'Populistisch' im eigentlichen Sinne ist eine Kampagne stets dann, wenn sie vorgibt, der Willensausdruck eines homogenen Volksganzen zu sein, das sich nun irgendwelcher inneren Feinde erwehren müsse. An die Stelle des tatsächlich vorhandenen gesellschaftlichen Interessenpluralismus, den demokratische Politik auszutragen hätte, tritt so allmählich wiederum eine 'Volksgemeinschaft'. Eine der Aufgaben kritischer Gesellschaftstheorie wäre es, solche fatalen Tendenzen beim Namen zu nennen. Hierfür bedürfte es allerdings einer Verständigung über die Kriterien eines demokratisch verfaßten Gemeinwesens. Postmoderne Beliebigkeit und politische Indifferenz (...) bedeuten stets eine Prämie für die jeweils Mächtigeren, ohne deren institutionelle Kontrolle demokratische Verfassungen zur Farce verkämen. Insofern bildet das kritische Potential ihrer Bürger nach wie vor die notwendige, wenngleich keine zureichende Bedingung für den Erhalt der Demokratie.
Lenk, Kurt (2000). Ideologische Kontinuitäten und gesellschaftlicher Wandel. In: Jäger, Siegfried & Schobert, Alfred (Hrsg.): Weiter auf unsicherem Grund. Faschismus, Rechtsextremismus, Rassismus. Kontinuitäten und Brüche. S. 19. Duisburg: Edition DISS.















