“Eine Lied von Eis, Feuer und Thuja” oder wie ich einmal an einem Wochenende die Welt rettete
Kalt und klar hatte der Tag gedämmert, mit einer Frische, die vom Ende des Sommers kündete, als sich unsere drei Helden an einem Freitag Morgen auf den Weg zur Uni nach Köln machten. Sie hießen Edwin das Pferd, Conrad der Falke und Paul von Tulpe.
Doch was war das? Auf einmal tauchte Erasmus der Dorfdruide auf und ließ Paul von Tulpe absitzen. “Lieber Freund”, sprach Erasmus, “ich habe einen wichtigen Auftrag für dich: König Bertram der Löwenritter hat seine goldene Tröte verlegt, die er an jedem Freitag dazu benutzt, um im ganzen Königreich das Wochenende auszurufen. Sei so gut und bringe sie ihm - sonst muss das Wochenende diese Woche ausfallen und alle Untertanen müssen weiter arbeiten.”
“Mhm”, dachte Paul von Tulpe so bei sich und sprach dann laut zu seinen Freunden: “Was meint ihr, eigentlich habe wir ja gleich schon um 08.00 Uhr unser wichtige Vorlesung in Entscheidungstheorie, aber auf der anderen Seite brauchen wir und auch das ganze Königreich natürlich das Wochenende.” “Puh, und wie” schnaubte Edwin das Pferd “die Woche war ganz schön hart.” “Aber das geht doch nicht”, krächzte Conrad der Falke dazwischen “wir können nicht den langen Umweg zum König nehmen, wir müssen doch zur Vorlesung!” Paul von Tulpe war sich unschlüssig, was er tun sollte...
“Halt, wartet meine Freunde!”, ertönte es da und Erasmus der Dorfdruide rannte auf sie zu. “Ich habe noch etwas, was ich euch mitgeben will.” “Was ist das?”, fragten die drei Freunde. “Es ist ein Busch Thuja, oder wie die alten Kelten es nannten: Lebensbaum. Ich habe ihn selbst in einer verlassenen Scheune am Dorfrand gezüchtet. Habt keine Angst, es ist vollkommen legal in unserem Königreich. Es wird euch noch von Nutzen sein auf eurer Mission.”
Es dauerte noch eine Weile, bis Conrad der Falke überzeugt war, aber dann machten sie sich endlich auf den Weg zum König. Die goldene Tröte hatten sie sicher an Edwins Sattel befestigt. Sie ritten lange Zeit über Stock und Stein durch das große Königreich und die Sonne hat schon fast ihren höchsten Stand erreicht.
Da Edwin das Pferd schon seinen Freund Paul von Tulpe und die goldene Tröte tragen musste, wollte auch Conrad der Falke sich nützlich machen und trug einen Zweig des Thujabuschs in seinen Fängen. Es war nicht viel, aber da er der Kleinste und Schwächste der Dreien war, wollte auch er seinen Beitrag leisten. Immer wieder flog er seinen Freunden voraus und schaute nach dem Weg.
Plötzlich, Paul von Tulpe und Erwin das Pferd waren schon müde vom weiten Weg, versperrten ihnen zwei böse Halunken von der Drachenbande den Weg. Edwin wurde so aus seinem Tagtraum von Haferbrei und Weizenbier gerissen, dass er sich ganz doll erschreckte und seinen Freund Paul von Tulpe aus dem Sattel warf. “Na, was haben wir denn da - eine goldene Tröte!”, sprach der eine Bösewicht. “Hehe, die wird bald unser sein und dann können wir an jedem Tag das Wochenende ausrufen, ganz wie es uns gefällt”, grunzte sein Kumpan. Paul von Tulpe war noch ganz benommen von seinem Sturz und Edwin das Pferd trat nervös von einem Huf auf den anderen. Eine blöde Situation war das jetzt. Doch was war das? Ein kleiner grauer Punkt erschien am Himmel. Er schien etwas Qualmendes zu tragen und kam falkenschell immer näher auf die Räuber zu...
Es gab einen lauten Knall! “So ein Feuerball, Junge”, stieß Edwin das Pferd verwundert aus. Die beiden Ganoven lagen in einem Meer aus Waffen und Rüstungen und stöhnten schwer. Conrad der Falke hatte seinen Teil des Thujabuschs hoch zur Sonne getragen, wo ihn die heißen Strahlen entzündet hatten. Mit ihm war er wieder zurück zu seinen Freunden geflogen und hatte das brennende Bündel genau zwischen die zwei Rabauken geworfen, wo es mit einem großen Knall explodiert war: Der Lebensbaum oder mehr sogar der Rauch hatte sie regelrecht umgehauen.
Die drei Freunden konnten daraufhin ihre Reise fortsetzen. Nach weiteren langen Stunden erreichten sie auch König Bertram von Löwenritter. Er war ihnen schon entgegen geritten, da sich der Tag bereits dem Ende neigte und er schon sehr bald das Wochenende einläuten musste. “Danke euch, edle Helden, ihr habt das Wochenende gerettet. Nun kann ich endlich meine königliche Pflicht tun und meine Untertanen ins wohlverdiente Wochenende entlassen”, sprach der König und dankte den Dreien überschwänglich. “Ihr habt dem Königreich einen großen Dienst erwiesen!”
Die Drei waren darüber sehr froh und auch ein kleines bisschen stolz. Conrad dem Falken fiel es dann aber plötzlich wieder ein: “Oh Gott, die Vorlesung! Wir haben sie ganz vergessen.” “Ach was”, entgegnete Edwin das Pferd, “die ist doch längst schon vorbei und außerdem wird König Bertram von Löwenritter jeden Moment sowieso das Wochenende einläuten.” Da erscholl auch schon die goldenen Tröte, die unsere drei Helden dem König gebracht haben. So setzten sie sich also nieder und Paul von Tulpe kramte aus seinem Rucksack die verbliebenen Äste Thuja hervor. “Und was machen wir jetzt damit”, fragte er seine Freunde. “Weiß nicht”, entgegnete Conrad das Pferd ,“fressen oder Bier draus brauen. “Wir könnten einen Tee draus kochen”, krächzte Conrad der Falke. “Nein, ich weiß etwas besseres: wenn es brennt, dann kann man es sicher doch auch rauchen, oder, was meint ihr?”, sagte Paul von Tulpe. So taten sie es dann auch und es wurde ein sehr sehr entspanntes Wochenende für die Drei.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann haben sie jetzt ihr Studium an den Nagel gehängt und mit Erasmus dem Dorfdruiden zusammen einen Internethandel für Thuja-Erzeugnisse aufgemacht und sich eine goldenen Nase damit verdient...