Camping-Ausflug (mit Hindernissen)
Auch in Sambia ist der 1. Mai ein Feiertag und da ich gerne mal etwas anderes als Kabwe sehen wollte, überzeugte ich Laura, Johanna und Jakob (meine KollegInnen und MitbewohnerInnen) einen Kurztrip zu machen. So langsam bekomme ich hier nämlich noch einen Lagerkoller! Nach kurzer Überlegung am vergangenen Donnerstag beschlossen wir von Samstag bis Dienstag am Mulungushi Damm campen zu gehen. Das ist ca 60km entfernt, da die Straße dahin jedoch nicht befestigt und noch dazu voller Schlaglöcher ist, braucht man knapp 2 Stunden mit dem Auto.
Also riefen wir dort mal an, um anzufragen ob Platz sei, erreichten jedoch niemanden... Egal, dachten wir, und kauften freitags voller Vorfreude unser Essen ein, bestellten das Taxi für den nächsten Tag und bereiteten alles vor. Noch während dem Einkaufen wurde mir furchtbar schlecht, aber ich dachte, ich geh einfach früh schlafen und dann wird das schon. Es wurde nicht! Stattdessen war mir den ganzen Samstag über sterbenselend. Zusätzlich sagte der Taxifahrer ab, da sein Auto in die Werkstatt musste. Der Tiefpunkt der Stimmung war erreicht. Schließlich entschieden wir uns den nächsten Morgen abzuwarten und dann aufs Neue zu entscheiden, ob wir dennoch losfahren wollten. Ich hatte wirklich schlechte Laune und zum ersten Mal war mir hier in Sambia zum Heulen...
Glücklicherweise, und wie der Titel schon vermuten lässt, ging es mit Sonntag wieder gut und wir fuhren los! (Unglaubliches Dankeschön an Gott dafür!!!!) Ich glaube, das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens! Wir kamen durchgeschwitzt und staubig am Mulungushi Damm an und uns empfing eine Ruhe, wie ich sie noch nie gespürt habe. Tief und endlos... Zu unserer großen Freude waren wir die einzigen Camper, sodass wir uns ausbreiten konnten. Also fingen wir an unser erstes Zelt aufzustellen. Zu unsrer großen Überraschung stellten wir fest, dass die Zelttasche nur ein Unterzelt enthielt und ein paar Stangen, jedoch weder Heringe noch ein Überzelt, noch einen Hammer. (Und ich dachte ich wäre mit Camping-Profis unterwegs, da meine drei Begleiter bei den Royal Rangern sind...) Zusätzlich war es an dem See auch noch ziemlich windig, Heringe waren also wirklich nötig! Das mit dem Unterzelt war nicht so problematisch, da wir ein Tarp dabei hatten, dass wir über unser Zelt spannen konnten und in dem unsere Taschen und das Essen gelagert werden sollte. Um dieses Ding aber aufzuspannen benötig man definitiv mehr als die 5 Heringe, die es in der dazugehörigen Heringtasche zu finden gab... Nun gut, Not macht erfinderisch, sodass wir am Ende eine Gabel als Hering nutzen, die anderen 5 strategisch auf das Tarp und das Zelt aufteilten und uns ein netter Mitarbeiter noch einen Hering aus dickem Draht schlug! Den Rest befestigten wir mit schweren Steinen. Der Running-Gag Gabel, der uns über das restliche Wochenende begleitete, war geboren! (Vor allem da wir in unserer Wohnung gerade unter einer aktiven Gabel-Not leiden...)
Danach machten wir uns ans zweite Zelt, nur um festzustellen, dass dieses lediglich ein Überzelt war (ebenfalls ohne Heringe)! So musst Jakob also im Eingang, unter dem Tarp, unseres einen Zeltes schlafen. Immerhin hatten wir für ihn noch ein Moskitonetz dabei, denn in Sambia gibt es durchaus Malaria...
