Marvin Willoughby ist in Wilhelmsburg aufgewachsen, einem sozial benachteiligten Hamburger Stadtteil. Nach dem Ende seiner sportlichen Karriere als Basketballer gründete er die "Hamburg Towers", die seit 2019 in der Bundesliga spielen, und deren Nachwuchsmannschaft "Piraten Hamburg". Auch „Sport ohne Grenzen e.V.“ geht auf seine Initiative zurück. Ich habe ihn gefragt, was es für ihn bedeutet, soziale Arbeit und Leistungssport zu verbinden. Und er erklärt, wie Eltern ihre sportlichen Sprösslinge unterstützen können.
14 Spiele bleiben den Hamburg Towers, um den Abstieg aus der BBL zu verhindern. Solange ruhen beim Aufsteiger Vertragsverhandlungen.
Ab jetzt geht‘s für die Hamburg Towers um alles. Nach zwei spielfreien Wochen beginnt für die Basketballer Samstag gegen Crailsheim (20.30 Uhr, Magenta Sport) der Endspurt um den Bundesliga-Klassenerhalt.
„Natürlich nimmt mich der Abstiegskampf mit“, gesteht Geschäftsführer Marvin Willoughby (42). „Es ist ja nicht so, dass ich das alles schon zehn Mal erlebt habe.“
14 Spiele bleiben dem Aufsteiger – derzeit Vorletzter vor dem Mitteldeutschen BC – um zumindest einen Konkurrenten hinter sich zu lassen. Nach jeder der 15 Niederlagen hatte Willoughby eine schlechte Nacht. Auf Dauer runterziehen lässt er sich davon nicht: „Ich bin total zuversichtlich, dass wir in der BBL bleiben.“
Trotzdem plant der Ex-Nationalspieler für nächste Saison zweigleisig – für die BBL und die ProA. Bis 15. April müssen die Unterlagen eingereicht sein: „Klar wollen wir in der ersten Liga bleiben und alles dafür tun. Aber wir sind nun mal punktgleich mit dem Letzten. Also musst du zur Sicherheit diese Flanke auch schließen.“
Wie groß der Schaden bei einem Abstieg wäre, beantwortet er nur ungern: „Natürlich stirbt niemand buchstäblich, wenn wir in der ProA spielen würden. Da hat unser Projekt ja auch funktioniert. Aber es wäre natürlich ein Rückschritt. Die Euphorie und die Motivation würden sicherlich gebremst werden. Wir wollen uns aber so wenig wie möglich Gedanken darüber machen.“
Das gilt auch für Vertragsgespräche. Der Kontrakt mit Trainer Mike Taylor (47/USA) läuft aus. „Es gibt keinen Druck, keinen Stress“, sagt Willoughby. „Wir werden erst die Saison zu Ende spielen. Beide Seiten wissen, was sie aneinander haben. Aber wir als sportliche Leitung müssen jetzt erstmal dafür sorgen, dass wir das Ziel erreichen, das wir uns gesetzt haben.“
Der Sportchef des Basketball-Bundesligaclubs über Kaderplanung, Führungsspieler, Trainer Mike Taylor und schlaflose Nächte.
Als Marvin Willoughby zum Gespräch mit dem Abendblatt auf der Geschäftsstelle der Hamburg Towers am Wilhelmsburger Kurt-Emmerich-Platz 2 Platz nehmen will, klingelt in diesem Moment sein Handy. „Entschuldigung, da muss ich ran. Ein Spieleragent“, sagt der Sportchef des Basketball-Bundesligaclubs. Gut zehn Minuten später kehrt er in den Konferenzraum zurück. „Und: Haben Sie einen weiteren Spieler verpflichten können, etwa einen neuen Center?“, fragen wir. „Nein, nein. Er wollte nur paar Karten für unser Heimspiel an diesem Sonnabend gegen Bayreuth“, sagt Willoughby (41) – und kann sich ein vielsagendes Grinsen nicht verkneifen.
Hamburger Abendblatt: Herr Willoughby, nach sieben Niederlagen in den ersten acht Bundesligaspielen wollten Sie jetzt jeden Stein umdrehen …
Marvin Willoughby: … wer sagt das?
Das haben wir einer Ihrer Pressemitteilungen entnommen.
