Jetzt ist es schon eine ganze Woche...
Die letzten Tage sind für mich wie im Flug vergangen. Ständig habe ich neue Sachen gelernt oder gesehen und dazu noch tausende (zumindest gefühlt) von Menschen kennengelernt! So war die Woche richtig cool, aber auch ziemlich anstrengend.
Jeden Morgen tippe ich die Besuchsprotokolle unserer Sozialarbeiter ab. Life Trust betreut insgesamt sechs Schulen und jede Schule hat mindestens einen Sozialarbeiter, der sich nochmal besonders um die Kinder kümmert, die Teil des Patenschaftsprojekts sind. Sie besuchen auch die Kinder zu Hause. Durch diese Protokolle bekomme ich also einen Einblick, wie die Kinder leben, was für Sorgen und Nöte sie haben und das ist einfach so anders als in Deutschland. Das Haus eines Patenkindes ist zum Beispiel zusammengebrochen in der Regenzeit, sodass die Großfamilie im Moment gemeinsam in einem kleinen Zimmer leben muss oder der eine Junge konnte in den vergangenen Tagen nicht in die Schule kommen, weil er vom Baum gefallen ist. Ein Mädchen kam nicht pünktlich zum Unterrichtsbeginn, weil ihre Mutter bereits früh morgens in die Stadt laufen musste, ein Weg von über einer Stunde, und nicht pünktlich zurückkam, sodass die Schülerin auf ihre kleinen Geschwister aufpassen musste. Allerdings dürfen die Kinder, die Teil des Programms sind, nur fünf Tage im Monat fehlen, ansonsten bekommen sie nicht die monatlichen Rationen, auf die viele Familien hier angewiesen sind. (All das sind nur Beispiele, die ich heute zu lesen bekommen habe) Generell lese ich andauernd, dass Kinder von 12 Jahren bereits Halb- oder Vollwaisen sind und stelle mal wieder fest, was für ein verdammtes Glück ich habe, in Deutschland aufgewachsen zu sein.
Jedoch nicht nur die Probleme der Sambier sind anders, sondern auch deren Kultur. So fragte eine deutsche Mitarbeiterin die sambischen Mitarbeiter, ob sie Lust hätten am Samstag an einem Ausflug teilzunehmen. Die Sambier drucksten ein bisschen rum, sodass sie meinte, es sei ok, wenn sie nicht mitkommen würden. Das half auch nichts bis einer der Sambier sich ein Herz fasste und meinte, es sei nur “OK” würde für sie bedeuten, dass es eigentlich nicht ok wäre, nicht mitzukommen. Würde sie allerdings sagen: es ist gut (engl: fine), nicht mitzukommen, würde sich deswegen keiner schlecht fühlen. Aber auf solch ein Missverständnis muss man erstmal kommen! Immerhin konnte es diesmal aufgeklärt werden und ich habe etwas für die nächsten Monate gelernt.
Auch meine Probleme haben sich hier verändert. Im Moment habe ich vor allem drei davon. Das erste ist, nicht schon um 21 Uhr todmüde in mein Bett zu fallen. Das zweite ist schon etwas gravierender, denn im Moment zieht sich eine riesige Ameisenstraße durch unsere Küche, die wir einfach nicht loswerden. Und das dritte Problem ist, dass unser Wasserfilter scheinbar kaputt ist und unserer Trinkwasser nun nach Gulli riecht. Ich bin mir sicher, solche Probleme hätte ich in Deutschland nicht, aber gut, da hätte ich auch keine frische, selbstgepflückte Maracuja zum Frühstück ;)
Und da das hier nun ein ziemlich ernster Blogeintrag war, noch etwas Aufheiterung:
Das ist Mogli. Eine der Katzen, die hier leben. Auf dem Bild ist er gerade durch mein Bürofenster reingesprungen um mal etwas Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten zu bekommen. Ich muss gestehen: Ich bin ziemlich verliebt in den kleinen Kerl! (Allerdings ist er im Moment unauffindbar und wir befürchten, dass er abgehauen ist. Dieser Umstand bekümmert vor allem unsere zwei männlichen Kurzzeitler, die ihr “Baby” vermissen…)
Bis bald,
Eure Lara













