Abschied vom Baren/ Kreuzung
Nächste Woche, am 17.06. findet ein kleiner Workshop statt, der Teil eines internationalen Projektes ist und von einer kleinen internationalen Forschungsgruppe organisiert wird. Thema sind Kreuzungen brasilianischer und deutscher Rechtstheorie, die sich mit Rhetorik und 'rhetoriCalITY' befasst. Rhetoricality ist ein leicht monströses Wort, John Bender und David Wellbery haben das Wort erfunden, um etwas zu beschreiben, was seinen Tod und seine Wiederauferstehung hinter sich hat. Eine Rhetorik, die auf jeden Fall geistert, auch wenn sie nicht immer begeistert oder aber eine Rhetorik, in der Technik und Nachleben der Antike entweder Hand-in-Hand gehen oder aber von Tor zu Tor und von Tür zu Tür gehen, so verstehe ich das. Das ist abstrakt, aber im Bildrecht, besser gesagt in Bildregeln kann man das detailliert beobachten anhand der Technik, die mit dem Begiff decorum assoziiert wird.
Eine Intersection ist eine Kreuzung und eine Kreuzung ist eine Kontrafaktur, das spielt eine Rolle, wenn Regeln und Fiktionen Hand-in-Hand gehen. Mit Worten der Rhetorik gesagt simuliert und dissimuliert die Kreuzung etwas. Sie wird simuliert und dissimuliert. Alles, was daran zu Form, Format oder Formel wird, hat Eigenschaften einer Pathosformel, soweit dann die Form zügig (ein Zug) ist, durch den Aktivität und Passivität verkehren könne. In dem Vokabular einer zeitgenössischen Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken ist die Kreuzung eine Verkettung. Vismann, die solche Verkettungen in Hinsicht auf das Begehren sowie ein fünffaches Modell ziemlich gründlicher Linien analysiert und kritisiert hat und dann noch Institutionen und Substitutionen bezogen hat, hat die Verkettung sowohl rechtlich/ richtend/ regelnd/ reihend/ reisend als auch beweglich/ regend/ reichend/ reizend gedacht. Das ist schon unbeständig gedacht. Noch ausgefeilter werden die Überlegungen, wenn man sie mit Aby Warburgs Bild- und Rechtswissenschaft vergleicht, der an dem Recht und den Bildern interessiert ist, durch die ein Begehren, Verkehren und Verzehren geht. Zur Unbeständigkeit entwickelt er präzise vague Assoziationen und eine präzise Geschichte und Theorie der Polarität, deren Komplexität dem Geist der Kosmopolitik Rechnung trägt. Verkettungen sind, im Vokabular der Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechnik Trennung, Assoziation und Austauschmanöver (so wie im Vokabular der Systemtheorie Kommunikation Variation/ Selektion und Retention sein soll, denn es ist fraglich, wie anders eigentlich dieses Vokabular ist). Die Verkettung ist bewegt und bewegend.
2.
Der Workshop ist verkettet und wird verkettet. Der homo rhetoricus ist und wird mit dem homo digitalis verkettet. Abschied vom Baren, gestern sprach unser Doktorand Valerian Klein über seine Dissertation, die vom Buchgeld und der Digitalisierung handetl. Dieses Thema von Valerian Klein hat durch Verkettung, und nur durch Verkettung, mit Abschied von Gestern von Alexander Kluge zu tun, dem Film der weitgehend 300 Meter von der oben im Bild sich abspielenden Kreuzung entfernt, an der Kreuzung der Blanchardstraße und der Georg-Speyer-Straße gedreht wurde, also exakt da, wo Walter Benjamin einmal kurz wohnte, weil er die Schnapsidee hatte, die Institutionen würden einen wie ihn schlucken und das wäre dann kein Verschlucken, sondern eine stabile Festanstellung. Die schlimmsten Texte von Walter Benjamin kamen dabei heraus, wie etwa Kritik der Gewalt. Schlimm, weil pressiert, ein durch und durch durchgedrückter Text. Wenn das die Wahrheit ist, dann ist die Welt schlimm, kann natürlich sein. Muss das so sein?
An der Kreuzung, 300 Meter von derjenige, die sich oben im Bild abspielt, da wohnte einer von Hans Blumenbergs Lehrern, der später Märtyrer Johannes Prassek, noch so ein Johannes. Auf die Kreuzung schaue ich jeden Tag, da wohne ich und gehe immer mit Moses rüber, wenn wir Gassi (ladinho, kleines Lädchen) machen. Abschied von Gestern, Abschied vom Baren - das behaupten die Leute so.
Wenn in der Technik aber Antike nachlebt, wenn der homo rhetoricus mitten in der Moderne noch nie modern gewesen ist und wenn der homo digitalis das aktuelle Beispiel für ein Subjekt ist, das oszilliert (das ist Thomas Vestings These, die ich sofort glaube und deren Entfaltung ich in dem Buch über Computernetztwerke brilliant finde, es ist ja nur eine Passage), dann stimmt was nicht mit dem Abschied vom Gestern und dem Abschied vom Baren. Oder es stimmt genau das, was mit jeder Scheidekunst und jeder Bar einhergehen kann: das an dieser Stelle leidenschaftlich (Warburg) akzentuiert agiert wird (Vismann). Hoffentlich trivial gesagt: da geht es hoch und tief her, auf und ab, hin und her. Es ist zu klären, inwieweit das, was Vesting oszillieren nennt, demjenigen affin oder verwandt ist, was Warburg schwingen oder pendeln nennt. Man kann sagen, dass ich daran seit 25 Jahren arbeite, aber nur kontrafaktisch, nur beruflich, nur als Bild- und Rechtswissenschaftler, nur als Jurist, nur als jemand, der die Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken re-artikulieren will.
Die mir wichtigste These von Thomas Vesting liegt nicht in der Unterscheidung zwischen Institution und Konstitution, sondern darin, dass sich die Grenze verschieben würde. Sie wird vorgeschoben, sprich: nicht nur ihre Zukunft ändert sich. Es ist sogar fraglich, ob sich ihre Zukunft überhaupt ändern lässt, denn die Zukunft hat noch eine Version. Die Vergangenheit ändern sich, sprich: die Verkettungen, die Kommunikation mit Zettelkästen sortiert was um, Warburg muss weiter sortiert werden. die Gestelle müssen geschoben werden und die Ameisen müssen wie immer mit dem Laub abhauen,