Willoughby: Da steht manchmal viel Folklore drin. Wir machen jetzt nichts anderes, als wir es immer gemacht haben. Wir analysieren nach jedem Spiel, egal ob Sieg oder Niederlage, im Moment zugegebenermaßen öfter nach Niederlagen, was gut gelaufen ist, was wir besser machen müssen, ob wir auf irgendetwas reagieren sollten. Das ist normales Tagesgeschäft.
Mit dem Mexikaner Jorge Gutiérrez und aktuell mit dem Venezolaner Michael Carrera haben Sie gerade zwei gestandene Profis nachverpflichtet. Ganz normal?
Willoughby: Ganz normal! Im Gegensatz zur 2. Bundesliga sind die Kader in der 1. Liga immer im Fluss. Wir sind ja nicht die Einzigen, die Spieler holen und wegschicken.
Offenbar sind Sie aber erst jetzt zu der Erkenntnis gekommen, dass Ihr bisheriger Kader nicht bundesligatauglich war.
Willoughby: Das wissen Sie also schon nach einem Viertel der Saison, dass unser Kader nicht bundesligatauglich sein soll. Herzlichen Glückwunsch!
Das sagen nicht nur wir, auch ehemalige Bundesligatrainer und Nationalspieler.
Willoughby: Diese sogenannten Experten haben in der vergangenen Saison Aufsteiger Rasta Vechta den sofortigen Wiederabstieg prophezeit. Und: Wo ist Vechta gelandet? Die sind Vierter nach der Hauptrunde geworden und haben es ins Play-off-Halbfinale geschafft. Also hören Sie mir auf mit diesen Experten.
Aber optimal läuft es bei den Towers doch eher nicht?
Willoughby: Ich hatte gehofft, dass wir zu diesem Zeitpunkt vielleicht drei, vier Siege auf unserem Konto hätten und nicht nur einen. Es mag für Sie verwunderlich klingen, aber wir waren nah dran, um zwei oder drei Spiele mehr zu gewinnen. Dazu fehlte in Frankfurt, zu Hause gegen Göttingen und selbst gegen Weißenfels und in Ludwigsburg nicht viel, ein bisschen Glück vielleicht, etwas mehr Erfahrung, ein oder zwei andere Entscheidungen in den kritischen Momenten. Dann würden wir hier nicht sitzen und über angeblich fehlende Bundesligatauglichkeit diskutieren. Womit wir nicht gerechnet hatten – und was uns erschüttert – sind diese hohen Niederlagen wie zuletzt in Ulm (69:102), vor allem die Art und Weise, wie diese zustande kamen. Da habe ich mich manchmal sehr geschämt für unsere Auftritte, konnte danach vor Wut, Scham und Enttäuschung nachts nicht schlafen. Am nächsten Morgen bin ich dann aber wieder voll im Kampfmodus.
Wie erklären Sie denn diese Aussetzer?
Willoughby: Uns fehlte bislang eine klare Hierarchie in der Mannschaft. Spieler, die vorangehen, an denen sich die anderen in diesen schwierigen Situationen orientieren können. Unsere potenziellen Führungsspieler haben in dieser Beziehung unseren Erwartungen noch nicht entsprochen. Das müssen wir so klar sagen. Das mag möglicherweise daran liegen, dass sie bei ihren bisherigen Vereinen nie in ähnlich problematische Konstellationen geraten sind oder sie in solchen Spielsituationen von der Erfahrung ihrer Nebenleute profitiert haben. Bei uns aber sind sie es, auf die es ankommt. Das müssen sie begreifen. Deshalb haben wir reagiert, mit Gutiérrez und Carrera zwei Persönlichkeiten geholt, die dem Team neue Impulse verleihen werden.
Das heißt, der Kader war bisher falsch zusammengestellt? Wir hatten ohnehin den Eindruck, dass Sie vor allem Spieler mit Potenzial, aber kaum jemanden mit Potenz verpflichtet haben.
Willoughby: Vielleicht waren wir im Sommer wirklich etwas zu blauäugig, haben zu sehr auf die Entwicklungsmöglichkeiten dieser Spieler gesetzt, zu wenig darauf geachtet, was sie aktuell bereits leisten können. Ich bin aber nach wie vor davon überzeugt, dass wir die Richtigen geholt haben. Und ich glaube weiter fest daran, dass wir die Klasse halten werden, weil ich die erhoffte Entwicklung in der Mannschaft inzwischen sehe. Da ist noch niemand an seinem Leistungslimit, die meisten sind nicht mal bei 80 Prozent. Unseren Trainer Mike Taylor zeichnet es doch gerade aus, dass er diese Potenziale herauskitzeln kann.
