Lukas starrte in den Himmel. Das blaue Gewölbe, das früher so etwas wie Freiheit bedeutet hatte, schien ihn jetzt, da graue Gitterstäbe die Wolken in seinem Blickfeld zerhackten, nur noch zu verhöhnen. Wie hatte ihm Jonathan das nur antun können? Sein Detektei WoC-Partner im Kampf gegen kulinarische Kriminalität. Er war doch sein Freund, sein Bruder. Bedeutete der Familienname “von Dor” denn gar nichts mehr? War Maggi nicht dicker als Wasser? Jetzt hockte er hier in der Zelle, für ein (V)Erbrechen, das er nicht begangen hatte, weggesperrt wie eine schimmelnde Zwiebel, die man sich angesehen, aber aus Faulheit nicht weggeworfen hatte. Stattdessen hatte man sie in die hintersten Winkel es Kühlschranks verbannt und hoffte, dass sie nicht zu sehr stinken würde. Und dort siechte er nun vor sich hin. Aber er würde stinken, und wie! Lukas hatte einen Plan... Mit ihm in der Zelle saß ein Mann, den alle nur ehrfürchtig “Didi” nannten. Zahlreiche Tattoos auf seinem Gesicht zeugten von seiner kriminellen Energie: eine weinende Fleischwurst unter dem linken Auge, ein bis an die Zähne bewaffneter Reiswaffelmann, ein Tomatenpudding in Herzform, in dem “Mama” stand. Früher, als er noch für Gerechtigkeit und gutes Essen gekämpft hatte, hätte Lukas diesen Big-D ohne zu zögern eingebuchtet. Jetzt war es anders. Der Knast bricht Menschen und setzt sie, gleich einer missglückten Lasagne, nur schlecht wieder zusammen. “Hast du das Zeug?”, fragte er den Didinator als der Wachdienst wechselte. “Na klar”, grinste Didi. Es waren nicht die besten Zutaten, das wusste Lukas. Aber er war verzweifelt. Er wollte Freiheit, er wollte Antworten. Er musste Opfer und auf fragwürdige Weise geschmuggeltes Hack dafür in Kauf nehmen. Die restlichen Zutaten hatte er sich über Wochen in der Kantine zusammengeklaubt. Was tat man nicht alles für Freiheit. MacGyver ähnelnd, nahm er einen ranzigen Blumenkohl, klatschte das bräunliche Hack drum herum und wickelte es mit Bacon ein. Dann quetschte er es durch die Gitterstäbe hindurch. Als die neue Wache kam und das Gericht sah, dachte sie nicht lange nach, sondern begann gierig zu essen. “1 Kilo Hack, 200g Bacon... Es gnade ihm Gott...”, murmelte Lukas. Dann ging alles sehr schnell. Erst erbrach sich die Wache in klebrigen Fäden in den eigenen Schoss und stammelte “Mir - mir geht es nicht gut...” Dann ging die Bombe hoch. Ein Loch klaffte in der Mauer und Lukas, noch ehe sich der Staub, das Rauschen in den Ohren, die Gedärme und das Hack gelegt hatten, rannte hinaus, hinaus in die Freiheit, Didi hinter ihm. “Und wohin jetzt?”, keuchte der Didinaut. Lukas schwieg. In seinen Kopf hatten sich zwei Wörter festgefressen. “Jonathan”. Und “Rache”. Guten Hunger!










