Was ich an Konzerten gelernt habe oder Merci 2017
„So stehn wir da Landkarten im Gesicht Viel rumgekommen nur Angsthasen tun das nicht Und was wir auch tun um es zu verbergen Man wird sehen ob wir getanzt haben oder nicht“ - moop mama
Konzerte sind für mich nicht nur eine Beschäftigung, sie sind Therapie - „this is where I heal my hurts“ wie das Faithless so schön sagen. Ich stehe dann vor der Bühne und bin angespannt und entspannt zugleich – die Musik nimmt mich mit auf eine Reise und ich verlasse kurz meinen Alltag. Zudem sind da Menschen, die meistens zumindest eine Gemeinsamkeit haben – also eigentlich alles potentielle Freunde! Und sonst bin ich halt alleine die komische Person, die immer so ausschaut, als sollte sie weniger konsumieren, da mein Tanzen auch nüchtern generell ziemlich irritierend wirkt.
Gefühle sind manchmal bzw. meistens voll anstrengend und nervenaufreibend. Und dann brauche ich Unterstützung – einen Soundtrack für mein Leben. Musik hilft mir zu fühlen. Es bringt dieses Etwas zum Ausdruck – was sich sonst nur nach Eindruck anfühlt. Ich brauche Musik um im Selbstmitleid zu baden bis ich schrumpelige Finger habe und den Schmerz, das Leid, die Ungerechtigkeit irgendwie akzeptieren kann – zum Beispiel mit viel Rotwein und Faber, mit Car Seat Headrest, Low Roar oder Chastity Belt. Das Leben ist halt manchmal nicht so, wie du es dir wünscht und du bist es auch nicht und das ist voll ok so.
Ich brauche Musik um zu wüten, zu schreien, laut zu werden und um viel zu viel zu rauchen. Das waren Sleaford Mods oder Young Fathers, Death Grips, Savages, SXTN oder The Garden. Letztere haben in der Hafenkneipe einen Tisch so umgeworfen, dass ich den Bänderriss in der Physiotherapie gleich wieder von vorne behandeln konnte.
Ich will Musik die mir hilft zu vergessen - Musik die bewirkt, dass im Körper nicht einmal mehr Raum zum Denken ist, die macht, dass jede Zelle deines Körpers empfindet, Swans war so dieses Jahr, Flying Lotus (ich weiss nicht genau was dort passiert ist – aber ich bin nicht mehr die gleiche wie vorher) oder Death Grips (ebenfalls mein diesjähriger Lieblingssongtitel: You might think he loves you for your money but i know what he really loves you for it’s your brand new leopard skin pillbox hat.)
Oder Mario Batkovic – das Konzert hat sich angefühlt, als würde Zeit nicht mehr existieren. So stelle ich mir die Droge Soma aus Brave New World vor.
Musik die einen erinnert – daran dass es allen gleich geht, und wir selber manchmal halt auch nicht besser wissen. Das war The Notwist, Kurt Vile oder Andy Shauf, Bryde oder Bonobo. Oder Musik die an früher erinnert oder aufzeigt, dass man jetzt „vernünftiger“ ist. Dann fühle ich mich alt, egal ob bei Chlyklass, Casper, Faber, Knöppel oder den Pixies. Entweder weil mich die Musik schon Jahre begleitet, oder weil so viele junge Mädchen an den Konzerten sind.
Und dann ist dann gibt’s da auch so viel gute nationale Acts, wie Geilerasdu, Dachs, Zeal&Ardor, Len Sander, Mario Batkovic, East Sister, Soybomb, Knöppel und Pyrit und noch viel viel mehr! Musikgruppen die aufzeigen, dass unser kleines Land eine ziemliche Bandbreite an Musik abdeckt und sich Musik auf Mundart, English oder ganz ohne Text finden lässt.
Ach - ich kann nicht in Worte fassen, wie wichtig diese Momente für mich sind – schön war’s und es macht’s umso schöner wenn man es (mit)teilen kann.