Herr Willoughby, Sie sind Geschäftsführer bei vier Vereinen oder deren Gesellschaften, dazu Sportchef der Towers. Andere Basketball-Bundesligavereine haben einen Sportdirektor, der sich voll auf diese Aufgabe konzentrieren kann.
Willoughby: Andere Bundesligavereine haben auch mehr Geld, können das dann in nachhaltige sportliche Strukturen investieren. Das wird für uns der nächste Schritt in Richtung Professionalisierung sein, möglicherweise zur nächsten Saison. Momentan fehlen uns jedoch die Mittel, um einen Sportchef einzustellen. Wenn wir in den nächsten Wochen oder Monaten Geld für neue Leute ausgeben werden, dann für Spieler. Das hat derzeit Priorität. Zwei Optionen haben wir ja noch.
Haben Sie die sportlichen Herausforderungen, die in der Bundesliga auf Sie zukommen, anfangs unterschätzt? Hätten Sie Spieler wie Gutiérrez und Carrera nicht schon früher engagieren können?
Willoughby: Als Aufsteiger bist du im Sommer in keiner komfortablen Position. Etablierte Bundesligaspieler oder jene Ausländer, die entsprechendes Niveau haben, wollen am liebsten bei einem Club in der Bundesliga oder anderswo in Europa auflaufen, der auch in einem internationalen Wettbewerb unterwegs ist. Solange nicht alle Plätze in diesen Vereinen vergeben sind, warten sie ab. Um solche Spieler schon vor dem Saisonstart verpflichten zu können, musst du sehr viel Geld auf den Tisch legen. Jetzt ist der Markt wieder in Bewegung geraten, und die Preise werden auch für uns allmählich wieder bezahlbar.
Mit einem Etat von rund fünf Millionen Euro, mit dem Sie im Mittelfeld der Bundesliga rangieren, sind Sie nicht konkurrenzfähig, wenn es um die Verpflichtung guter Basketballspieler geht?
Willoughby: Die Etats in der Bundesliga sind schwer zu vergleichen. Welcher Club was genau in seine öffentlichen Angaben einrechnet, ist höchst unterschiedlich. Ich weiß nur, dass ein Spieler, den wir verpflichten wollten, dem wir aber wegen seiner zu hohen Gehaltsforderungen absagen mussten, ein paar Tage später bei einem Bundesligaclub unterschrieb, der angeblich weit weniger Etat haben soll als wir. Und ich vermute mal, dass besagter Spieler seine Forderungen innerhalb einer Woche nicht dramatisch reduziert hat.
Ihrem Kader mangelte es bisher aber nicht nur an Qualität, auch der Zusammenhalt im Team soll zu wünschen übrig lassen.
Willoughby: Wer sagt so was?
Das ist aus der Mannschaft zu hören.
Willoughby: Sie haben das also vom Hörensagen.
Deshalb fragen wir ja nach.
Willoughby: Eine neue Mannschaft in einer neuen Liga braucht ihre Zeit, um zusammenzufinden. Das ist ein ganz normaler Prozess. Das mag schneller gehen, wenn sich der sportliche Erfolg einstellt. Ich bin aber überzeugt, dass bei uns alle an einem Strang und den auch in dieselbe Richtung ziehen. Sollte das nicht so sein, werden wir reagieren. Alle wissen, dass wir nur gemeinsam den Klassenerhalt schaffen können.
War es problematisch für die Entwicklung des Teams, dass Mike Taylor während der Saisonvorbereitung die polnische Nationalmannschaft im August/September bei der WM in China betreute?
Willoughby: Im Nachhinein war das sicherlich nicht optimal. Aber einen Trainer wie Mike können wir uns nur leisten, wenn wir bereit sind, Kompromisse zu machen.
Wann wird sein Vertrag, der am Saisonende ausläuft, verlängert? Sie hatten erste Gespräche zum Jahreswechsel angekündigt.
Willoughby: Die haben im Augenblick, da bin ich mir mit Mike einig, nicht oberste Priorität. Wir müssen erst einmal in der Bundesliga in die Spur finden.
Stellt sich etwa die Trainerfrage?
