15. Januar 2019
Dial M for Maler(arbeiten)
Nach etwa einem Vierteljahrhundert hat der Handmixer aus der Technik-Kollektion eines bekannten Kaffeerösters seinen Dienst eingestellt. Das heißt, noch tut er, aber es knarzt und kracht verdächtig, und beim leichten Schütteln machen klappernde Geräusche klar, dass da Einzelteile im Gehäuse unterwegs sind. Ein neues Handrührgerät wird gebraucht.
Das erstehe ich zwischendurch in einem Kaufhaus, wähle das zweitbilligste Modell (es muss ja besser sein als das billigste, außerdem ist es in Europa gefertigt und trägt den Namen einer traditionsreichen deutschen Elektromarke) und nehme es noch am gleichen Abend in Betrieb. Natürlich ohne die Gebrauchsanleitung durchzulesen – hey, es ist ein Mixer, keine Mondrakete.
Als ich eine ziemlich flüssige Mischung aus Ei und Sahne schlage, komme ich dann nur knapp an einer mittleren Katastrophe vorbei. Der Mixer hat, wie es sich gehört, verschiedene Drehzahlen für die Rührquirle, die auch intuitiv erfassbar mit 1 bis 5 am Schalter markiert sind (Foto oben). Und die Stellung 0, in der das Gerät stillsteht.
Wenn man von größter Schlagkraft auf Stufe 5, ganz rechts, den Schalter Richtung Stufe 0, also aus, nach links schiebt – gelangt man, so man nicht fürchterlich aufpasst, über die 0 hinaus auf die mit M markierten Einstellung. Und die ist, ganz gegen alle Intuition, nicht etwa weniger als 0. Sondern im Gegenteil der Turbo für die Rührquirle.
Nun ja, es steht auch in der Gebrauchsanweisung:
Momentschaltung! Höchste Drehzahl! Und auf der landet man nicht etwa nach der Stellung für die dauerhaft höchste Drehzahl. Sondern gerne beim Ausschalten.
Ich hatte schlicht Glück. Sonst hätte ich, flüssiges Ei klebt gut, nach Nutzung auf Stufe M schon mal die Malerarbeiten für die Küche in Auftrag geben können. Das Design des User Interface scheint bei so kleinen Küchengeräten noch verbesserungswürdig.
(Thomas Wiegold)










