Ich habe einen Krieg gegen die Ameisen, welche sich durch mein Schlafzimmer eine Straße in die Küche gebaut haben, begonnen.
Und jetzt fühle ich mich doch kind of schlecht.
Da ich tagsüber unterwegs war habe ich die Straße in die Küche erst an einem Sonntagabend bemerkt. Und ich hab kurz überlegt ob ich die Ameisen einfach frei walten und schalten lasse - eigentlich habe ich keine Kapazitäten mich darum zu kümmern, Studium bumst nach wie vor und so etc. bla bla. Haben wir jetzt halt ein paar Haustiere. Mein Gott habe ich keine Lust auf Insektenbekämpfung. Aber so viele Insekten auf einmal überall sind dann ja doch nicht so geil.
Mit so wenig Motivation wie eh und je und um das ganze so wenig zeitintensiv wie möglich zu halten, nutzte ich also die Mittel, die ich in der WG fand.
Backpulver und nen Ameisenköder.
Die Backpulvermauer hat nicht wirklich was gebracht. Überraschung.
Der Köder? Ich las die Anleitung, und anscheinend funktioniert das Ding so, dass die Ameisen das giftige Zeug darin zu Ihrer Kolonie schleppen und damit den ganzen Stamm vergiften, der dann innerhalb einiger Tage stirbt. Grausam, aber bei der Wahl zwischen dem Wohl der kleinen Tierchen und der Aussicht, die kleinen Tierchen in meinem Bett zu haben wählte ich doch ein sauberes Bett.
(Ich bin heute morgen kurz davon aufgewacht, dass einzelne Ameisen auf mir und in meinem Bett rumgekrabbelt sind. Damals entschied ich, dass das nicht schlimm genug sei um gänzlich aufzuwachen und aufzustehen. Zugegeben, vielleicht hätte ich da schon handeln können, aber ein paar einzelne Verlaufene waren nicht so schlimm wie eine vierspurige Autobahn zum Kühlschrank.)
Der Ameisengemeinwohl gefährdene Plan, die Dinger mittels chemischer Waffen auszurotten wurde bereits in die Tat umgesetzt. Rücktritt ist zwar vielleicht noch möglich, aber was dann? Ameisen überall?
Schlecht fühlen tue ich mich trotzdem.
Ich erinnere mich daran, wie ich als Kind immer mit Ameisen gespielt habe - sie auf meiner Hand hab rumkrabbeln lassen und sie dabei beobachtet habe, einmal habe ich versucht einen Ameisenhaufen auszugraben um die Königen zu finden. Ich bin Einzelkind, ohne Geschwister sucht man sich halt seine Hobbys. Und seit dem einen mal 2c-b find ich Insekten irgendwie noch viel interessanter. Und jetzt töte ich einen ganzen Stamm?
In meinen Grübeleien über meine Tat schaute ich Ameisen auf Wikipedia nach. Und holy shit, dieser Wikipedia Artikel ist toll gemacht. Leute haben sich da Mühe gegeben. Der war so gut, dass ich mich etwas in der Diskussions-Seite verloren habe. Ich liebe sowas.
Ich habe sehr viel gelernt über Ameisen, davon wie so ein Staat funktioniert bis zur Wortherkunft? Warum auch immer die Wortherkunft zuallererst aufgeführt wird? aber ultra interessant?? Und Ameisen sind anscheinend eng mit Echten Wespen verwandt, was irgendwie total Sinn ergibt, wenn man so darüber nachdenkt? Nur ich hab noch nie darüber nachgedacht? Bis jetzt?
Naja und dann habe ich mich wieder schlecht gefühlt weil ich diese wundersamen Wesen vergifte. Und um mir nicht weiter den Kopf darüber zerbrechen zu müssen, ob meine Handlung moralisch war oder nicht, fragte ich das Internet, mich zu bewerten.
Glücklicherweise hatte sich Yvetti in einem Forum bezüglich der Ameisenhaltung schon einmal eine ähnliche Frage gestellt. Auf diese Forumsdiskussion konnte mich niemand vorbereiten. Mein Gott. Diese Diskussion hat irgendwie alles. Drama. Romantik aka. unangebrachtes Flirten. Tiefgreifende philosophische Erwägungen in Anbetracht der Debatte ob ein Lebewesen wirklich sterben kann. Ziemlich problematische Ansichten die ich nicht zu widerholen vermag. Es war ein Trip.
Naja. Jetzt liege hier und berichte anscheinend von meinen Erlebnissen auf Tumblr. Aber was solls. schauen wir mal, was wird mit den Ameisen.