Louis Armstrong - La Vie en Rose
Mit aufgeplatzten Lippen und gelb unterlaufenen Augen lag Armstrong im Lazarettbett. Über seinem Bett hing ein schwarzer Bindfaden.
Am zweiten Tag nach seiner Ankunft hatte ihn der Arzt begutachtet. Nachdem der Mann in Weiß die Verbände gelöst hatte, breitete sich ein beißender Eitergeruch um Armstrongs Bett aus. Wenig später war die Schwester aufgetaucht und befestigte den schwarzen Faden dort oben.
Prächtige Schweißperlen suchten sich ihren Weg über seinen Oberkörper und verschwanden unter dem gelblichen Verband. Hin und wieder legte ihm jemand beiläufig eine warme Hand auf die Schulter. “Das wird schon wieder”, sagten Stimmen, die er noch nie zuvor gehört hatte. In diesem fremden Land vor fremden Menschen zu sterben, hatte etwas Peinliches. Er schämte sich für das Blut, das immer schwächer durch seine Adern pulsierte.
“Waren Sie schon mal verliebt?” Die Krankenschwester drehte sich erstaunt zu Armstrong. Die Stimme des Schwarzen war satt und warm. Der tiefe prasselnde Bass erinnerte die Schwester an den Regen in Maine. “Nein”, antwortete sie. “Noch nie.”
“Rose.”, sagte der Armstrong. “Mein Mädchen hieß Rose. Eigentlich hieß sie Miranda, aber ich nannte sie Rose, weil sie sich die Haare nach oben binden konnte, bis sie aussahen wie eine Rose.”
Die Krankenschwester lächelte. “Sie sollten nicht reden.”
Sie gab sich Mühe streng zu gucken, aber ihr Herz wurde ganz weit. “Hat der Doktor Ihnen nicht gesagt, dass Sie nicht reden sollen?”
“Oh, Sie wissen gar nicht, wie sie sich drehen konnte, meine Rose. Manchmal ließ sie ihren Rock fliegen, bis man ihr bis über die Knie sehen konnte. Oh, sie war keck. Und wenn sie die das Regiment mit ihren Beinen verrückt machen konnte, strahlte sie über das ganze Gesicht. Aber geliebt hat sie nur mich.”
Die Krankenschwester schüttelte tadelnd den Kopf, setzte sich jedoch neben Armstrong auf die Bettkante. Unter der Bettdecke lugte der Saum von Armstrongs blauer Armeehose hervor.
“Und wissen Sie”, fing er an. “Woher ich weiß, dass ich sie geliebt habe?”
“Weil, naja, das Leben selbst wie eine Rose war, wann immer ich sie sah.”