Markus, Evangelist der echten Ägypter
Wie die neuen Faschisten und ihre 5. Kolonnen den wichtigsten Evangelisten mit Füßen treten - Das Markus Evangelium neu gelesen von Klaus Lelek
Weihnachten rückt näher. Immer weniger Menschen wissen eigentlich, was da wirklich gefeiert wird. Der erste Mensch, der über das Leben Jesu schrieb, heißt Markus, und dem war Weihnachten ziemlich egal. Er schrieb keine Weihnachtsgeschichte. Kein Ochs, kein Esel, keine Krippe. Die kreierte erst sein Kollege Lukas viele Jahre später. Trotzdem ist Markus der wichtigste Evangelist. Denn er ist der erste, der den realen Jesus vor dem Vergessen bewahrte. Und er ist zugleich der Evangelist der Kopten, nach dem Libanon die einzigen im Orient beheimateten Christen, die noch nicht abgeschlachtet und vertrieben sind. Ein Grund mehr ihn zu lesen. Liefert er doch jede Menge geistige Munition, die man den halbgebildeten, verblödeten, linken Eliten und Salonkommunisten an den Kopf werfen kann, wenn sie mal wieder Christentum mit Scheiterhaufen und Teufelsaustreibungen in Verbindung bringen.
Die Christliche Religion beginnt mit einem Paradoxon. Das erste Zeugnis christlichen Glaubens stammt ausgerechnet von einem seiner einstmals ärgsten Feinde. Saulus, der sich nach seinem „Damaskuserlebnis“ Paulus nannte, war ein Pharisäer, der mit Waffengewalt das Urchristentum auslöschen wollte. Wären seine Briefe das einzige Zeugnis geblieben, wüßten wir von Jesus so gut wie nichts. Das irdische Leben Jesu hat Paulus nie sonderlich interessiert. Nicht einmal die genauen Umstände seiner Hinrichtung. Kreuzestod und Auferstehung sind die einzigen Eckpfeiler seines Glaubens. Sein Blick ist vorwärts, nicht rückwärts gewandt. Es sind Metaphern, die er geschickt mit Mahnungen, Lehrsätzen und vor allem mit seiner eigenen Glaubenslehre ausfüllt. Aus diesen abstrakten Begriffen gründet er sein Jesusbild und trägt es in die Welt. Er ist der erste christliche Theologe. Seine Welt ist nicht die gleiche in der Jesu Christus verkehrte. Es sind hauptsächlich Griechen und Römer, denen Paulus predigt. Viele davon sind wohlhabend, wie etwa die Purpurhändlerin Lydia. Er sucht den Kontakt mit den Klugen und Mächtigen. Besucht in Athen die griechischen Philosophen. Diskutiert mit dem Provinzkönig Agripa. Sein Hauptziel ist Rom, das Zentrum der Macht. „Freilassen könnte man diesen Menschen hätte er nicht Berufung eingelegt beim Kaiser“ (Apg. 26,32) sagt Agripa am Ende der Verhandlung. Paulus geht also „freiwillig“ nach Rom. Als Gefangener mit besonderen Privilegien. Vor allem aber als Missionar. Er will bis zum Kaiser Nero vordringen, ihn gar vom Christentum überzeugen, wie einige vermuten. Wäre sein Plan aufgegangen, hätte er als erster Christlicher „Pontifex Maximus“ auf dem Kapitol gesessen. Die Geschichte verlief anders. Sie endete in Rom mit einem Massaker.
