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Niemand spricht gerne darüber: Sterben. Und doch tut es jeder – früher oder später. Der Tod ist nach wie vor ein Tabuthema. Es gibt Hospize und Trauerangebote für ältere Menschen oder auch für Kinder. Für Jugendliche dagegen kaum. Das will Dada Peng alias Mirko Klos ändern.
Das war ein tolles Gespräch mit dem Indeon Magazin. Das ganze Interview findet ihr unter dem Link.
wie ein eiswürfel mein leben veränderte #DerTodIstTransformation
ich sitze oft am rande und doch inmitten der stadt und frage mich dinge, die dann in meinem kopf umherirren, bis wir gemeinsam eine antwort auf meine frage gefunden haben. nicht selten wünschte ich mir dann, die antwort auf alle meine fragen sei ganz einfach: ich bin verrückt. und dann wiederum finde ich antworten auf fragen, direkt vor meiner nase liegend und einfach nur auf mich wartend. so geschehen ist es, als ich mich fragte, inwiefern der tod einfach nur transformation bedeutet.
ich saß damals in meiner kleinen wohnung in köln, hörte musik und versuchte zu begreifen, was da an meiner mutter, die gerade im sterben lag, geschah. ich überdachte wirklich an diesem abend mein denkkonzept vom leben und sterben. ich versuchte zu begreifen, was während des sterbens passiert. in wie fern der körper hülle oder rückstand war.
ich weiß gar nicht mehr, in welchem krankheitsstadium meiner mutter oder zu welcher zeit es gewesen ist. vielleicht drei oder vier wochen bevor sie starb.
ich wollte mir einen gin tonic mixen und hatte weder eis noch zitrone im haus. ich ging hinüber zum rewe und kaufte diese rieseneisbeutel mit eiswürfeln darin sowie mehrere zitronen.
zu hause wollte ich dann den eisbeutel in mein viel zu kleines eisfach pressen, was natürlich nicht gelang.
also nahm ich ein paar eiswürfel aus dem beutel, warf sie in die spüle und presste dann zufrieden den beutel ins eisfach.
ich mixte mir meinen gin tonic, legte irgend eine musik auf, ich glaub es war buddha bar oder etwas ähnliches und wollte noch das licht in der küche dimmen, als mein blick auf die spüle und die darin liegenden eiswürfel fiel.
ich lehnte mich an den schrank, mit meinem gin in der hand, mit musik auf den ohren und beobachtete, wie die eiswürfel schmolzen. einen davon ganz besonders. ich nannte ihn harry.
harry verlor ganz sanft seine form.
ganz so wie der körper meiner mutter.
ich stand da und blickte, trank und atmete bis harry ganz seine form verloren hatte und im ausguss verschwunden war.
so wie auch der körper meiner mutter verschwinden würde.
ich sagte leise : "adieu harry" und dachte: „wie tötet man eigentlich einen eiswürfel?“
klar, ich kann ihn kaputt machen, ich kann ihn schmelzen lassen, aber dann ändert er ja nur seine form, dann ist er halt wasser und dann? wie töte ich wasser?
ich kann es kochen, bis es verdampft, aber dann ist es trotzdem nicht tot, sondern wasserdampf. und wie töte ich wasserdampf? egal was ich tue, ich kann die form des eiswürfels verändern, aber kann ihn nicht töten. ich kann es nicht vollbringen, dass die moleküle, die ihn ausmachen, die ihn existieren lassen, nicht mehr existent sind.
und da verstand ich: harry lebt!
und genau so ist es auch bei dem körper meiner mutter. und bei meinem körper und bei allem das da ist und lebt.
ich begriff: sterben ist lediglich transformation, der übergang von dem hier zu halt etwas anderem. und so wurde dieser unscheinbare moment, wie ich in der küche stand und beobachtete wie ein eiswürfel schmolz, ein ganz wichtiger moment in meinem leben.
womit wir wieder beim anfang der geschichte wären und der frage, ob ich verrückt bin oder nicht.
aber so ist es geschehen und so mag ich euch auch davon erzählen.
Dada Peng