Dann ging es erstmal zum Pool! In dem See kann man nicht schwimmen, da es Gerüchte gibt, dass er voller Parasiten sei, die böse krank machen können. Ach ja, und voller Krokodile soll er auch noch sein! Aber 2m weit vom Ufer weg zu campen, ist völlig in Ordnung... Über diese Logik wollte ich lieber nicht weiter nachdenken.
Abends kam Jakob dann auch endlich an, denn er war die Strecke mit dem Fahrrad gefahren. Meiner Meinung nach eine ziemlich mutige Tat, da die Strecke nicht nur weit, staubig und heiß ist, sondern unsere Fahrräder auch alle ziemlich schrottig sind! Wir haben 5 Fahrräder, von denen insgesamt jedoch nur 1,5 fahrtüchtig sind... Bei dem einen springt immer die Kette raus, das andere verliert immer ein Pedal und und und... So kam Jakob auch nicht nach 4 Stunden, sondern erst nach 6 Stunden und zahlreicher Zwischenstopps, da er die Mutter an der Pedale immer wieder nachziehen musste, ziemlich fertig an. Wir hatten uns wirklich schon Sorgen gemacht!
Nachdem wir dann über dem Feuer gekocht hatten, nicht ohne den kurzen Schreckmoment zu haben, ob wir überhaupt ein Feuerzeug dabei hätten, denn Strom gibt es dort nicht, und die Sterne beobachtet hatten und uns die erste hundert Male zugesichert hatten, wie schön es doch hier wäre, gingen wir ins Bett, nur um festzustellen, dass die Zeltklappe ebenfalls kaputt ist! Wie gesagt, man muss sich wirklich vor Moskitos schützen, sodass wir schließlich einen Kitenge vor unseren Eingang hängten. Zum Glück wurden wir wirklich nicht viel gestochen in den beiden Nächten. (Auch dafür ein dickes Danke an Gott!)
Mein Aufwachen am nächsten Morgen war zwar früh, aber wunderschön! Der Ausblick aus unserem Zelt war atemraubend und das Vogelgezwitscher einfach grandios. Schließlich setzte ich mich mit meiner Bibel an den See, konnte jedoch kaum lesen oder auch nur beten, da ich von der mich umgebenden Schönheit einfach nur eingenommen war und Gott nur stumm anbeten konnte.
Irgendwann, nachdem unsere beiden Langschläfer endlich wach geworden waren, brachen wir auf, um auf ein paar Felsen zu klettern von denen man den See überblicken konnte. Wir folgten also einem Trampelpfad am Ufer des Sees entlang. Plötzlich sah ich Laura mit winkenden Armen auf mich zu rennen! Sie schrie nur: “Krokodil, Krokodil, Krokodil!”, und rannte an mir vorbei. Sie hatte sich hinter einem Busch am Seeufer hingehockt, um Pippi zu machen, und da wäre ein Krokodil von nicht bestimmbarer Größe vor ihr aufgetaucht (so zwischen 1m und 2m) und sie wäre nur noch gerannt!! Die Geschichte mit den Krokodilen ist also doch nicht an den Haaren herbeigezogen, wie ich gehofft hatte... Allerdings haben wir anderen (leider) keins gesehen.
Und so ging es weiter. Es war zwar ziemlich warm und sonnig, aber durch den steten Wind war es trotzdem sehr angenehm. Schließlich erreichten wir die Felsformation und fingen an hoch zu klettern. Oben konnte man wunderbar weit sehen und der Fels fiel bestimmt fast 15m in die Tiefe in den See. Es war grandios!