Ohne Markus wüssten wir vom historischen Jesus so gut wie nichts
Dass wir überhaupt etwas vom Leben Jesu wissen, verdanken wir einem jungen Mann, der zeitweilig zu Paulus Reisebegleitung gehörte, Johannes Markus, ein Vetter des Barnabas, ein Jünger aus dem engeren Umkreis von Jesu. Ein Augenzeuge also. Im Gegensatz zu Paulus, ein Christ der ersten Stunde. Mit ungeschminkter Offenheit berichtet die Apostelgeschichte von einem Streit der sich zwischen ihm, Paulus und Barnabas zugetragen hat. Markus hat Paulus den Rücken gekehrt. Warum? Die einen behaupten er habe auf der Reise schlapp gemacht. Wahrscheinlicher ist, daß ihm die Lehre dieses Paulus nicht behagt hat. Er rebelliert. Kehrt um. Interessant ist das Verhalten von Barnabas. Er hat Verständnis für seinen jüngeren Vetter, verteidigt ihn. Mehr noch. Barnabas verläßt Paulus ebenfalls. „Es kam zu solcher Verstimmung, dass sie sich trennten. Barnabas den Markus mitnahm und nach Cypern fuhr. Paulus aber wählte Silas...“ (Apg. 15,37-40) Natürlich hat der Schreiber der Apostelgeschichte Lukas, wie auch Paulus selbst die Wogen wieder geglättet. Dennoch bleibt festzuhalten, dass dieser “unzuverlässige” Reisegefährte etwa um 70n. Chr. das erste Evangelium schreibt und damit gleichzeitig eine völlig neue literarische Gattung schafft. Durch Markus wird Jesus historisch greifbar, denn ein Absatz in den Analen des Flavius Josephus - der einzige antike, außerchristliche - hat sich leider als plumpe Fälschung herausgestellt.
Ein toleranter Jesus voller Menschenliebe
Markus hinterläßt kein dogmatisches Lehrgebäude sondern einen Jesus aus Fleisch und Blut, einen Jesus, der zu denen geht, die im Dreck leben, den Kranken, Aussätzigen, Mittellosen. Ein Jesus der sich in Bescheidenheit übt und seine Auserwähltheit verbirgt und nur wenigen preisgibt. „Und er gebot ihnen streng mit niemand über ihn zu sprechen“ (Mark. 8,30) Er geißelt Bigotterie und falsche Frömmigkeit und vor allem akademischen Dünkel: „Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die gerne in langen Gewändern einhergehen. Und die Begrüßungen auf den Märkten und den Vorsitz in den Synagogen und die obersten Plätze bei den Mahlzeiten lieben. (Mark. 12,38)
Er segnet die Kinder und stellt sie über die Erwachsenen „Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen“.(Mark 10,13) Und diejenigen, die sich an ihnen sexuell vergreifen oder sie mißhandeln, so wie heute pädophile Strolche innerhalb der katholischen Kirche, sagt er: „Wer aber einem von diesen Kleinen Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er hinab geworfen würde ins Meer (Mark 9,42) Auch dem eifersüchtigem Gezänk späterer Glaubensspaltungen und gegenseitiger Abschottungen, die bis heute das gesamte Christentum heimsuchen, und auch maßgeblich zu dessen Vernichtung beiträgt, erteilt dieser Ur-Jesus eine klare Absage:
„WER NICHT GEGEN UNS IST DER IST FÜR UNS“ (Mark. 9,39)
Diese Aussagen stehen im krassen Widerspruch zu Paulus und dem Vater des kirchlichen Terrors Augustinus, der die theologische Grundlage für die Blutorgien an Bogomilen, Katharern und weiteren christlichen Religionsgemeinschaften lieferte. Dabei starben schätzungsweise mehr als 50 Millionen Menschen. Allein der 30Jährige Krieg rottete ein Drittel der Deutschen Bevölkerung aus. Die Ursache für kirchliche Intoleranz gehen weiterhin auf die kleinlichen Haarspaltereien diverser Konzile zurück, die solche Exzesse einleiteten und vor allem zur Zersplitterung der Christenheuit führten. Davon hat vor allem der theologisch vollkommen substanzlose Islam profitiert. Der Untergang der Ostkirchen geht vor allem auf die Plünderung Konstantinopels zurück, als gierige Kreuzfahrer ihren eigenen Bündnispartner überfielen und damit dem islam in Europa Tür und Tor öffneten.
