Macht und Zerfall. Und Hoffnung. Notizen vom 17. Januar 2019
Miau. Miau! Wie ein Mäusebussard maunzend verkündet der Kran, dass er sich bewegen wird. Er ragt über dem Ökomarkt auf, der jeden Donnerstag vor der Agneskirche stattfindet. Die bunt gestreiften Marktstände heben zuverlässig meine Laune. Freundliche Menschen, leckeres Gemüse aus artgerechter Haltung und Ernte quasi in der Nachbarschaft.
Aus dem Büdchen duftet es nach Kaffee.
Der Anleger ist inzwischen auf derselben Höhe wie das Ufer. Vater Rhein fläzt sich in seinem breiten Bett. Im silbrigen Licht des Morgens schimmert er wie Quecksilber.
Die Stadt gleicht einem Scherenschnitt. Hin und wieder frage ich mich, wie der Anblick der großen Kirchen damals auf die Menschen gewirkt haben muss, die Köln bereisten. Sieht man alte Stadtbilder, wird einem bewusst, was es für mächtige Bauten sind. Manifestationen der Macht. Einstmaliger Macht.
An der Hundewiese ragen nur die Bäume in den Himmel. Die Wiese selbst ist momentan offenbar zu matschig. Nun ja, zumindest den Inhabern der Hunde. Unterwegs treffe ich auf den strubbeligen Widerborst von vorgestern, der einen anderen Teil seiner Herrschaft an der Nase herum-, ähem, ausführt.
Meine alte Bekannte, die Bobtailhündin, stellt sich in Begleitung eines hübschen braunen Terriers und eines lustigen kleinen Irgendwas an der Bordsteinkante auf, um gemeinsam auf ein Zeichen der Inhaberinnen die Straßen zu überqueren. Vorbildlich.
Das Grünflächenamt macht schon Frühjahrsputz. Obendrüber quert ein lauthals zilpendes Geschwader grüner Halsbandsittiche den Himmel überm Park.
Wo ist die Katze? Die Katze mit Partyhut? Aluhut? Hm.
Auf meinem Weg ins Heimbüro komme ich an vielen Fahrrädern vorbei. Nicht wenige davon mit Plattfuß. Ungeliebt. Unumkümmert. So fängt es an. Dann fehlt der Sattel. Das Vorderrad. Am Ende bleiben gefledderte Leichenteile zurück.
Die Stiefmütterchen lassen die Ohren hängen.
Zwischen Melancholie, Macht und Hoffnung. Dazu passt vielleicht auch dieses Stück* des Cellisten Jamal Aliyev in der #plattensammlung, in der wir diese Woche dem Cello huldigen. Und ein Zitat aus einem meiner Lieblingsbücher, dem Grafen von Monte Christo von Alexandre Dumas: Alle menschliche Weisheit liegt in den zwei Worten »Harren und Hoffen!« * Mit Dank an Eine, die mir den Namen des Herrn drüben bei Twitter zuspielte.












