Ich habe mich noch nie so wenig wie ich gefühlt wie jetzt.
Ich bin absolut ziellos. Ich habe an nichts mehr Freude. Ich weiß nicht mal mehr, ob ich mich mit meinen Freunden wohlfühle.
Nicht, weil ich sie nicht mehr mag, sondern weil ich ihren Sorgen zuhören muss, die ich ihnen nicht absprechen will, aber alles klingt so banal.
Ich will auch nicht, dass meine Freunde sich für mich aufregen. An dem Großteil meiner Misere bin ich selbst schuld.
Immer alles auf den letzten Drücker. Ich habe mich so verbogen, dass ich im Spiegel nur noch meinen Hinterkopf sehe und der ist genauso ausdruckslos wie die ganze Welt. Es ist schwierig zu fühlen.
So richtiges Glück oder richtige Traurigkeit oder irgendwas für irgendwen.
Ich kann nichts. Und für niemanden hab ich Priorität. Nicht für einen einzigen Menschen. Kein Mensch ist unersetzlich. Aber manche sind eben noch unauffäliger als andere. Oder gänzlich unsichtbar.
Früher da war ich anders. Da habe ich es geschafft viele zu kennen und vielen sympathisch zu sein. Heute bin ich nur noch ein Schatten meiner selbst. Was habe ich gedacht wie toll ich werde. Ich bin aber allenfalls Mittelmaß.
Jeder Schritt nach vorn heißt zwei zurück, durch jede mutige Tat werde ich ängstlicher, durch jede Kritik, die ich erdulde, zerbrechlicher, durch jeden menschlichen Kontakt scheuer, durch jedes Lachen gleichgültiger, durch jedes Wachstum kleiner, durch jeden Erfolg unzufriedener.
Eines Tages werde ich aufwachen und realisieren, dass ich alt bin und alles falsch gemacht habe.
Kelly Clarkson singt, dass alles, was dich nicht umbringt, stärker macht. Aber was, wenn es dich nicht umbringt, es dich aber jedes mal unglücklicher macht und dich auch nicht voranbringt, sondern das genaue Gegenteil tut: dich schwächer macht?
So lange habe ich geglaubt aus allem könnte man etwas lernen, aber langsam denke ich, dass die Welt so nicht funktioniert. Beschissene Erfahrungen bleiben am Ende beschissen, wie du es auch drehst und wendest.
Mein altes Ich, das irgendwo auch in mir wohnt, verblasst, schreit jetzt laut, dass es sich zu kämpfen lohnt und das Leben doch vieles zu bieten und für jeden irgendwann das Glückt.
Aber wann kommt meins? Liebes altes Ich, wir sind keine 16 mehr. Für manche Träume ist es wohl schon zu spät.
Aber wenn es dich beruhigt, mein Liebstes, dann werde ich dir gern zugestehen, dass irgendwann auch wieder hellere Tage kommen. Nur jetzt gerade eben nicht.