Diese Ereignisse sollte man immer im Kopf haben, wenn man mit der Keule des „christlichen Abendlandes “ herumfuchtelt, wie das immer noch einige der selbsternannten Kreuzritter gerne tun…
Markus besitzt weder die Fabulierkunst eines Lukas, noch das Alttestamentarische Wissen eines Matthäus. Dennoch haben seine beiden Nachfolger an vielen Stellen wortwörtlich von ihm abgeschrieben. Sein Werk ist die Urform der sogenannten „synoptischen Evangelien“. Alle wichtigen Eckdaten werden aufgeführt. Taufe durch Johannes, der, wie man heute weiß, zum Umfeld der Essener gehörte. Aufenthalt in der Wüste. Öffentliches Auftreten hauptsächlich in Galiläa mit Gleichnispredigten, Wunderheilungen und Streitgesprächen. Auch interne. Wie ein moderner Schriftsteller baut Markus langsam eine Dramaturgie auf. Das unterscheidet ihn vom einfachen Chronisten. Leiden und Gefahr werden Stückchen weise angekündigt. Es folgen Abendmal, Verrat des Judas, Gefangennahme, Kreuzigung, Tod und Auferstehung. Dieser Mann wußte genau, was er wollte. Er war kein Kofferträger, sondern einer, der Maßstäbe setzte. Einer, der sich nichts diktieren ließ, sondern lieber selber schrieb!
Evangelist der inzwischen auch hier verfolgten Exilchristen
Dieser Evangelist genießt in Ägypten eine besondere Verehrung, denn er beendete sein Leben als Bischof von Alexandria, dem damals wichtigsten geistigen Zentrum der Antike. Diese Weltstadt des römischen Reiches, die damals mehr als eine halbe Million Menschen zählte, war auch nach der Vernichtung ihrer bedeutenden Bibliothek eine echte multikulturelle Metropole geistigen Austausches. Wo vor ein paar Jahren die ägyptische Polizei, um den Islamisten zu imponieren, nach SS-Manier auf wehrlose Kopten ein prügelte um der Monokultur der Barbarei den Weg zu ebnen, liefen in der Antike alle bedeutenden Strömungen der damaligen Zeit zusammen: Altägyptischer Volks- und Götterglaube, der, zuzüglich Bestattungsrieten, auch von Römern und Griechen angenommen wurde, Mysterienbünde, Gnosis, Neuplatonismus, Spätjudentum, Ur-Christentum und sogar der Buddhismus fanden hier ihre Anhänger. Hier wurde das Alte Testament von 72 Rabbinern ins Griechische übersetzt. Hier lebte und lehrte der berühmte Philosoph Philon von Alexandria. Kein Wunder also, daß der erste Chronist des Lebens Jesu in diese Stadt zog, hier lehrte und starb.
Seit 2010, trampelt ein intoleranter blinder muslimischer Mob auf dem Grab des Markus herum, das venezianische, „Christlicher Seeräuber“ bereits 828n. Chr. geplündert haben. Heute leben die Nachfahren der alten Ägypter, die eine über 6000 Jahre alte nachweisbare Kultur aufweisen, die älteste mit beinah lückenloser Kontinuität, im Dreck, werden ausgegrenzt, verhöhnt, verfolgt, vergewaltigt, die Kirchen zerstört, während dekadente Deutsche Oberlehrer im antiken Disneyland Ägypten vor der Kulisse der Pyramiden und des Karnak-Tempels von Ramses, Echnaton und Nofretete träumen. Und wem die ägyptische Götterwelt samt Thot, Isis und Osiris zu anstrengend ist, wer Mozart für eine Kugel und die „Zauberflöte“ für einen neuen Harry-Potter-Roman hält, oder seine Bildung aus der Bildzeitung bezieht, geht im „Luxusghetto“ am Roten Meer zum Schnäppchenpreis auf Tauchstation. Das Wasser ist blau, das Blut ermordeter Kopten dunkelrot. Mit der Vernichtung des orientalischen Christentums geht auch ein Teil unserer Kultur verloren. Aber wen juckt das schon, wenn junge Menschen heute nicht einmal wissen, wer Markus war. Immerhin taugt er noch als beliebter Vorname. Schwacher Trost: In zehn Jahren weiss sowieso niemand mehr etwas mit “Christi Geburt” anzufangen, und das Wort “Weihnachten” wird ersatzlos in “Winterfest” umgewandelt, der Tag an dem der Zipfelmützenmann die geilen Smartphons bringt!