Konterrevolution
In Ägypten wurde die Jasminrevolution gegen Hosni Mubarak im Februar mit einem Sieg des Volkes vollendet. Was wohl quer durch den Planeten durchgehend positive Reaktionen zuließ. Man freut sich doch, wenn das Volk am Ende siegt, oder? Auch wenn uns die Hintergründe, warum und wie es zu dieser Revolution kommen konnte, nicht ganz klar sind.
Monate später sieht es in Ägypten nicht besser aus. Der Tourismus – Haupteinnahmequelle Ägyptens – ging seit der Revolution um 40 % zurück. Klar, wenn man gelesen hat das Panzer vor den Hotels stehen, will der gemeine Medienkonsument da auch nicht mehr hin. Für die 450.000 vom Militär bereitgestellten Jobs, kamen bis zu 7 Millionen Bewerbungen. 26 von 82 Millionen Ägyptern sind berufstätig, bzw. wollen es sein. Warum das so ist? Keine Ahnung. Vielleicht dürfen die Frauen in Ägypten großteils zu Hause bleiben, ich weiß es nicht. Jedenfalls hofft also ein Viertel der Arbeitsfähigen Bevölkerung auf diese paar Jobs vom Militär. Zudem ist die Importabhängigkeit Ägyptens ein wirtschaftliches Problem. Schon zu Mubaraks Zeiten gab es ein Minus von 20 Milliarden pro Jahr, welches jetzt noch zu steigen droht.
Wie geht es in Ägypten weiter? So auf jeden Fall nicht. Meiner Meinung nach gibt es hier nur einen Ausweg. Wenn die Regierung nach einer Revolution nicht klappt, muss eine Konterrevolution her, ähnlich wie die bolschewistische Oktoberrevolution 1917, die die russische Übergangsregierung nach dem Sturz des Zarismus stürzte. Aber wie soll diese aussehen?
Ägypten bräuchte einen „Führer“. Ein Unwort, ich weiß. Aber es bräuchte jemanden, der einen Plan hat. Einen Plan, wie man das Land wirtschaftlich auf Vordermann bringen kann. Einen Plan, wie man die Arbeitslosigkeit gleichzeitig damit senken kann. Wie man das Land, das seit der Revolution stagniert, reformieren kann. Und dieser Führer müsste dann natürlich – ganz im Sinne der ersten Revolution – eine demokratische Lösung dafür finden. Dazu bräuchte Ägypten erstmal Wahlen. Dann noch den richtigen Kandidaten, der es aus der Krise führen kann. Und dann bräuchte dieser noch ein Konzept, um den Staat zu sanieren. Mit Staatssekretären, neuen Ministern und allen möglichen politischen Einrichtungen, neu besetzt.
Das dauert zu lange. Und meinem Wissen nach, wurden Wahlen immer geplant, aber nie umgesetzt. So lautet der nächste Termin: November. Aber Wahlkampf und Regierungsbildung mit anschließender Durchreformierung des Landes – das nimmt Zeit in Anspruch. Noch dazu, wenn internationales Interesse an diesem Staate besteht. Was bei einem Land, welches noch vor so kurzer Zeit auf den Kopf gestellt wurde, zweifellos der Fall wäre. Dieses lange Unterfangen würde möglicherweise die Rettung versprechen. Aber nur knapp.
Und so glaube ich, dass es fast besser wäre, wenn dieser potentielle Präsidentschaftskandidat – dieser Jemand, der eine Lösung hätte, eine Regierung bilden könnte und das Land sanieren könnte – die Macht SCHNELL übernehmen würde. Möglicherweise würde dies – anders als 1917 – sogar gewaltlos funktionieren. Über das Internet können sich in kürzester Zeit Bewegungen starten, wenn man das richtige Programm hat. Wenn das hinter dem Rücken der Regierung geschehen könnte, wäre ein Umbruch – gewissermaßen ein Putsch – möglich. Und das wäre doch viel effizienter.










