Der Zaubereiminister musterte die ihm gegenübersitzende blonde Frau mit gemischten Gefühlen.
Er fragte sich, was für ein Mensch sie wirklich geworden war. Wie viel vermeidbar gewesen wäre, hätte ihre Familie sie unterstützt. In Ihrem Dasein und in ihrer Suche nach Erklärungen.
„Es scheint mir, als hätten die meisten Menschen in Ihrem Leben Ihnen gesagt, wo es langgeht, ohne Ihnen zuzuhören. Oder Sie gar zu fragen."
Ihre Tattoos, ihre Piercings, ihre Narben, ihr abgemagerte Körper – all das erzählte eine Geschichte, das über gewöhnliches Leid hinausging. Wahrscheinlich waren es vorhin Entzugssymptome gewesen, die sie geschüttelt hatten. Und wahrscheinlich war es der Alkohol, der diese im Moment milderte. Statt noch weiter Urteile zu bilden, lehnte er sich vor. Der Alkohol führte immer wieder dazu, dass sich seine Gefühle greifbarer anfühlten als sonst, in seiner alltäglichen Alexithymie. Und so auch jetzt.
„Ich kann nicht behaupten, dass ich Ihnen vertraue, Miss Moira. Aber ich kann auch nicht leugnen, dass Ihre Geschichte mich gewissermaßen anrührt. Und Ihre Person an sich – mich beschäftigt." Seine Miene war ernst. „Ich hatte ähnlich wie Sie keine guten Ausgangsbedingungen. Ich hatte bereits in jüngsten Jahren viele Steine, die in meinem Weg lagen und es gab Zeiten, in denen sich nicht einmal ein Weg abzeichnete. Dass ich heute Zaubereiminister bin, hat viele Opfer gekostet – mich und auch andere. Und ich möchte Ihnen gerne weiteren Schmerz ersparen. Wenn Sie mich lassen."
Er war sich noch nicht völlig im Klaren über die wahren Beweggründe für sein Angebot. Oder dessen Folgen. Doch was er deutlich sehen konnte, war dieses unbändige Feuer in ihren Augen. Und er wusste in diesem Moment, dass er bereit war alles zu tun, um es niemals erlöschen zu lassen.