Jim #28 - Joggingkluft
Jemand legt mir sanft eine Hand auf die Schulter. Ich zucke zusammen und bin unfähig mich umzudrehen. Ich bleibe zitternd hocken. „Ich möchte dir nicht weh tun.“ Die Person steigt über einen Stuhl, tritt vor mich und ich starre auf eine Jogginghose. Sie geht in die Hocke und sieht mich an. Sie trägt einen grauen Kapuzenpulli, eine schwarze Jogginghose und abgetragene Sneakers. „Alles in Ordnung?“ Eine Ahnung, eine flüchtige Hoffnung kommt mir in den Sinn. War das alles nur ein Traum? Ein blöder, seltsamer Traum? Wäre ja auch ein bisschen albern gewesen. Diese ganze Geschichte mit dem Raumschiff. Vets, der Mann von der Tankstelle auf dem verlassenen Wüstenplaneten. Gradezu lachhaft. Und dann dieser seltsame Zollplanetoid. Ich sehe sie an und lächle. „Ja“, sage ich, „alles in Ordnung.“ Vorsichtig setze ich mich auf. Sehe mich um.
„AAH!“
„Was ist denn jetzt los?“, fragt sie. Wir stehen in einem staubbedeckten Raum, übersät mit von der Wand gerissenen Sitzbänken. Der Zollschalter an der Wand hat eine eingeschlagene Scheibe. Ich richte meinen Blick wieder auf die junge Frau. Mir fallen die weißen Apple-Kopfhörer auf. Sie sieht fast haargenau so aus wie die Frau aus der Commerzbank-Werbung. Gruselig.
„Wo bin ich?“, frage ich. „Hier.“ „Ich … ja. Kennst du dich hier aus?“ „Ja. Ich bin hier schon eine Weile.“ „Wo sind wir hier?“ „In der Halle mit den Stühlen.“ „Nein. Ich meine, wo steht das Gebäude, in dem wir sind?“ Ihre Miene wird nachdenklich. „Ich … weiß es nicht.“ antwortet sie zögernd. Sie wirkt ehrlich überrascht. Eine Weile schweigen wir. „Ich würde gerne hier raus kommen.“ sage ich dann. „Ja.“ antwortet sie geistesabwesend.
„Kannst du mir zeigen, wo ich herauskomme?“ füge ich hinzu, als keine weitere Reaktion kommt. „Wie? Oh. Natürlich.“ Wie selbstverständlich nimmt sie mich bei der Hand und führt mich in den Gang, aus dem ich meine gekommen zu sein. Wir durchqueren ein paar Hallen, und zweigen irgendwann von den Fußspuren im Staub ab. Mir fällt etwas ein. Ich schaue hinter uns und sehe zwei paar Spuren im Staub. Etwas erleichtert, auch wenn ich mir nicht sicher bin weswegen, wende ich mich wieder nach vorne. Wir stehen auf der Schwelle zu einem Treppenhaus. Meine Begleiterin deutet nach oben. „Weiter vorne ist die Treppe eingestürzt.“ Sie zieht mich zu halb offen stehenden Aufzugtüren. Sie schiebt sich hindurch und springt auf eine Leiter an der Seite. Nachdem sie ein Stück nach oben geklettert ist, folge ich.
Kurz darauf sind wir durch eine Luke aufs Dach der Baracken gelangt. Ich atme die kalte Luft und spüre eine beeindruckende Erleichterung. In einiger Entfernung sehe ich den Landplatz und unser Schiff. Hinter den Scheiben der Kommandobrücke meine ich Artur zu erkennen. Ich drehe mich zu meiner Retterin um. Sie ist verschwunden.
Genau im selben Moment drehen sich Jim und Vets an vollkommen anderen Orten nach der jungen Frau in Joggingkluft um und merken, dass sie alleine sind.
Als ich meinen Blick wieder auf das Raumschiff richte, ist auch es verschwunden. Auch die Baracken sind fort. Ich schaue an mir runter, doch auch ich bin nicht mehr da. Kein Körper, der den Blick in die Leere versperrt, in der sich das, was ich zu sein scheine, befindet.








