Abgemessene Gefühle und ausgesetzte Sätze
Ich trete vor die Tür und lande in einem herrlichen Frühlingsmorgen. Klare, kühle Luft. Die Sonne verspricht, dass es ein warmer Tag werden wird. Auch wenn ich wegen der Trockenheit auf mehr Regentage in den nächsten Wochen hoffe, bin ich für einige sonnige Tage dankbar.
Das Licht des Tages fällt auf vergangenes Leben: Es ist Sperrmülltag im Viertel. An den Ecken sammelt sich Wunderliches und Abgelegtes.
Während ich auf einer verkehrsumtosten Insel in der Mitte einer der Einfallstraßen Kölns strande und dem Schwenken des Krans zusehe, denke ich an Notre-Dame de Paris. Mich hatte das gewaltige Feuer wie so viele bestürzt.
Bestürzend fand ich auch Reaktionen darauf, die relativierten, skandalisierten, sich über jede Regung erhoben, anderen ihre Gefühle, ihr Mitgefühl absprachen. Als seien Gefühle endlich und man müsse sie sich einteilen. Als gäbe es nur zwei, drei Schattierungen von Gefühlen und als sei Mitgefühl gegeneinander aufwiegbar. Was nur möglich ist, wenn man es sorgfältig misst. Wozu sich so mancher offenbar berufen fühlt. Nun ja. Hin und wieder ist es ganz heilsam, sich anderen fremd zu fühlen und die eigene Gefühlslage zu klären. Mir tut es leid um dieses alte und schöne Gebäude, mit dem sich viele historische Ereignisse verbinden und das seit Jahrhunderten die Silhouette von Paris prägt. Und mir teilte sich die Trauer und der Schock der Menschen in Paris mit, die sich um ihre Kathedrale versammelten und sangen.
1980 brannte die Agneskirche. Damals lebte ich noch nicht in Köln. Der Brand entstand übrigens auch bei Renovierungsarbeiten. Seit langen Jahren lebe ich nun unweit der schönen Frau Agnes, die gütig über das nach ihr benannte Agnesviertel zu wachen scheint. Mir bräche es das Herz, sie in Flammen zu sehen.
Am Anleger strömt in aller Ruhe Vater Rhein auf seinem Weg in die Nordsee vorüber. Heute hätte ich große Lust, ihn auf diesem Weg mit dem Rad zu begleiten.















