Mumin, wie wird’s weiter gehen?
Hier ist das perfekte Bilderbuch - originell, surreal, unberechenbar, ein grafisch wie textlicher Hochgenuss, klassisch und dennoch zeitlos in der Gestaltung. Vor allem aber zeugt es von großer Freude, Lust und Leidenschaft im Umgang mit erzählerischen Stilmitteln.
Der große Spaß, den dieses feuerrote Buch kleinen und großen Lesern bereitet, beginnt bereits mit dem Titelbild. Bisher bin ich keinem Buchcover begegnet, das eine größere Anziehungskraft auf mich ausübt als dieses hier. Das leuchtende Rot, der Titel, der in fetten gelben Lettern plakativ über dem Cover prangt, der Fokus auf das große Die-Cut-Guckloch, hinter dem sich die plastische Tiefe der Illustrationen erahnen lässt, mit denen Tove Jansson ihrer Geschichte diesen ganz besonderen, unvergesslichen Zauber verleiht – es wirkt wie ein Versprechen auf ein großes spannendes Abenteuer, das einen im Inneren des Buches erwartet. Und es hält, was es verspricht. Die originelle Idee, Die-Cuts in die Erzählung mit einzubinden, zieht sich durch das gesamte Werk. Dabei fungieren sie als eine Art geheimnisvolles Fenster, das nicht nur einen Blick auf Ausschnitte der vorangegangenen sowie nachfolgenden Geschehnisse gewährt. Zusätzlich führen sie den Leser an manchen Stellen absichtlich in die Irre, indem sie Mumin die Illusion vom Ende ihrer phantastischer Odyssee durch surreale Landschaften und gespenstische Phantasiewelten vorgaukeln. So entpuppt sich bereits zu Beginn der Geschichte das vermeintliche Dach Mumins Elternhauses als der Haarschopf ihrer Freundin Mymble, die auf der Suche nach ihrer verlorenen Schwester My Mumins Weg kreuzt. Zum Glück begegnen beide im Laufe der Geschichte einer Handvoll skuriler, schrulliger Kreaturen, die neben Angst und Schrecken auch jede Menge nützlicher Hinweise verbreiten, die Mumin und Mymble schließlich ans Ziel ihrer Reise führen.
Tove Jansson ist die Mutter der weltweit bekannten Mumins. Mittlerweile tummeln sich die liebenswerten Dickerchen nicht nur auf Buch -und Magazinseiten, sondern auch vermehrt auf Tassen, Tellern und Untersetzern, die nur einen winzigen Teil des riesigen Merchendise-Imperiums ausmachen, das sich im Laufe der Jahre aus den Geschichten um die drolligen Figuren der 2001 verstorbenen Finnin erhoben hat. Um so erfreulicher ist dieses wunderschöne und verzaubernde Machwerk, das direkt aus der Mitte des Mumin-Tals entsprungen zu sein scheint. Dort wo die Welt der kindlich-naiven Trolle noch in Ordnung ist und Janssons unerschütterliche Liebe für ihre Figuren in Form von fröhlichen, originellen und phantasievollen Abenteuern zum Tragen kommt. Die gereimten Texte und Janssons typischer minimalistischer Zeichenstil, mit dem es ihr mühelos gelingt, die unterschiedlichsten Gemütslagen und Sehnsüchte abzubilden, runden dieses einzigartige Vorlesevergnügen perfekt ab. Ein wunderbar verschrobenes Buch, das den unverkennbaren Charme der finnischen Künstlerin hoffentlich über Generationen hinweg erlebbar machen wird. Es ist eines, wenn nicht sogar das schönste Bilderbuch, dem ich jemals begegnet bin.
Mimzys Altersempfehlung: 4-7 Jahre
Zum Leipziger Kinderbuchverlag
Zur Webseite von Tove Jansson
Zur Moomin Webseite
Mumin, wie wird’s weiter gehen? von Tove Jansson
Erschienen im Leipziger Kinderbuchverlag
ISNB: 3896031562