24.6.2020
Brennpunkt Favoriten
Ich sitze am Mittwoch Abend zuhause in der Wohnung im 10. Wiener Gemeindebezirk, nicht weit vom Hauptbahnhof und schaue fern. Über den Whatsapp Familienchat kommt eine Nachricht von meiner Schwester:
Wir wohnen ca. 15 Gehminuten von meiner Schwester entfernt und uns ist das Geräusch auch schon aufgefallen.
Wir spekulieren im Chat warum der Hubschrauber kreist. Ein Banküberfall vielleicht? Ein entflohener Häftling? Banken haben um 22 Uhr nicht mehr offen und es gibt kein Gefängnis in der Nähe. Wie findet man sowas raus?
Ich schaue zuerst auf orf.at, der Nachrichtenseite des österreichischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Da finde ich nichts. Dann google ich “Hubschrauber kreist Favoriten” und finde nichts sinnvolles. Überrascht mich eigentlich nicht.
Mein Freund sucht einstweilen auf der Website der Polizei Wien nach aktuellen Informationen und dann am Twitterkonto der Polizei.
Twittersuche ist eigentlich eine gute Idee, also suche ich mit “Hubschrauber kreist” und finde nur alte Meldungen. Mit dem Bezirksnamen dazu finde ich schließlich die Meldung eines Journalisten dass eine Demonstration von Kurden durch die faschistischen Graue Wölfe gestört wurde. Mit diesen Informationen und Hashtags finde ich dann einige Informationen zu den Vorfällen und bin zwar nicht beruhigt, weil Faschisten in meinem Bezirk Ärger machen. Aber ich weiß immerhin was da draußen passiert und kann das auch so der Familie weitererzählen.
Am nächsten Tag schreibt dann mein Bruder, dass es wieder Zwischenfälle gibt. Er sitzt im Spätdienst und beobachtet nebenbei was auf Twitter geschrieben wird. Diesmal wird das EKH, ein besetztes Haus, angegriffen. Es gibt wieder einen Hubschrauber und viele Sirenen.
Am Freitag findet eine Solidaritätsdemo statt, von Linken Gruppen organisiert. Das Theme wird mittlerweile in den Medien diskutiert man muss nicht mehr lange suchen, um zu erfahren was passiert. Wir besprechen im Familienchat nur, bestimmte Orte wie den Hauptbahnhof zu meiden, um nicht zwischen Demonstrationsfronten zu geraten.
Am Samstag gibt es die vorerst letzte angekündigten Solidaritätsdemo von linken Organisationen, angeführt von Frauen- und LGBTQ-Organisationen. Sie beginnt beginnt zu familienfreundlichen Zeiten um 18 Uhr keine 5 Minuten von meiner Wohnung entfernt. Meine Schwester berichtet den Beginn live im Familienchat.
(verenka)












