@poetry-waves ich möchte deine Euphorie ungern dämpfen aber Johann hießen zu der Zeit so viel Männer, dass es (stelle ich mir jedenfalls vor) beinahe jede Bedeutung verloren hatte. Ich glaube die allerwenigsten, die Johann als einen ihrer Vornamen hatten (da hatte man ja in aller Regel mindestens zwei oder drei), hatten den auch als Rufnamen.
Schillers Rufname war ja bekanntlich Friedrich oder, in seiner Familie, also bei seinen Eltern und Schwestern, auch Fritz. Bei Goethe war der Rufname meiner Meinung nach Wolfgang, das habe ich auf jeden Fall mal irgendwo gelesen. Gesehen habe ich ehrlich gesagt noch nie ein Dokument, in dem er bei irgendeinen Rufnamen genannt wird. — Außer die Briefe von seiner Mama, wo sie ihn Hätschelhans nennt. 🙃 (Kein Witz, und das hat sie noch gemacht als Goethe wirklich, wirklich schon sehr erwachsen war...) (und was ja zugegebenermaßen dann doch wieder eher eine Koseform von Johann wäre...)
Damals war es aber einfach extrem üblich, als Mann mit seinem Nachnamen angeredet zu werden, selbst von engen Freunden und selbst von der eigenen Ehefrau. Ob das eher eine Sache der Oberschicht war oder in allen Gesellschaftsschichten so war, weiß ich gar nicht — aber die Schillers (also Schillers Eltern etc.) waren ja zumindest eine Zeit lang recht arm und nun nicht unbedingt in der Oberschicht unterwegs, wenn sie auch nicht direkt Bauern oder Arbeiter oder so waren. Ein bisschen ist das ja aber heute auch noch so. Also wenn ich mal an meine Schulzeit zurückdenke, waren es ja insbesondere (oder ausschließlich) Jungs, die nur oder oft bei ihrem Nachnamen genannt wurden und davon gab es schon ein paar. Und früher scheint das einfach der Normalfall gewesen zu sein. Nach allem was ich weiß, haben auf jeden Fall sowohl Christiane als auch Charlotte ihre Männer in allen Dokumenten und Briefen etc. tatsächlich "Goethe" und "Schiller" genannt. Außer halt wenn sie Kosenamen wie "mein Liebster" oder was einem nicht alles einfällt benutzt haben. Auch die Briefe an sie wurden von den Herrschaften immer mit G. oder Sch. o.ä. unterschrieben. Möglich, dass es im stillen Kämmerlein doch noch anders war, aber warum sollte man das dann in privaten Briefen anders handhaben? (Was es allerdings gibt, ist ein Brief aus der frühen Zeit ihrer Beziehung, wo Charlotte an Schiller schreibt, dass ihr die Vorstellung ihn Fritz zu nennen ganz lächerlich vorkommt. Ich glaube das bezog sich aber in erster Linie auf Fritz vs. Friedrich bzw. auf den Namen Fritz an sich (rude))
Alles in allem waren also männliche Vornamen im Alltag allgemein sehr rar, insbesondere wenn es Johann war und so möchte ich fast bezweifeln, dass Goethe und Schiller auch nur ein einziges Mal über ihre Namenspatenschaft gesprochen haben. Aber... wer weiß es!!
