Willoughby: Sie haben ja gelesen, dass wir jeden Stein umdrehen. Niemand ist bei uns sakrosankt, nicht der Trainer, nicht der Sportchef, kein Spieler. Wir treiben Leistungssport, da gibt es nun mal gewisse Anforderungen. Letztlich müssen Ergebnisse her, das weiß auch Mike. Wir haben keinen Zweifel an seiner Kompetenz. Er ist absolut der richtige Trainer für uns.
Was würde ein Bundesliga-Abstieg für die Towers bedeuten?
Willoughby: Damit beschäftigen wir uns, wenn es so weit sein sollte. Wie gesagt, ich gehe weiter davon aus, dass wir die Klasse halten.
Wäre der Verein existenziell gefährdet?
Willoughby: Ein klares Nein! Die Towers sind „More than Basketball“. Wir sind nicht von Erfolgen oder Misserfolgen abhängig, wir haben sehr gesunde Strukturen, die wir weiterentwickeln werden. Natürlich würden uns bei einem Abstieg Einnahmen von Sponsoren und Zuschauern fehlen. Dass ein Aufsteiger absteigen kann, sollte das Grundvertrauen in unsere Arbeit nicht erschüttern. Mittelfristig, da bin ich mir sehr sicher, haben wir das Potenzial, um uns in der Bundesliga zu etablieren, besonders wenn der von unserem Mitgesellschafter Tomislav Karajica geplante „Elbdome“ in den nächsten vier, fünf Jahren kommen sollte. Nicht alle Wege im Sport führen geradeaus. Ein Verein zeigt gerade darin seine Qualität und Klasse, wie er mit Rückschlägen umgeht. Und alle anderen unserer Aktivitäten sind ohnehin nicht vom sportlichen Erfolg berührt.
Die da wären?
Willoughby: Wir bauen zum Beispiel gerade mit viel Einsatz unseren Quartierverein in Wilhelmsburg auf. Das für uns zuständige Bezirksamt Mitte hat vor zehn Tagen die avisierten Millionenzuschüsse für unser neues Sportzentrum, das rund 18 Millionen Euro kosten wird, beim Bund in Berlin und bei der Stadt Hamburg formal beantragt. Wir hoffen nun, dass es mit der Realisierung im nächsten Jahr losgeht. Das Grundstück und das Gebäude sollen in eine Stiftung überführt werden, die wir gerade gründen. Eine Stiftung deshalb, damit später niemand auf die Idee kommt, aus unserem Towers e. V. Gelder für die Profimannschaft abzuzweigen. Die Towers bleiben eine Erfolgsstory, auf welchem Gebiet auch immer.
Nach sieben Niederlagen in acht Spielen ist bei den Hamburg Towers Ernüchterung eingetreten. Geschäftsführer Marvin Willoughby über Schmerzen beim Zuschauen und den Ruf nach einem Center.
Vor dem Start in die erste Bundesliga-Saison der Hamburg Towers sprach Geschäftsführer und Sportdirektor Marvin Willoughby optimistisch von den Playoffs: „Wir wollen nicht gegen etwas spielen, sondern um etwas – und zwar um die Playoff-Teilnahme.“ Nach acht Spieltagen mit sieben, teilweise sehr schmerzhaften Niederlagen, sieht die Basketball-Welt anders aus. Zwar geht es noch immer um etwas – allerdings nur noch um den Klassenerhalt. Nicht Letzter werden, lautet jetzt die Losung. Vor dem Heimspiel am Sonnabend gegen Bayreuth (20.30 Uhr) spricht der 41-Jährige über die Schwierigkeiten in seinem Team.
WELT: Nach der Heimpleite gegen Göttingen vor knapp zwei Wochen sollte in Ulm alles besser werden. Stattdessen setzte es eine 69:102-Klatsche. Wie fühlten Sie sich danach?
Marvin Willoughby: Was für eine Frage. Ich muss gestehen, dass es mir phasenweise schwerfiel, überhaupt hinzuschauen. Zu verlieren ist eine Sache, aber derartig auseinanderzubrechen – das tut weh.
WELT: Manche sind der Ansicht, dass die Mannschaft so nicht stark genug für die 1. Liga ist.
Willoughby: Dieser Vorwurf ist hart, aber ich muss gestehen, dass diese Kritik zurzeit leider gerechtfertigt ist. Ich kann nachts nicht mehr gut schlafen, aber am nächsten Morgen ist es meine Aufgabe, voranzugehen und allen klarzumachen, dass wir morgen besser sein wollen als gestern. Wir wissen, wo wir stehen, müssen aus unseren Fehlern die richtigen Konsequenzen ziehen und hart arbeiten.
