Reblog: Das Berliner Stadtschloss – ein modernes Schauermärchen
Es ist eine althergebrachte, sagenumwobene Geschichte, die sich seit Generationen entwickelt: Das Schauermärchen vom Berliner Schloss. Sie kennen es noch nicht? Dann lassen Sie es sich heute, anlässlich des Baubeginns, von CICERO ONLINE erzählen...
Zusammengestellt von Karoline Kuhla
Alle Fotos: Picture Alliance
Es war einmal vor langer langer Zeit, dass sich eine Nation nach einem grausamen Krieg in einem zerstörten Land wiederfand. Auch das Schloss ihrer ehemaligen Könige und Kaiser lag in Trümmern.
Nach diesem Krieg gab es einen neuen mächtigen Mann in der östlichen Hälfte des Landes. Er meinte, es solle keine Schlösser mehr geben, die nur für einen sind. Alle seien jetzt, wo es keine Könige, Kaiser oder Führer mehr gebe, gleich.
Mit einem großen Knall ließ dieser Mann - Walter Ulbricht war sein Name - das Schloss deshalb explodieren.
Lange Zeit blieb der Platz, wo das Schloss einmal stand, leer. Dann kam ein neuer Mann, Erich Honecker, und meinte, dort müsse wieder ein Palast errichtet werden. Aber diesmal nicht nur für einen, sondern für alle. Für die ganze Republik. Frei nach dem Motto "Wir bauen auf und reißen nieder, so haben wir Arbeit, immer wieder".
Der neue Palast der Republik sah ganz modern aus und schimmerte golden in der Sonne. Das "Ah" und "Oh" war groß.
Im Palast setzte der Prunk fürs Volk sich fort: Viele kugelige Lampen schmückten die Decke. Das Volk feierte seinen Palast bald als "Palazzo Prozzo" und "Erichs Lampenladen".
Doch so sehr für alle gleich ging es im neuen Land nicht zu. Meistens waren es doch die teureren Autos einer Marke aus dem westlichen Nachbarland und nicht die einfachen Trabanten, die vor dem Palast der Republik parkten.
Das machte das Volk sauer. Also kamen alle mit ihren Trabanten vor den Palast der Republik und gingen auch überall im Land auf die Straße. Bald hatten sie die Mächtigen gestürzt. In Zukunft sollten sie alle wieder mit dem westlichen Nachbarland zusammengehören.
Auch der neue Mann, der jetzt das ganze Land regierte, kam mal am Palast vorbei. Aber sobald das Volk sich wieder vereinigt hatte, interessierte sich bald keiner mehr für den alten Palast.
Nach ein paar Jahren war man sich nicht mehr sicher, was man mit dem alten Palast sollte. Manch einer meinte auch, der Palast sei giftig. Viele wollten sich nicht mehr an die alte Zeit nach dem Krieg erinnern. Lieber dachte man da an die Zeit vor dem Krieg...
Hatte es da nicht mal ein hübsches Schloss gegeben? Einige meinten, das müsse man jetzt wieder aufbauen. Das Schloss sei ein Beispiel seiner Zeit gewesen. Es sei falsch gewesen, die Ruine nach dem Krieg abzureißen, und stattdessen etwas Neues zu bauen. Deshalb wolle man jetzt den Palast abreißen und stattdessen etwas Neues bauen - ein neues altes Schloss.
Um sicher zu gehen, probierte man es erst mit Stoffbahnen, die viele Ellen lang waren, aus. Das erinnerte fast an potemkinsche Dörfer. Aber das ist eine andere Geschichte.
Als man sich schließlich sicher war, wurde Palast der Republik entfernt. Um Platz zu machen für das neue alte Schloss.
Bloß nicht umdrehen, alte Knaben! Auf dass ihr nicht zur Salzsäule erstarrt!
Anstelle des Palasts wurde ein großer blauer Kasten aufgestellt, der aus der Zukunft angereist kam. Er sollte den Menschen erklären, wie die Zukunft der grünen Wiese aussehen sollte.
Aber für den Traum vom neuen Schloss war viel Gold nötig - so um die 590 Millionen Taler. Deshalb wurden rund um den alten und künftigen Schlossplatz orangene Sammelbüchsen aufgehängt. Besonders groß, damit viel reinpasst. Niemand sollte denken, dass er sein Gold damit in die Tonne kloppt!
Bis heute steht erst eine Wand vom ganzen Schloss. Manch einer im Lande fragt sich schon, ob man die Sache nicht besser gelassen hätte. Oder ob man sie besser jemand anderem überlassen hätte...
Zum Beispiel den Leuten von Lego. Die waren da fixer. Bei Lego kann man auch eine wichtige Weisheit für Schlossbauprojekte lernen:
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann bauen sie noch heute.
Als Teaser in der rechten Spalte anzeigen:
from Cicero Online http://bit.ly/LDPzdI