Der Mann mit dem Klappstuhl
Monatswechsel in der Bank.
Für viele Menschen bedeutet das: Rente abholen, Überweisungen erledigen, Kontoauszüge ziehen. Für die Mitarbeiter bedeutet es vor allem eines: volle Schalter und lange Schlangen.
An diesem Tag war es wieder besonders voll.
Vor mir eine Warteschlange, die sich langsam durch die Filiale bewegte. Die Stimmung war erstaunlich entspannt. Niemand schimpfte, niemand drängelte.
Dann kam ein Kunde herein, den man in der Stadt öfter sieht. Immer mit Fahrradanhänger unterwegs, meistens begleitet von seinem Hund und nicht selten von lauter Musik aus einem großen Lautsprecher.
Er stellte sich ganz normal an.
Nach kurzer Zeit blickte er die Schlange entlang, blickte auf seinen Fahrradanhänger und traf offenbar eine Entscheidung.
Er ging zu seinem Anhänger, holte einen Klappstuhl heraus, stellte ihn mitten in die Wartezone – und setzte sich.
Nicht demonstrativ.
Nicht genervt.
Nicht mit einem Vortrag darüber, wie lange alles dauert.
Er setzte sich einfach hin und wartete.
Während andere Menschen die Minuten stehend verbringen und dabei lang erzählen, wie furchtbar die Wartezeit sei, hatte dieser Mann eine deutlich einfachere Lösung gefunden.
Er brachte seinen eigenen Sitzplatz mit.
Je länger ich darüber nachdenke, desto sympathischer finde ich diese Szene.
Vielleicht liegt darin sogar eine kleine Lebensweisheit:
Manche Menschen verschwenden ihre Energie darauf, sich über Umstände zu beschweren.
Andere holen einen Klappstuhl.
Und manchmal sind genau diese Menschen die entspanntesten im ganzen Raum.











