Herrliches abspielt! Wie im Karussell jagen Fahrräder, Traktoren, Autos und Bauern mit Heuballen und Fackeln über die absenkbare Drehbühne und begeben sich zu epischer Musik in einen irren Tanz mit ferngesteuerten Betten, Schreibtischen und einer Kamera. Eine kreiselnde Dynamik steckt in den Requisiten und dem Ensemble, welches in einen bunten Mix von an die 1920er erinnernde Kostüme gesteckt wurde. Von Sturm bis Sternenhimmel ist jede Stimmung dabei! Alles bewegt sich, alles dreht sich, es brennt, es klingelt, es nebelt, es explodiert! Hurra!
...und dann ist da leider auch noch der Plot. Denn so viel Mühe man sich auch gibt - die Vorlage, die mich auch schon in Buchform zum Gähnen gebracht hat, wird auch durch das wundervolle Requisitenchaos nicht weniger trocken. Die Romanvorlage ist zu steif, zu aufgebläht, zu undramatisch und irgendwie nichtssagend - da hilft auch das beste Bühnenkonzept nicht hinüber weg. Dass man an einigen Stellen dann auch nicht ganz genau deuten kann, wer in den zahlreichen Nebenrollen da gerade eigentlich wen spielt, hilft da auch nur bedingt weiter.
Nach der Pause kommt immerhin noch mal ordentlich Tempo und Absurdität in das Spiel. Der bei Fallada extrem überdehnte Gerichtsprozess zum Bauernprotest und sein drumherum, wurden mit geschicktem Szenenwechsel und Kameraarbeit deutlich eingekürzt und damit viel interessanter gemacht. Auch eine etwas random platzierte Gollum-Impression sowie eine Talkshow-Host-Dance-Nummer lockern den Abend absurd gut auf. Gerade zum Ende kommt dann auch nochmal sehr viel Gefühl, Dramatik und Action in die Handlung, die einen begeistert mit den Charakteren mitfiebern lassen.
Das Stück orientiert sich sprachlich stark an der Vorlage, die hier und da für den modernen Geschmack wohl etwas sehr über die Stränge schlägt, wurde inhaltlich aber um einige Seitenhandlungen und -charaktere erleichtert, ohne dabei an Erzählkraft einzubüßen, was dem konvoluten Plot mehr als zugutekommt. Nur mach Bezug zur Gegenwart, der sich hier in Stichwortform eingeworfen tatsächlich mal eine Annäherung an den Stoff anbieten würde, sucht man vergeblich.
Es ist ein Abend, der sich über mehrere Stunden entwickeln muss und dessen Problem nicht die durchaus gute Inszenierung selbst, sondern leider die steife Vorlage ist. Aber gerade für die wahnsinnig spaßige zweite Hälfte und die schiere Masse an Eindrücken, die einem hier geboten werden lohnt sich ein Besuch allemal!