Zu unser aller Glück hatten wir reichlich Proviant dabei, denn wir essen alle gerne und gut. So setzten wir uns unter einen Baum, der zwischen zwei Felsen wuchs und fühlten uns etwas wie Jona unter seinem Baum, nur dass wir zum Glück nicht einer Stadt sagen mussten, dass sie bald vernichtet wird. Auch unter dem Baum fielen die Felsen recht steil hinab mit der Folge, dass uns unsere Wasserflasche runterfiel. Keiner von uns machte jedoch Anstalten sie wieder hochzuholen... Das nächste Opfer war unsere Chipstüte. Als diese jedoch fiel, bewegten wir uns alle super schnell und konnten sie so samt Inhalt retten! Man sieht jedoch klar, wo unsere Prioritäten beim Essen liegen. Unser letztes Opfer war ein Messer. Es fiel direkt in eine schmale Felsspalte. Johanna und ich versuchten bestimmt 15min es wieder herauszubekommen, indem wir uns kopfüber in den Spalt zwängten, schafften es jedoch nicht. Schließlich kam Laura. Auch se tauchte in die Spalte und schaffte es das Messer zu erreichen, war deswegen jedoch so tief drin, dass sie nicht mehr raus kam und nun festklemmte! Daraufhin musste sie und wir so sehr lachen, dass es für sie um die Brust immer enger wurde, so das wir sie erst rausziehen konnten, als Laura sich endlich beruhigt hatte.
Auch der Rückweg war ereignisreich, denn Jakob sprang mitten in ein Ameisennest. Die Viecher waren ziemlich bissig und krochen in seine Schuhe und in seine Hose und verbissen sich in seiner Haut. Es sah zwar von außen recht komisch aus, doch er hatte unser volles Mitleid. ich glaube, er hat sogar kurzzeitig überlegt einfach in den See zu springen, und das trotz Krokodile, nur um die Biester wieder los zu werden.
Schließlich kamen wir wieder heil am Campingplatz an und ließen den Rest des Tages entspannt an uns vorbeiziehen. Abends gab es noch großes Kino, und wir hatten tatsächlich Popcorn, denn wir konnten einen Mondaufgang über dem See beobachten! Ich habe selten etwas schöneres gesehen...
Der nächste Morgen war unser letzter Morgen am Mulungushi Damm. Das stimmte uns alle etwas traurig. Um uns etwas aufzuheitern machten wir uns deshalb eine Dose Baked Beans zu Frühstück auf! Anschließend packten wir alles wieder ein. Das ging wesentlich schneller als der Aufbau.
Da wir auch noch was unternehmen wollten und den See auch mal von einer anderen Seite sehen wollten, beschlossen wir das Kanu zu nehmen, das am Ufer rumlag. Wir fragten also die Madame des Campingplatzes, ob sie Paddel für uns hätte. Und tatsächlich meinte sie, sie hätte eins und gab uns ein etwa 0,5m langes Paddel! Viel zu kurz und viel zu wenig um anständig steuern zu können, vor allem in Anbetracht dessen, dass wir uns zu viert in ein Dreierkanu reinquetschen. Aus irgendwelchen Gründen endete ich auf dem hintersten Platz und hatte damit die Ehre lenken zu müssen. Eine undankbare und unerfüllbare Aufgabe. Dank des Tiefgang unseres überfüllten Kanus und der Wellen lief ziemlich viel Wasser in unser Kanu, sodass dieser Ausflug recht schnell vorbei war. Lustig war es trotzdem!
Jakob hatte zwar keine Lust, musste anschließend aber los, da er ja das Fahrrad hatte. Wir anderen hatten noch knapp 2h bis unser Taxi uns abholen kam. Viel zu spät merkten wir, dass uns Jakob versucht hatte anzurufen, denn die Mutter, die vorher schon lose war, war jetzt vollends abgefallen. So lasen wir Jakob 2h nach seinem Aufbruch keine 10km weit weg auf dem Weg auf. Unser Taxifahrer band sein Fahrrad aufs Dach.
Schließlich kamen wir stinkend, fertig aber glücklich und entspannt wieder in Kabwe an und versprachen uns so bald wie möglich wieder dahin zu fahren... Also vielleicht hört ihr bald noch mehr Stories vom Mulungushi Damm ;)
Bis bald,
Eure Lara









