Streit um die Frankenhalle: Kommunalwahlkampf nimmt Fahrt auf
Vom Bundes- und Landtagswahlkampf ist noch nichts zu hören und zu sehen, dafür hat der Kommunalwahlkampf doch tatsächlich schon vor der Sommerpause richtig Fahrt aufgenommen. Auslöser ist ein Antrag der CSU-Fraktion für die Sitzung des Stadtrats am 20. Juni, die Frankenhalle nicht selbst zu sanieren, sondern an einen denkmalschützenden Investor zu verkaufen. Dazu muss man freilich wissen, dass es der Stadt in den vergangenen Jahrzehnten mangels Interesse nicht gelungen ist, einen Käufer zu finden, der die Halle erhalten will.
Der Antrag der CSU ist bisher online nicht verfügbar, aber die Main-Post hat ausführlich berichtet.
Was die Mehrheitsfraktion fordert, geht aus den Reaktionen der Gegenspieler hervor:
Die SPD-Fraktion spricht auf ihrer Homepage von einem "Abriss durch die Hintertür" und kritisiert nicht nur die Idee, die Halle abzustoßen, obwohl sich seit vielen Jahren kein Käufer gefunden hat, sondern auch die Kehrtwende der CSU in Sachen Sanierung des Mainfranken Theaters: Im Dezember 2011 hat der Stadtrat - auf Antrag von unter anderem drei CSU-Stadträten und mit den Stimmen der CSU - eine Sanierung während des laufenden Betriebs verworfen. Jetzt will die CSU-Fraktion das Theater mehrere Jahre lang jeweils von Mai bis September schließen und in dieser Zeit abschnittsweise die Sanierung durchführen.
Die Antwort des SPD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Kolbow:
"Es ist völlig undenkbar, dass über mindestens 5 Jahre hinweg das Theater 5 Monate im Jahr geschlossen wird. Darüber hinaus: Gäbe es die Möglichkeit, Theateraufführungen problemlos an alternative Spielorte zu verlegen, hätte man bereits beim Beschluss vor 4 Jahren, das Stadttheater zu sanieren, diesen Weg weiterverfolgt."
Auch die Fraktion der Grünen hat reagiert und schreibt auf ihrer Homepage von einer "kommunalpolitischen Geisterfahrt der CSU".
"Schlicht nicht nachvollziehbar", sagt der Fraktionsvorsitzende Matthias Pilz:
"Das ist maximal verantwortungslos gegenüber dem Mainfrankentheater mit seinen etwa 250 Beschäftigten. Durch das beständige Hüh und Hott der Mehrheitsfraktion wird die Stadt Würzburg insgesamt unberechenbar und ein schwieriger Partner für komplexe Planungen."
Und der Landtags-Kandidat und Stadtrat Patrick Friedl:
"Die CSU will offenbar aus der Kulturstadt Würzburg endgültig eine Provinzstadt machen.” Anstatt gemeinsam dafür zu ringen, den Freistaat Bayern stärker bei der Theaterfinanzierung in die Pflicht zu nehmen, wolle die CSU-Fraktion nun die Axt am Dreispartenhaus Mainfrankentheater ansetzen und eine zeitgemäße Erweiterung des Theaters um eine zweite Spielstätte beerdigen: “Moderne Kulturpolitik sieht anders aus.”
Die Würzburger Liste geht nicht ganz so weit wie die CSU: In zwei eigenen Anträgen fordern Alt-OB Jürgen Weber und Co., dem Stadtrat in einem Workshop die kompletten Planungen zur Sanierung des Mainfranken Theaters vorzulegen.
Außerdem soll die Verwaltung "erstmals ernsthaft" nach einer anderen Ausweich-Spielstätte für die Sanierungszeit suchen. Mögliche Alternativen sehen laut WL so aus:
Die von der Verwaltung bisher oberflächlich immer im Gegensatz zur Frankenhalle geprüften Ausweichmöglichkeiten gaben bei Weitem nicht alle Möglichkeiten wieder, die in der Stadt Würzburg gefunden werden können. Insbesondere wurden bisher nicht die Möglichkeiten im Hubland geprüft. Darüber hinaus verfügt die Stadt Würzburg über weitere Sport- und Mehrzweckhallen (Gustav-Walle-Schule) und große Räumlichkeiten, (Teilbereiche des Straßenbahndepots). Des Weiteren wurden überhaupt noch nicht die Kooperationsmöglichkeiten mit der Universität und der Musikhochschule geprüft. Dabei denken wir insbesondere an das Theater in der ehemaligen Zentralschule in der Bibrastraße. Bei gutem Willen findet man, wie von uns in der Vergangenheit mehrfach beantragt, bessere Alternativen zur „Frankenhalle“.
Interessant in diesem Zusammenhang: Sollte Stadtkämmmerer Christian Schuchardt, wie zu erwarten ist, tatsächlich OB-Kandidat der CSU werden, dann hat er ein Problem. Schuchardt gehört zu den Initiatoren des Projekts "Ausweichspielstätte Frankenhalle", hat die Sanierung der alten Viehauktionshalle immer befürwortet (zuletzt am 16. Mai 2013) und auf seiner Finanzierungs-Prioritätenliste weit oben stehen.