WELT: Reicht das? Oder müssen Sie und Coach Mike Taylor nicht eingestehen, dass der ein oder andere Aufstiegsheld den Schritt in die Bundesliga nicht packt?
Willoughby: Der Schritt aus der ProA in die BBL ist groß. Aber es ist jetzt sicher nicht der Zeitpunkt, jemanden auszusortieren. Wenn ich das Gefühl hätte, dass fast alle ihre maximale Leistung bringen und wir trotzdem ständig verlieren, dann müsste ich sagen: Ok! So geht es nicht weiter. Ich glaube aber, dass wir die individuelle Qualität haben – wir müssen nur gemeinsam an einem Strang ziehen. Wir trauen unseren Jungs mehr zu, als sie bisher zeigen.
WELT: Ist das nicht blauäugig?
Willoughby: Nein. Wir haben ja schon zwei Spieler nachverpflichtet. Jorge Gutierrez und Michael Carrera werden uns sehr guttun. Von deren Einstellung kann sich der ein oder andere eine Scheibe abschneiden. Gerade unsere Leistungsträger haben in den letzten Wochen nicht konstant das gezeigt, was ich von ihnen erwarte. Und wir haben nicht den Zusammenhalt im Team, der uns in der letzten Saison, als es darauf ankam, durch die Playoffs getragen hat.
WELT: Kein Team hat in acht Spielen weniger Punkte erzielt als die Towers. Meiner Meinung nach liegt das nicht nur an der miserablen Dreierquote, sondern auch an der zu schwach besetzten Center-Position. Muss hier nachgebessert werden?
Willoughby: Es gibt einige Baustellen. Ich allerdings glaube, dass unsere Probleme in der Verteidigung liegen. Wir schaffen es leider nicht, als Team optimal zu agieren und die klaren Anweisungen des Trainers umzusetzen. Mal zögert jemand, dann ist er zu ungestüm. Ein anderer verfolgt plötzlich seine eigene Idee, will helfen und vergrößert so letztlich die Probleme. Dadurch, dass wir viele Körbe kassieren und wir gleichzeitig vorne zu Notwürfen gezwungen werden, verlieren wir die Spiele.
WELT: Ein starker Center, der immer für 15 Punkte oder mehr gut ist, würde aber schon helfen, oder?
Willoughby: Die Sportart hat sich entwickelt, wir befinden uns nicht mehr in den 1990er-Jahren. Den klassischen Center gibt es so nicht mehr. Vechta hat Bamberg in den letzten BBL-Playoffs ohne Center rausgeworfen.
WELT: Die 23 Punkte von Göttingens Dylan Osetkowski haben dem Team aber ebenso wehgetan wie zuletzt die 16 von Ulms Center Gavin Schilling …
Willoughby: Das mag sein, aber darüber denke ich nicht nach. Marshawn Powell und Marvin Ogunsipe verkörpern den modernen Typ eines Centers, und ich befasse mich ausschließlich damit, wie wir mit unseren Spielern ein Erfolgserlebnis feiern können. Noch Mal: Würden wir als Mannschaft geschickter verteidigen, könnten wir unsere Qualitäten in der Offensive auch besser ausspielen.
WELT: Werden die Towers in absehbarer Zeit erneut auf dem Transfermarkt tätig?
Willoughby: Wir glauben an die, die jetzt mit uns arbeiten wollen. Wenn neue Impulse notwendig sein sollten, werden wir sie aber geben. Die Mannschaft weiß das – dieser Druck ist da. Sämtliche Positionen werden infrage gestellt, außer vielleicht der von Justus Hollatz. Wir halten uns alle Optionen offen und beobachten den Markt.
In der ersten Folge geht es um den ehemaligen deutschen Basketballprofi und -nationalspieler Marvin Willoughby und sein Herzensprojekt: Die Hamburg Towers. Vom Sozialprojekt zum Profiverein. Wie die Hamburg Towers Soziales & elitären Leistungssport miteinander verbinden, Wilhelmsburg verändern, und Integration fördern. Besonders wichtig ist hier das Thema Nachhaltigkeit. Groupiefragen über Dirk Nowitzki, die NBA und das Berühmtsein konnten wir uns nicht verkneifen.