Der Papa hat‘s kaputtgemacht
Bald ist Weihnachten. Wir beschließen der Vierjährigen ein Musikabspielgerät für ihr Zimmer zu schenken. Aber was genau ist ein „Musikabspielgerät“ für eine Vierjährige heute? CD-Player gehen schnell kaputt, MP3-Player haben keine kindertaugliche Menüführung und die knallbunten Kinderkassettenrekorder vergangener Zeiten haben zwar moderne Nachfahren, die sind aber immer noch hässlich unbrauchbar. Wir haben fünf Kinder – wir haben schon viel ausprobiert. Also beschließen wir, ein abgelegtes Smartphone der älteren Schwester mit einer kindertauglichen App zu versehen und alle anderen Funktionen zu sperren.
Die Kleine bekommt also eine Bluetoothbox zu Weihnachten und das Versprechen, das „Musikhandy“ passend zu installieren. Am ersten Weihnachtsfeiertag liegt sie uns schon morgens in den Ohren, wann das Musikhandy endlich bereit sei, sie möchte jetzt Musik in ihrem Zimmer hören.
Gegen Mittag sind wir weichgekocht, das Handy ist aufgeladen, auf Werkseinstellungen zurückgesetzt und die dritte Musikapp für Kinder ist installiert (parallel dazu wurde ein festliches Mittagessen gekocht, serviert, aufgegessen und abgespült, verschiedene Geschenke anderer Kinder in Betrieb genommen und bewundert). Am Nachmittag drückt sie sich (unterbrochen von unseren Ermahnungen es handle sich um ein MUSIK-Handy) durch alle Menüs am Handy, sucht auf YouTube, möchte Pokémon und Minecraft installiert haben und spielt Dragonfly. Sie trägt das Smartphone ununterbrochen durchs Haus und freut sich, dass sie jetzt auch eines hat.
Am Abend komme ich endlich dazu, eine Kinderschutzsoftware zu installieren und ein bisschen passende Musik aufzuspielen. Nun kann sie nur noch die Musikapp starten. Sie probiert etwas daran herum, lässt das Handy am Sofa zurück und berichtet enttäuscht den Geschwistern: „Der Papa hat’s kaputtgemacht“.