Und wieder einmal spreche ich mit dem Mond, weil er der Einzige ist, der noch mit mir wacht.
Er fragt, wieso ich nicht schlafe. Ich müsse doch in 5 Stunden bereits aufstehen und zur Arbeit gehen.
Ich sage ihm, dass ich nicht schlafen kann und deshalb noch etwas an meinem Text für die Uni schreibe. Wenn ich eh schon wach bin, kann ich doch auch produktiv sein.
Der Mond schüttelt den Kopf und sagt, dass ich alles ausschalten soll und die Augen schließen soll.
"Ich habe Angst", sage ich dem Mond. "Wovor?", fragt er.
"Ein Versager zu sein und nichts geschafft zu bekommen. Ein bisschen vorm Leben. Vor Morgen. Vor den Dingen, die ich nicht beeinflussen kann. Vor Entscheidungen."
Der Mond lächelt, weil er alt ist und weise. "Mein Kind", flüstert er, "von hier oben betrachtet, spielt das alles gar keine große Rolle, glaube mir. Deine Angst hat nur so lange Macht über dich, wie du sie Macht haben lässt. Es ist so wunderbar, dass man nie weiß, was einen erwartet. Das Leben ist ein Abenteuer. Nur in geregelten Bahnen zu laufen, da kenne ich mich aus, das verliert mit der Zeit seinen Reiz. Aber du kannst jeden Tag etwas anderes erleben. Also Marsch ins Bett und in den neuen Tag!"
"Aber sie ist da", sage ich, "die Angst." Wieder lächelt der Mond. Seine Strahlenarme tätscheln mir den Kopf. "Wenn es dich beruhigt, gebe ich auf dich Acht."
Ich schließen den Laptop, lösche das Licht, decke mich warm zu. Nur noch der Mond und ich.
"Schlaf gut", haucht er noch. "Morgen wartet bestimmt ein toller Tag auf dich. Und ich werde warten, bis es Abend ist. Dann werde ich wieder bei dir sein." Irgendwie tröstlich zu wissen, egal was passiert, da oben am Nachthimmel steht der Mond und passt auf mich auf.
Und auf dich gewiss auch.